Horse Classics: Schweiß, Spaß, Stress und ein großes Ziel

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Beim Umbau des Parcours packen alle schnell mit an, damit es Weitergehen kann.

Wo eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher Großes leistet und warum tagelanges Schuften dennoch Erfüllung bringt.

Horse Classics 2021 in Killingen

Beim Umbau des Parcours packen alle schnell mit an, damit es Weitergehen kann.
Beim Umbau des Parcours packen alle schnell mit an, damit es Weitergehen kann. © Panja Tillmann-Mumm
Auch die Kleinen helfen mit.
Auch die Kleinen helfen mit. © Panja Tillmann-Mumm
Lukas Fischer, eigentlich für die Elektrik zuständig, ebnet schnell den Sand, bevor der nächste Wettkampf beginnt.
Lukas Fischer, eigentlich für die Elektrik zuständig, ebnet schnell den Sand, bevor der nächste Wettkampf beginnt. © Panja Tillmann-Mumm
Corinna Mattmann versorgt im Helferparadies ihre Kollegen mit Kartoffelgratin und Käsekuchen, wenn sie mal eine Verschnaufpause brauchen.
Corinna Mattmann versorgt im Helferparadies ihre Kollegen mit Kartoffelgratin und Käsekuchen, wenn sie mal eine Verschnaufpause brauchen. © Panja Tillmann-Mumm
Die Cocktailbarmädels Larissa und Chrissy (links) bewirten die Reiter in der Strandbar mit "Schlabberwasser" oder "Horse Classics" und fiebern kräftig mit.
Die Cocktailbarmädels Larissa und Chrissy (links) bewirten die Reiter in der Strandbar mit "Schlabberwasser" oder "Horse Classics" und fiebern kräftig mit. © Panja Tillmann-Mumm
Der Nachwuchs darf auch mal das Lasergewehr testen.
Der Nachwuchs darf auch mal das Lasergewehr testen. © Panja Tillmann-Mumm
Der Nachwuchs darf auch mal das Lasergewehr testen.
Der Nachwuchs darf auch mal das Lasergewehr testen. © Panja Tillmann-Mumm
Auch die Kleinen helfen mit.
Auch die Kleinen helfen mit. © Panja Tillmann-Mumm
Für das nächste Springen müssen nicht nur die Hindernisse umgebaut werden, auch die ganzen Pflanzen, die den Parcous schmücken, bekommen einen neuen Platz. Da gilt es schnell mit Anpacken, weiß Linda Hederer.
Für das nächste Springen müssen nicht nur die Hindernisse umgebaut werden, auch die ganzen Pflanzen, die den Parcous schmücken, bekommen einen neuen Platz. Da gilt es schnell mit Anpacken, weiß Linda Hederer. © Panja Tillmann-Mumm
Heidi Candin schwärmt von den super Bedingungen für die Reitsportler.
Heidi Candin schwärmt von den super Bedingungen für die Reitsportler. © Panja Tillmann-Mumm
Heidi Candin schwärmt von den super Bedingungen für die Reitsportler.
Heidi Candin schwärmt von den super Bedingungen für die Reitsportler. © Panja Tillmann-Mumm
Moni Niederländer ist mit ihren 7 Pferden und zwei Hunden aus Singen angereist und gönnt sich vor dem Stallzelt eine kleine Puase, bevor es an den BIathlon geht. Sie schwärmt von der super Organisation des Turniers.
Moni Niederländer ist mit ihren 7 Pferden und zwei Hunden aus Singen angereist und gönnt sich vor dem Stallzelt eine kleine Puase, bevor es an den BIathlon geht. Sie schwärmt von der super Organisation des Turniers. © Panja Tillmann-Mumm

Ellwangen-Killingen. Soeben ging ein rasanter reiterischer Biathlon zuende. Das Ride-Shoot-Drive. Mit atemberaubenden Sprüngen und Wendungen zu Pferde. Reithelmen, die in den letzten Sonnenstrahlen des Tages achtlos zur Seite geschleudert werden, während die „Reitbiatlheten“ durch den tiefen Sand sprinten, sich das Lasergewehr schnappen. Und anschließend mit Solarmobil Tweezy durch den Parcours schleudern, so dass doch der ein oder anderen Begrenzungseimer oder Blumenkübel dran glauben müssen. Und wohl so mancher im Publikum denkt: Ja, das will ich auch mal, so durch die Gegend heizen dürfen.

