Im langen Kampf auf der Zielgerade

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Weniger Lärmbelästigung und mehr Sicherheit für die Bürger: Das sind die Gründe, warum der Ortschaftsrat endlich Tempo 30 für Lkw in der Ortsdurchfahrt durchsetzen will.

Die Zöbinger ächzen wegen des Verkehrslärms. Vor allem Laster sind das Problem. Jetzt haben die Ortschaftsräte Tempo 30 diskutiert. Das ist das Ergebnis.

Unterschneidheim-Zöbingen

Mein Gott. Zehn Jahre Kampf.“ Mit einem tiefen Durchatmen beschloss Ratsmitglied Klaus Buchstab die Sitzung des Zöbinger Ortschaftsrates. Das große Thema war „Tempo 30 für Lkw in der Ortsdurchfahrtfahrt von Zöbingen“ gewesen. Etwas, was Ort und Anwohner schon sehr lange Zeit beschäftigt.

Eine Verkehrsberuhigungsmaßnahme sei schon gefordert worden. „Damals war ich noch nicht mal Mitglied im Ortschaftsrat“, sagte Ortsvorsteher Roland Gloning. „Das ist überfällig“, erklärte einer der betroffenen Anwohner der Durchgangsstraße. Die Schule liege direkt an der Straße, Bushaltestellen, die von Schülern genutzt würden, ebenso. Die Kreuzung Bopfinger Straße/Schneidheimer Straße/Kapellenstraße/Hauptstraße sei so gut ausgebaut, „da können Lkw locker mit Tempo 50 durch die Kurve. Es ist ein Wunder, dass noch nichts passiert ist, wenn da Kinder unterwegs sind“. Auch der Linksabbiegeverkehr Richtung Walxheim sei gefährlich, der Gesamtverkehr zu schnell. Auch der Autos. „Diese Situation macht auf Dauer krank.“

Ein anderer Anwohner bestätigt: „Sobald die Lkw um die Kurve oder hinter den Blitzern sind, geben sie wieder Gas.“ Auch die Querungshilfe bringe nur bedingt etwas.

Nicht nur für die Anwohner, auch für die Räte war klar: Eine Verkehrsberuhigung sei schon lange der Wunsch, das Ergebnis der Schalluntersuchung vom November 2020 eindeutig. Tempo 30 für Lastwagen bringe für die Anwohner viel Entlastung in Sachen Lärm und mehr Verkehrssicherheit für alle, fasste Ortschaftsrätin Sabine Beck zusammen. Kollegin Stefanie Müller stimmte zu: „Tempo 30 für Lkw müssen wir machen. Und zwar rund um die Uhr.“

Bürgermeister Johannes Joas erinnerte, dass ein Lärmaktionsplan zur Debatte stehe. Aber: „Der dauert lange, kostet viel Geld, und wir brauchen das in dieser Form nicht“, positionierte er sich. Ende März hatte der Rat beschlossen, eine umfassende Bürgerbeteiligung bei dieser Frage anzusetzen. Dies diskutierten die Mitglieder nun in der Gemeindehalle noch einmal. Der Entschluss sei unter anderen Bedingungen gefasst worden, da im Gespräch gewesen sei, Tempo 30 rundum die Uhr für alle, also nicht nur für die Lastwagen, einzuführen. Deswegen habe man sich die Meinung der Zöbinger zu diesem Thema gewünscht, erinnerte Müller. Der Rat sei sich im März aber schon sicher gewesen, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung für die Lastwagen kommen müsse. Daher entschieden die Räte, Tempo 30 für Lkw nun voranzutreiben. Gleich im Oktober soll die Sache in den Gemeinderat und die Bürger nur dann angehört werden, falls weitere Maßnahmen wie ein Tempo 30 für alle Thema wird.

Jetzt geht es um die Lastwagen: „Diese Maßnahme ist alternativlos“, fand Beck. Und: „Nicht so ein Schilderwald wie in Röhlingen“, sagte Joas. Die Regelung müsse klar und übersichtlich sein. Dass der Handels- und Gewerbeverein nicht begeistert sei, vermute er. Auch der ÖPNV müsse gehört werden.

Die Maßnahme habe nicht nur Vorteile: Die Fahrzeuge verweilten länger im Ort. Und die Unterschneidheimer aus anderen Ortsteilen, die Zöbingen nur durchfahren, „brauchen dann zwei Minuten länger durch den Ort“, so der Bürgermeister. Das sei eine Frage der Solidarität innerhalb der Gemeinde: „Da muss ich mich fragen, wie stark bin ich betroffen, wenn ich täglich zwei Minuten länger unterwegs bin. Und wie es den Mitbürgern geht, die täglich rund um die Uhr von der Verkehrssituation betroffen sind.“

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