Günther Oettinger: „Peinlich, peinlich, peinlich.“

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Günther Oettinger im Olgasaal der Reinhardt-Kaserne.
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Günther Oettinger, EU-Kommissar und Ministerpräsident a.D. spricht über die Krisen der Gegenwart.

Ellwangen. Am Donnerstagabend sprach Günther Oettinger im Olgasaal der Reinhardt-Kaserne über „Frieden, Werte, wirtschaftliche Stärke - eine Agenda 2030 für Deutschland und Europa“. Der Gast des Sprachenzentrums Süd und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) sah als Grund für die Krisen der Zeit  einen „Kampf der Systeme“. Autokraten gegen Demokratie, das „Reich des Bösen“ gegen das freie Europa und seine Verbündeten.

„Ich habe seit Hitler keinen schlimmeren Menschen erlebt als Putin“, sagt Oettinger und zeichnet im Galoppsprung den NATO-Doppelbeschluss, den Untergang der Sowjetunion und den Vertrag von Budapest nach, in dem der Ukraine für den Verzicht auf Atomwaffen die Unabhängigkeit garantiert wurde. Als Jelzins Nachfolger sei Putin verpflichtet diesen Vertrag einzuhalten. Stattdessen versuche er die Ukraine zu zerstören, weil er sie nicht besiegen könne. „Die Lieferung von Waffen zur Verteidigung, auch Kampfpanzer, halte ich für mehr als angebracht“, so Oettinger.

Die Zeitenwende, die der Bundeskanzler ausgerufen hat, begrüßte der Redner, viel zu lange habe man in den Gegenwartskonsum investiert und die Sicherheit, sprich die Bundeswehr vernachlässigt. Die Zeit unter dem Europa-freundlichen US-Präsidenten Biden sei bislang nicht genutzt worden, um Deutschland stärker zu machen. „Der DFB ist im gleichen beschissenen Zustand wie Deutschland“, schimpft Oettinger und bezeichnet das Agieren der Nationalmannschaft bei der One-Love-Armbinde als „peinlich, peinlich, peinlich.“ Man dürfe nicht einknicken, wenn Gegenwind kommt, sagt er und sieht die Gefahr, dass Deutschland „Abstiegsland“ wird.

Die Deutschen seien das älteste Volk der Welt, doch anstatt einfach länger zu arbeiten, werde die Rente mit 63 beschlossen. „Die Rechnung geht nicht auf, da brauchst du kein Mathematikstudium“, meint Oettinger und kritisiert auch das Arbeiten im Homeoffice, weil 70 Prozent der Jobs so nicht möglich seien: „Der Busfahrer sitzt hoffentlich vorne links und nicht zu Hause auf dem Sofa.“

Oettinger erkennt eine kulturelle Veränderung und warnt: „Wir sind nur noch Trippelschritte von der Dekadenz entfernt.“ Der Klimawandel sei Fakt, doch „die festgeklebten Jungen“ seien in keiner Form akzeptabel. Deutschland sei für gerade mal 2 Prozent Treibhausgasausstoß verantwortlich, die EU für 8 Prozent. „Damit können wir die Welt nicht retten“, sagt er. Dass Habeck "trotz Hofknicks" das Flüssiggas der Katarer nicht bekommt, sondern China, sei fatal: „Wir hätten eben auch längere Verträge anbieten müssen, nicht nur fünf Jahre.“

Global gesehen sei Deutschland ein Zwerg, doch im Team könnten auch Zwerge einen Riesen bändigen. Leider sei auch die EU derzeit nicht weltpolitikfähig. Oettingers "Agenda" ist relativ simpel: "Wir müssen wieder fleißiger werden."

Nach rund 30 Minuten ist der Vortrag beendet, Zeit für Diskussion gibt es nicht, weil ein Folgetermin in Stuttgart anstehe. Gerhard Ziegelbauer, Vorsitzender der GSP Ostwürttemberg, verabschiedet den Politiker mit einem Ammoniten von der Ostalb.

Info: Nächster Gast im Olgasaal ist am 12. Januar Generalleutnant Alexander Sollfrank, Kommandeur des Multinationalen Kommando Operative Führung in Ulm.

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