Ellwanger Bahnhof steht wieder zum Verkauf

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Steht gerade für 3,9 Millionen Euro zum Verkauf: der Ellwanger Bahnhof.
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Die Eigentümer aus Erding hatten für das historische Gebäude vor sieben Jahren für 1,1 Millionen Euro erworben - jetzt verlangen sie deutlich mehr.

Ellwangen. Er ist aktuell wieder zu haben - der Ellwanger Bahnhof. Wurde die Immobilie 2015 noch zum Preis von 1,1 Millionen Euro angeboten und am Ende - gegen den ausdrücklichen Willen der Stadt Ellwangen - an die Firma Neumair Sedlmeir GbR in Erding (heute:  Bayerische Liegenschaften GmbH) veräußert, wollen ihn die Eigentümer aus Bayern nun gerne wieder abgeben: allerdings für 3,9 Millionen Euro, wie auf dem Immobilienportal Immonet nachgelesen werden kann.

Schon 2015 war der Verkauf des Ellwanger Bahnhofs ein Politikum. Damals erhielt die Neumair Sedlmeir GbR den Zuschlag, die das Gebäude als Teil eines Pakets mit 100 Bahnhöfen von der Patron Capital Immobiliengesellschaft erwarb. Diesem Kauf ging allerdings ein Rechtsstreit voraus.

Denn: Die Stadt Ellwangen hatte damals dem Immobilien-Deal  widersprochen, weil der denkmalgeschützte Ellwanger Bahnhof, Baujahr 1867, im Sanierungsgebiet Ellwangen Mitte liegt.  Die damalige Stadtkämmerin Sabine Heidrich begründete den Widerspruch 2015 gegenüber der Schwäpo wie folgt: "Wenn der Verkauf eine Erschwernis für die Sanierungsziele bedeutet, wenn der Kaufpreis überhöht erscheint, weil der Verkäufer bereits auf die Zuschüsse spekuliert oder weil durch den Verkauf das ganze Preisgefüge des Areals aus den Fugen geraten könnte, dann hat die Stadt als Planungsbehörde das Recht des Widerspruchs." 

Am Ende blieb dieser Widerspruch aber ohne Erfolg. Dabei galt der Preis von 1,1 Millionen im Jahr 2015 tatsächlich als deutlich überhöht, wie Christoph Grohmann sagt, dessen Firma City Jung seit Jahren Mieter im Ellwanger Bahnhof ist. Grohmann hatte sich vor sieben Jahren selbst um den Erwerb des Gebäudes mit 1773 Quadratmeter Grundfläche bemüht. Allerdings vergeblich - zur eigenen Enttäuschung, aber auch zur Enttäuschung des Ellwanger Gemeinderats und der Verwaltung, die Grohmanns Pläne zum Kauf und Umbau des Bahnhofs seinerzeit unterstützt hatten. 

Damals bezeichnete Grohmann den Preis von 1,1 Millionen Euro in der SchwäPo als "illusorisch".  Heute sehe das etwas anders aus, sagt der Ellwanger Geschäftsmann. "Vor sieben Jahren gab es eine Schätzung, die den Wert des Bahnhofsgebäudes in Ellwangen auf 700 000 bis 800 000 Euro taxierte. Natürlich haben die Preise in den vergangenen Jahren nochmals angezogen, weshalb man heute durchaus 1,1 Millionen Euro dafür verlangen könnte. Aber auch nicht einen Deut mehr", erklärt Grohmann in dieser Woche auf Nachfrage unserer Zeitung. 3,9 Millionen Euro seien aus Grohmanns Sicht "eine vollkommen überzogene Preisvorstellung", zumal das Gebäude auch einen gewissen Sanierungsbedarf aufweise.

Bei der Stadtverwaltung reagiert man auf die Offerte bei Immonet zurückhaltend. Natürlich sei das Bahnhofsgebäude für die Stadt grundsätzlich "ein interessantes Objekt", auch weil es 2026 das Eingangstor zur Landesgartenschau in Ellwangen sein wird. "Aber wir werden dafür trotzdem nicht jeden Preis zahlen und ganz bestimmt keine 3,9 Millionen Euro", stellt Pressesprecher Anselm Grupp klar. Weiter betont Grupp mit Nachdruck, dass es derzeit auch keine Verhandlungen mit den aktuellen Eigentümern gebe. Der aufgerufene Preis von 3,9 Millionen Euro sei im Übrigen keine ganz neue Forderung, so der Pressesprecher. Diese Preisvorstellung sei der Stadt schon seit längerem bekannt.

Eine schriftliche Anfrage bei der Bayerische Liegenschaften GmbH, ob es schon Kaufinteressenten für den Bahnhof gibt und wie man die exorbitante Preissteigerung von über 250 Prozent für die Immobilie erklärt, blieb unbeantwortet.

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