Fred Ohnewald ist 65 Jahre alt

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Fred Ohnewald
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Der langjährige Leiter der SchwäPo-Redaktion Ellwangen genießt heute seinen Ruhestand.

Ellwangen/Grafenhof

Als Fred Ohnewald Ende 2019 dem Redakteursalltag auf Nimmerwiedersehen sagte, hatte er sich auf ein ruhiges Leben mit Frau und Hund eingestellt. Eine heimtückische Krankheit machte ihm erst einmal einen dicken Strich durch die Rechnung. Mittlerweile hat er die schwere Zeit überstanden und den 65. Geburtstag kann er wieder ausgelassen feiern.

Er wird schmerzlich vermisst, der Mann, der 1977 ein zweijähriges Redaktionsvolontariat bei der Schwäbischen Post absolvierte und nach längeren Lehr- und Wanderjahren beim Schwarzwälder Boten und beim Südkurier in Singen 1995 wieder zur SchwäPo zurückkehrte. Neue Heimat für den geborenen Aalener wurde nun Ellwangen, wo er fortan die kleine aber feine Außenredaktion leitete.

Wegen seiner enormen beruflichen Erfahrung und seinem Spürsinn für Themen, die auf den Nägeln brennen, genoss er schnell großen Respekt. Klare Sprache war sein Markenzeichen, seine Worte hatten Gewicht. „Er hat das Servicegebäude auf dem Marktplatz im Alleingang abgeschossen“, meinte kürzlich ein Leser. Fred wusste, wo der Nerv der Zeit liegt und legte immer wieder gern den Finger in wunde Punkte.

So angenehm die Atmosphäre in Ellwangen, so gefürchtet war Fred bei den Aalener Kollegen, unter anderem weil er in den Redaktionskonferenzen kein Blatt vor den Mund nahm. Die Ellwanger Dependance erhielt wegen ihrer Eigenständigkeit unter Chefredakteur Rainer Wiese die interne Bezeichnung „Redaktion Texas“. Die relative Unabhängigkeit von der Aalener Befehlsgewalt hatte sich Fred redlich erkämpft. Der Pflasterstein mit der Aufschrift „Argument“ auf seinem Schreibtisch war Sinnbild dafür. Fred pflegte seinen eigenen Führungsstil. „Wir verbringen mehr Zeit miteinander als mit unseren Frauen“, war so ein Spruch, mit dem er begründete, außerhalb der Konferenzen zusammenzusitzen oder ein gemeinsames Feierabendbier zu trinken.

In diese Ellwanger Geselligkeit waren oft auch die Damen und Herren der Geschäftsstelle und der Anzeigenabteilung eingebunden. Sogar im benachbarten Rathaus war bekannt, dass bei der SchwäPo die Hintertür immer offen und im Kühlschrank Getränke vorrätig sind. Spontane Besucher waren nicht selten und mit ihnen kamen wertvolle Informationen, die dann, wenn nicht der Fred, so doch der „Woiza“ für seine wöchentliche Kolumne verwertete.

Zeitlich kam Freds Abschied mit dem Beginn der Pandemie zusammen, wodurch eine große Abschiedsfeier vereitelt war. Die Redakteure arbeiten heute überwiegend im Homeoffice, nur selten ist einer in der Redaktion, wo ohnehin Zugangsbeschränkungen gelten. Statt dem Kühlschrank wird nur noch der Spender mit dem Desinfektionsmittel regelmäßig gefüllt. Corona herrscht, die Themenvielfalt hat gelitten, der Humor sowieso.

Und deshalb soll diese Hymne auf den ehemaligen Kollegen Fred mit einem „Best of“ ausklingen:

„Ich schick eich a Packung Korinthe nüber“, war sein Standardspruch, wenn in der morgendlichen Telefonkonferenz die Layoutvorgaben wieder allzu streng ausgelegt wurden.

"Dend doch ihr liabr Bretzlgugga drucka“, gesteigerte Form von Ärger, etwa wenn es jemand wagte, seine Überschrift zu verändern.

„Für so an Scheiß hab i grad koi Zeit“, Abschiedsgruß bei nervigen Anrufern.

Lieber Fred, lass dich feiern, heute und alle folgenden Tage.

Gerhard Königer

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