Gelebte Traditionen und Neuevangelisierung

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Sven van Meegen
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Interview zu Weihnachten mit dem Heidenheimer Dekan Prof. Dr. Sven van Meegen, der im April Pfarrer in Ellwangen wird.

Ellwangen/Heidenheim. Seit Juli 2009 ist Sven van Meegen Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Lone-Brenz. 2010 wurde er zum Dekan des Dekanats Heidenheim gewählt, 2017 im Amt bestätigt. 2011 wurde er zum Professor für Sozialethik und Sozialphilosophie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heidenheim berufen. Seit 2012 ist er Dekan der Fakultät Sozialwesen.

Schwäbische Post: In der Weihnachtszeit, in der man zusammenkommen, sich beschenken und Familie leben möchte, bedrückt die Ungewissheit durch die Pandemie besonders. Mit welchen Gedanken ermuntern Sie die Christen in dieser schwierigen Zeit?

Sven van Meegen: Gerade jetzt sollten wir Christen füreinander da sein. Weihnachten ist das Fest der Gemeinschaft. In vielen Situationen waren Christen in ihrer Geschichte in einer ähnlichen Situation. Und genau dann waren Mut, Kreativität, besondere Achtsamkeit, Wertschätzung, ein liebevolles Miteinander und vor allem der Glaube, dass Jesus in jedem von uns neu Mensch werden will die wichtigste Kraftquelle. Die lebendigste Krippe ist das Herz eines jeden Menschen. Gerade für die, die alleine leben, ist Jesus in besonderer Weise da. Das durfte ich selbst in den schwierigsten und einsamsten Momenten erfahren.

Wie werden Sie Heiligabend verbringen? Haben Sie Zeit, um sich gedanklich schon auf ihre künftige Wirkungsstätte einzulassen?

Ich habe am Heiligen Abend insgesamt vier Gottesdienste und kann in voller Freude und in der Gemeinschaft meiner jetzigen Kirchengemeinden Weihnachten feiern. Wenn ich etwas mache, dann ganz. Deshalb bin ich in Gedanken ganz hier. Allerdings bekomme ich jetzt schon viel Vorfreude in Anrufen, Briefen, E-Mails und Begegnungen durch Menschen aus Ellwangen mit. Das gibt mir Hoffnung und lässt mich mutig an die neue Herausforderung herangehen. Und natürlich nehme ich die Menschen aus meinen neuen Gemeinden mit in mein Gebet über die Weihnachtstage, denn mit ihnen werde ich die kommenden Weihnachtsfeste feiern dürfen. Deshalb von hier aus dem Dekanat Heidenheim allen Menschen aus Ellwangen und Umgebung frohe Weihnachten Gottes Segen für 2022!

Mit ihrer Investitur im April und der Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen im Juli werden 2022 zwei große kirchliche Ereignisse das gesellschaftliche Leben in Ellwangen bestimmen. Sind sie in die Planungen bereits eingebunden? Gibt es Ideen, wie die Feierlichkeiten zwischen Basilika, Schönenberg und den anderen Kirchengemeinen verteilt werden können?

Die Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen ist ein Jahrtausendereignis. Da wurde von den Verantwortlichen der Diözese und von Pfarrer Michael Windisch samt Team sehr viel vorbereitet. Das ist eine enorme Teamleistung, auf die Ellwangen und alle in der Diözese sehr stolz sein können. In meiner Investitur sehe ich kein großes kirchliches Ereignis. Das ist einfach ein formaler Beginn. Ich bin keine besondere Persönlichkeit, sondern sehe mich als Seelsorger, der für die Menschen in Ellwangen ab April da sein darf. Zu Beginn des neuen Jahres werden sich die verantwortlichen treffen und dann werden die vielen Ideen gesammelt und umgesetzt.

Pandemie, Klimawandel, globalisierte Welt: Viele suchen nach Sinn in einer Zeit des Umbruchs. Was könnte den Menschen neue Orientierung im Glauben geben?

Meiner Meinung nach ist die wichtigste Form in der Sinnsuche die Begegnung mit Gott und den Menschen. Martin Buber schreibt: „Der Mensch wird am Du zum Ich“. Wir Menschen in der Seelsorge sollen Wegbereiter, Raumöffner und Wegbegleiter sein für diese Begegnung. Echtheit, eine liebevolle Art, Freude und Hilfsbereitschaft sind meines Erachtens hierbei die wichtigsten Eigenschaften. Wer das in der Kirche erfährt, der wird berührt, angesprochen und erfährt neue Kraft. Gerade in der Begleitung von jungen Menschen (in der Gemeinde wie an der Uni) und im Dasein für Notleidende, Kranke und Sterbend durfte ich das vielfach erfahren. Wir leben schon in einer Zeit des Umbruchs in vielen Bereichen. Da braucht es Halt, einen roten Faden, gelebte Traditionen, Neuevangelisierung und einen Glauben der wirklich trägt.

Gerhard Königer

„Die lebendigste Krippe ist das Herz eines jeden Menschen.“

Prof. Dr. Sven van Meegen, zukünftiger Seelsorger in Ellwangen

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