Hotspot Crailsheim und die Folgen

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Mit einem Inzidenzwert von 523 befindet sich Crailsheim derzeit leider bundesweit ganz weit vorn. Besonders hoch ist der Anteil der britischen Mutation, er liegt bei etwa 70 Prozent. Diese Aufnahme zeigt den Schweinemarktplatz am Montag.
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Die Zahlen im Landkreis Schwäbisch Hall und der Stadt Crailsheim steigen besorgniserregend weiter. Wie die Lage einzuordnen ist und welche Maßnahmen nun gelten.

Schwäbisch Hall/ Crailsheim

Aufgrund weiter steigender Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen im Landkreis Schwäbisch Hall und insbesondere der Stadt Crailsheim führt das Robert-Koch-Institut nun den Landkreis Schwäbisch Hall auf Platz acht der bundesweiten Corona-Hotspots.

In der Stadt Crailsheim liegt die Inzidenz nunmehr bei 523, der Landkreisschnitt bei 216.

Als unmittelbare Konsequenz verschärft der Landkreis Schwäbisch Hall bestimmte Auflagen. So gilt in der gesamten Crailsheimer Innenstadt nun eine permanente Pflicht zum Tragen medizinischer Schutzmasken im öffentlichen Raum.

Ausgenommen davon sind Kinder unter 6 Jahren sowie bei sportlicher Betätigung oder mit ärztlichem Attest.

Die zulässige Kundenzahl in den noch erlaubt offenen Geschäften und Märkten (also auch im Lebensmittelhandel) wird halbiert. Ab sofort ist nur noch ein Kunde pro 20 Quadratmeter erlaubt. Diese Maßnahmen gelten zunächst befristet bis 24. März.

Keine weiteren Schulöffnungen

Der Landkreis Schwäbisch Hall hat angesichts der Lage entschieden, die vom Kultusministerium freigegebene Schulöffnung für weitere Klassenstufen bis einschließlich 2. April auszusetzen.

Erst am Wochenende gab es Klarheit über die Entscheidung, wie mit den Schulen verfahren werden kann. Das Kultusministerium hätte bis zu einer Inzidenz von 200 auf einer Öffnung bestehen und den Landkreis überstimmen können. Mit dem Überspringen der 200er Marke kreisweit ist dies aber nun hinfällig.

Als am Freitagnachmittag schließlich ein Schreiben des Sozialministeriums über die Zulässigkeit der Schulschließungen eintraf, wurde nach Rücksprache des Landratsamtes mit dem Kultusministerium unverzüglich eine Allgemeinverfügung erlassen. Schwäbisch Halls Landrat Gerhard Bauer bedauert, "dass die Entscheidung über den weiteren Schulbetrieb so kurzfristig erfolgte und Familien Umorganisationen vornehmen mussten. Wir waren hier leider auf eine klare Antwort des Landes angewiesen."

Und weiter: "Nachdem wir die Nachricht des Sozialministeriums erhalten haben, haben wir umgehend die Städte und Gemeinden informiert und die Allgemeinverfügung erlassen", so Landrat Gerhard Bauer.

Jetzt die Schulen weiter zu öffnen, ist das verkehrte Signal.

Dr. Christoph Grimmer Oberbürgermeister Crailsheim

Ausgangssperre in Kraft

"Die in der Corona-Verordnung des Landes getroffenen Regelungen werden im Landkreis Schwäbisch Hall umgesetzt", bekräftigt Bauer. Dazu gehört auch die Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr.

Um die Lage in den Griff zu bekommen, spiele "insbesondere die konsequente Kontaktnachverfolgung sowie der enge Austausch zwischen dem Gesundheitsamt und den ansässigen Unternehmen hierbei eine große Rolle", versichert Bauer. Der Landkreis baue zudem Testkapazitäten weiter aus.

Landrat in Sorge

"Die nahezu täglich ansteigende 7-Tages-Inzidenz bereitet mir Sorgen", erklärt Bauer. "Die Landkreisverwaltung ergreift deshalb die nötigen Maßnahmen, um Ausbrüche des Corona-Virus einzudämmen. Die am Freitag erlassenen Allgemeinverfügungen werden hoffentlich zur Senkung der Infektionszahlen beitragen", sagt Bauer. Ein Entfernungsverbot von 15 Kilometer vom eigenen Wohnort sei hingegen nicht vorgesehen.

Crailsheims Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer befürwortet die Entscheidungen. "Das Infektionsgeschehen in Crailsheim ist derzeit diffus. Erste Ausbrüche an den Grundschulen zeigen, dass sich auch dort das Virus ausbreitet. Jetzt die Schulen weiter zu öffnen, ist das verkehrte Signal und wird nicht dazu beitragen, die Pandemiesituation in unserer Stadt unter Kontrolle zu bekommen", betont Grimmer.

Gleichzeitig lassen die aktuellen Zahlen nach Auffassung von Grimmer jedoch auch erkennen, dass der ohnehin weitgehend geschlossene Einzelhandel in Crailsheim kein Haupttreiber der Infektionen sein könne.

Dennoch: Während in vielen anderen Regionen des Landes die Geschäfte entweder komplett oder zumindest via "Click and Meet" wieder teilweise öffnen konnten, bleibt der Einzelhandel in Crailsheim weitgehend geschlossen.

Und da das Land in der Coronaverordnung Öffnungen an die Entwicklung einer 7-Tage-Inzidenz für drei Tage unter 100 gekoppelt hat, ist zu erwarten, dass es auf absehbare Zeit in Crailsheim keine Lockerungen der gegenwärtigen Beschränkungen für Handel, Gastronomie und Dienstleistungen geben wird.

Sonderfall pendelnde Schüler

Rosenberg. Das Verschieben weiterer Schulöffnungen im Landkreis Schwäbisch Hall hat auch Auswirkungen auf Schulen im Ostalbkreis, insbesondere die Rosenberger Karl-Stirner-Schule. Dort gibt es aufgrund der geografischen Lage einige Schüler, die aus dem Landkreis Schwäbisch Hall einpendeln. Konrektor Ralf Watzl bestätigte, dass "über das Wochenende die Drähte heiß liefen." Auf die Entscheidungen im Landkreis Schwäbisch Hall habe die Schulleitung umgehend reagiert und Rücksprache mit der Gemeinde als Schulträger und dem Landratsamt gehalten. Noch am Wochenende wurden die Eltern aller Schüler über die Situation informiert und die Präsenzteilnahme am Unterricht freigestellt, bestätigte Watzl. "Wir haben das Problem erkannt und uns darauf eingestellt. Unterrichtsmaterial steht bereit, Fernunterricht ist möglich. Wir haben es den Eltern freigestellt, ihre Kinder zu uns zu schicken, verbunden mit dem Appell, den Fernunterricht zu nutzen." Davon sei auch Gebrauch gemacht worden. jku

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