Wo eben noch konzentrierte Ruhe auf dem Platz herrschte, ist nun Betriebsamkeit pur. Wie aus dem Nichts stehen über 20 Helfer jeder Altersstufe auf dem Platz. Schleppen Stangen und Ständer. Kübel und Kleinzeug. Eimer und Täfelchen. Auch die Kleinen des Vereins sind eifrig mit von der Partie. Alles läuft Hand in Hand. Jeder weiß, was zu tun ist. Das ist der kleine perfekte Trupp von Pferdesportlern: die Reitsportgemeinschaft Ostalb. Die hier in Killingen ihr Ding macht. Ihr großes Turnier des Jahres. Ihr Horse Classics 2021. Auf Mario Walters privater Reitanlage.

Lukas Fischer, eigentlich für die Elektrik zuständig, ebnet schnell den Sand, bevor der nächste Wettkampf beginnt.

Sie haben fast alle Urlaub genommen, die 20 Reiter der RSG. Damit sie auf dem Turnier schuften können. Und zwar von morgens bis abends. Bunte Hindernisstangen schleppen, Boxen für die knapp 200 Gastpferde richten, den Vorbereitungsplatz wieder glatt ziehen. Banden aufbauen. Sie haben alle ihre eigentlichen Jobs. Sind Arzt, Lehrer oder Futtermittellieferant. Aber hier, in diesen Tagen der Tage auf der Killinger Reitsportanlage, macht jeder, was eben sein muss. Ist sich für nichts zu schade. Weil sie ein gemeinsames Ziel haben: den angereisten Reiterkollegen beste Turnierbedingungen, professionelles Niveau (die Parcours werden von niemand geringerem als Christa Jung und ihrem Team, die dasselbe auch für die German Masters in der Schleyerhalle tut, kreiert) und eine herzliche, familiäre Atmosphäre bieten.

Steffen Glonig steht am Eingang des Geländes. Nimmt die anreisenden Reiter in ihren teils riesigen Transportern in Empfang. Notiert, lässt ausfüllen, verteilt pinke Armbänder. Nur wenig später sieht man ihn in der Spätnachmittagshitze auf dem Vorbereitungsplatz Pferdeäpfel einsammeln. Eine Stunde später ist er auf dem Springplatz und zeigt den Biathleten, die gleich an den Start gehen wollen, wie das genau funktioniert mit dem Lasergewehr. Er ist ein Turniertausendsassa. Und von der Sorte hat die RSG eine ganze Reihe. Corinna Mattmann versorgt ihre Kollegen im „Helfer-Paradies“ mit Kartoffelgratin, Käsekuchen, Kaffee und Kühlem, wenn sie eine kleine Verschnaufpause brauchen. Ute Göhringer verteilt mit ein paar anderen eine ganze Lkw-Ladung Chrysanthemen und Thujas und lässt die top hergerichtete Anlage in sommerlichem Flair farbenfroh leuchten. Mario Walter zieht mit dem Schlepper den Sand wieder eben, parkt Tweezy für die Biathleten wieder an die Startposition oder eilt mit Söhnchen Tim an der Hand und Handy am Ohr zwischen den Hindernissen hindurch.

Die Cocktailbar, das ist die Baustelle von Larissa und Chrissy, zwei jungen RSGlerinnen. Friseurmeisterin Lissy hat keinen Urlaub.und bis 18 Uhr gearbeitet. Vom Salon ist sie direkt zu ihrem „Job“ in der Strandbar gehetzt. Da steht sie nun und mixt „Schlabberwasser“, „Walter Solar“ (eine Killinger Strandbarleckerei aus Pitu Cachaca, Kirsch- und Maracujasaft, Soda, Rohrzucker und Limetten) oder „Horse Classics“ im Glas und freut sich schon auf den Abend, wenn sie wohl wieder alle Hände voll zu tun haben wird. „Besonders schön ist es bei Flutlicht,“ lächelt Larissa, die sich schon im dritten Jahr um die Bar kümmert. Obwohl's stressig ist. Morgen muss sie um 6 in der früh in den Stall. Ihren Peanut versorgen. Dann in den Friseursalon. Und anschließend gleich wieder mit Chrissy in die Bar. Die durstigen Reiter und Gäste mit „Schlabberwasser“ und „Horse Classics“ versorgen. Und trotzdem findet sie: „Das ist keine Arbeit.“ Sie genießt es, Gleichgesinnte kennenzulernen. Oft komme sie nicht so zum „schmalgen“, aber fiebert hinter den Tresen mit, wenn jemand, den sie kennt, an den Start geht.

