Erträge sind nicht ganz so gut wie erwartet

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Landrat Dr. Joachim Bläse (r.) lernt im Rahmen des Erntepressegesprächs in Sachen Maisanbau dazu: Landwirt Andreas Engelhard (l. mit seinen beiden Auszubildenden) zeigt dem Präsidenten des Bauernverbands Ostalb-Heidenheim, Hubert Kucher und seinem Stellv
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Bei der Erntepressekonferenz in Dankoltsweiler schildern Bauern, Funktionäre, Erfasser und Müller erste Eindrücke der aktuellen Ernte und zeigen Tendenzen der Preisentwicklung auf.

Jagstzell-Dankoltsweiler

Die Wintergerste ist mit Ach und Krach eingefahren, die Mähdrescher hatten ihre Probleme auf den durchfeuchteten Böden. Jetzt warten die Landwirte auf trockene Tage, um auch Weizen, Dinkel, Roggen, Braugerste und Raps vom Feld zu holen. Eine erste Bilanz der Ernte 2021 lässt sich bereits ziehen, das wurde beim Erntegespräch des Landrats auf dem Betrieb von Andreas Engelhardt deutlich. Das Erntegespräch habe für die Landwirte dieselbe Bedeutung wie die Jahresbilanz der IHK für die Industriebetriebe. "Die Landwirtschaft ist im Ostalbkreis ein Wirtschaftsfaktor, die Höfe hier sind kein Museum, unsere Landwirte produzieren Lebensmittel", meinte Bläse. Von Politik und Gesellschaft würden ihnen zusätzliche Aufgaben übertragen "und die Politiker, die Gesetze machen, wissen oft nicht, was das für die Bauern vor Ort bedeutet", fügte der Landrat hinzu.

Helmut Hessenauer, Leiter des Geschäftsbereich Landwirtschaft am Landratsamt, blickte auf das Agrarjahr 2021, das anfangs zu kühl und dann zu feucht war. Die Kulturen seien dennoch gut aus dem Winter gekommen und hätten sich sehr gut entwickelt. Noch vor vier Wochen habe man mit überdurchschnittlichen Erträgen beim Getreide gerechnet. Nachdem die ersten Felder mit Wintergerste gedroschen waren, zeigte sich jedoch, dass die Korngröße eher klein ist und die Hektolitergewichte häufig unter denen der trockenen Vorjahre bleiben. "Landwirtschaft ist eben jedes Jahr anders", meinte Hessenauer mit Blick auf die schwierige Ernte angesichts durchnässter Böden und kurzer Zeitfenster zum Dreschen. Insgesamt seien die Bauern aber glücklich über den vielen Regen, weil er die Grundwasservorräte auffüllt und so gute Aussichten für kommende Jahre erlaubt. Im Ostalbkreis seien ohnehin überwiegend Viehhalter, die angesichts guten Wachstums ihre Futtervorräte wieder auffüllen können. "Wir erwarten in der nächsten Woche Erntewetter und können dann ohne größere Ertragseinbußen das Getreide einfahren."

Kurt Färber von der BAG Hohenlohe bestätigte, dass die Erträge bei der Wintergerste sehr unterschiedlich ausfallen: "Die vierzeilige Gerste ist schlechter als die zweizeilige, es fehlen 5 bis 7 Kilo am Hektolitergewicht. Positiv entwickelt sich dagegen der Preis. Die BAG kauft aktuell für 16,50 Euro je Dezitonne und zahlt damit zwei Euro mehr als im Vorjahr. Noch viel stärker ist der Preis beim Raps gestiegen: zahlten die Erfasser im Herbst noch 36,50 Euro pro dt bekämen die Landwirte aktuell 48 Euro. Färber: "Die Preise für Ölsaaten steigen enorm, weil China stark einkauft und weil ab 2023 kein Palmöl mehr in Biodiesel verwendet werden darf. Wir werben deshalb für den Raps, der beste Zukunftsaussichten hat."

Gerd Mezger von der Baywa AG machte deutlich, dass aktuell weltweit mit Ernteeinbußen gerechnet wird: "Die Erwartung war größer als der tatsächliche Ertrag, den der Regen weggeregnet hat."

Warum kleine Korngrößen beim Getreide und damit niedriges Hektolitergewicht ein Problem für die Müller sind, machte Friedrich Rehlen von der Heimatsmühle deutlich: "Wir bekommen weniger Mehl aus kleinen Körnern." Den Bedarf an Biogetreide könne man nicht regional decken, jedoch immer besser aus Deutschland, während man vor Jahren noch in Südeuropa kaufen musste.

Wie BAG und Baywa bestätigen, treffe der Preisanstieg leider nicht auf Biogetreide zu, wo aktuell eher zu viel Ware am Markt sei. Darin sieht Hubert Kucher, Vorsitzender des Bauernverbands Ostalb-Heidenheim eine direkte Folge politischer Eingriffe: "Die Biobauern, die seit Jahren den Markt aufgebaut haben, leiden jetzt unter der politisch erzwungenen Überproduktion. Es bringt einfach nichts, wenn man mehr Bioanbau will und die Menschen kaufen das nicht." Die Landwirtschaft und auch das Biosegment müssten sich langsam aus sich entwickeln können. Regelrecht wütend äußerte sich Kucher über Lügen und Diffamierungen, denen Landwirte zunehmend ausgesetzt seien: "Da wird behauptet, 15 000 Liter Wasser seien nötig um ein Kilo Fleisch zu erzeugen und wenn man verwundert nachzählt, erkennt man, dass da die Niederschläge eingerechnet sind, die auf die Felder niedergehen." Man solle doch bitte die Bauern, die gut ausgebildet seien, einfach ihre Arbeit machen lassen und nicht ständig neue Forderungen aufzustellen, bat Kucher. Wenn es nicht gelinge, die Agrarproduktion in Deutschland zu erhalten, werde man bald die Lebensmittel essen müssen, die im Ausland mit viel niedrigeren Standards erzeugt werden, zum Beispiel mit Chemikalien, die hierzulande längst verboten sind.

Im Anschluss führte Andreas Engelhard zu seinen Feldern und durch seinen Familien-Milchviehbetrieb mit 85 Kühen, Legehennen, Kartoffelanbau, Energieerzeugung und Direktvermarktung. Bekannt ist der "Tannenbauer" unter anderem für die Produktion von Eiernudeln.

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