Die Cocktailbarmädels Larissa und Chrissy (links) bewirten die Reiter in der Strandbar mit "Schlabberwasser" oder "Horse Classics" und fiebern kräftig mit.

Fragt man Ute Göhringer, was diese Horse Classics Tage für sie sind, dann ist die Antwort einfach: irgendwie alles. Stressig, wenn wieder alle gleichzeitig was wollen. Entspannt, wenn sie in einem ruhigen Moment auf der Tribüne sitzen kann und den spannenden Wettkampf im Abendlicht verfolgen. Anstrengend, wenn abends nochmal alle Rerserven mobilisiert werden müssen, um den Parcours für den nächsten Morgen umzubauen. Wunderschön. Wenn sie sieht, wie wieder Turnieralltag möglich ist. Oder Tochter Nele und Stute Ella immer mehr Sicherheit und Erfahrung gewinnen.

Horse Classics. Das ist nicht nur eine süffige Sache mit Ginger Ale und Maracujasaft in einem Strandbarglas. Horse Classics. Das ist vorallem Einsatz. Schweiß. Spaß. Stress. Gelebte Leidenschaft. Das ist Gemeinschaft. Etwas, was der kleine Trupp der Reitsportgemeinschaft Ostalb auf die Beine stellt. Mit der Ambition, den Gastreitern beste Bedingungen zu bieten. Und das wissen die Reiter. Auf der Ostalb ohnehin. In Baden-Württemberg auch. Aber auch in Österreich oder Belgien. Und dann ist es zweitrangig, dass die Fahrt eine Weite ist.

Während neben an Reiter mit ihren Familien vor ihren Transportern grillen, anderen in der Stallgasse vor der Box ihres Pferdes hocken, entspannt Moni Niederländer im Schatten vor Stallzelt 2 auf dem Campingstuhl. Hündin Lima auf dem Schoß. Sie ist mit ihren 7 Pferden vom Bohlingen am Bodensee angereist. Und weiß auch warum: „Das sind hier einfach super Bedingungen und ein super Service.“ Sie hat von zuhause aus Heu und Stroh bestellt. Bei ihrer Ankunft stand schon alles parat. Und als Turnierreiter habe man keinen unnötigen Stress. Bei der RSG gebe es immer einen Ansprechpartner. Einfach Ausschau halten nach einem der grünen Vereins-T-Shirt-Träger. Und gut. Und super nett seien die Ostälbler auch.

Heidi Candin schwärmt von den super Bedingungen für die Reitsportler.

Das kann Pferdepflegerin Heide Candin nur bestätigen. Während sie Quiet Coradino, Lili, Genius und Little Lord Pezi, die vier Turnierpferde ihres Chefs, füttert und anschließend das Zaumzeug säubert, erzählt sie: „Die Plätze sind top hergerichtet, der Waschplatz klasse befestigt.“ Da rutsche kein Tier aus. Die Leute supernett. „Und der Mario Walter ist immer am Arbeiten. Wenn ich morgens vor 6 zu den Pferden geh', ist er schon auf dem Gelände unterwegs.“ Er helfe an allen Ecken.

Walter und der ganzen RSG-Trupp. Sie haben einen spitzen Ruf. Und das zurecht. Heidi Candin weiß: „Wie gut es im Sport läuft, also wie erfolgreich ein Turnierreiter ist, hat auch immer etwas mit den Bedingungen vor Ort zu tun.“ Das wissen die RSGler. Und geben definitiv ihr Bestes. Von Reitern. Für Reiter.

Von Panja Tillmann-Mumm

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