Kurios: Fischbachsee ist kein Badesee

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Der Fischbachsee auf der Gemarkungsgrenze zwischen Jagstzell und Ellwangen. Trotz einer Länge von einem Kilometer und gut neun Hektar Oberfläche ist das Baden eigentlich nicht erlaubt.
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Seit 50 Jahren wird in dem Gewässer gebadet. Warum das jedoch nie rechtens war und welche Konsequenzen das nun mit sich bringt.

Ellwangen/Jagstzell

Der Fischbachsee ist kein offizieller Badesee und war es auch nie." Mit dieser Aussage verblüffte Jagstzells Bürgermeister Raimund Müller, auf dessen Gemarkung der See zur Hälfte liegt, in der jüngsten Sitzung des Wasserverbandes Obere Jagst. Der gut neun Hektar große See wird jedoch von den Bürgern aus Jagstzell und Ellwangen seit fast fünf Jahrzehnten als solcher genutzt.

"Der See ist als Speicherbecken eine technische Anlage und das Betreten verboten", konstatierte Müller. "Es fehlt jegliche Badesee-Infrastruktur, es gibt nicht einmal einen Mülleimer."

Aufgekommen ist das Thema Fischbachsee durch die Neubewertung der Flächen mit sonstiger Gewässernutzung durch den Wasserverband Obere Jagst und die Befürchtung, dass es hier zu unkontrollierbaren Auswüchsen in Corona-Zeiten kommt.

Allerdings steht der See gleichzeitig auf der offiziellen EU-Badegewässerliste, und auch die Stadt Ellwangen führt ihn als Badesee in der Broschüre zur Seenplatte. Wie er auf die EU-Liste gelangte, weiß niemand mehr. "Beim Fischbach erfolgte nie ein Antrag zum Gemeingebrauch", bestätigte Ellwangens OB Michael Dambacher. Konsequenterweise müsse man den See eigentlich von der Liste nehmen, so Dambacher. Dadurch wäre dann allerdings auch Baden offiziell verboten.

Der Fischbachsee ist kein offizieller Badesee.

Raimund Müller Bürgermeister

Hier war Müller anderer Ansicht: "Das Baden ist bereits jetzt nicht erlaubt. Am Betriebsgebäude steht ein Hinweis, dass das Betreten des Betriebsgeländes und der Anlage verboten ist. Dazu zählt auch der See."

Die Gewässerqualität wird derzeit allerdings regelmäßig durch Probenentnahme und Analyse überwacht, die Kosten dafür werden von der EU übernommen. Auch das würde dann entfallen. Kirchbergs Bürgermeister Stefan Ohr warnte davor, jetzt in einem Schnellschuss weitere Verbotsschilder aufzustellen. "Das wäre gerade in Corona-Zeiten das falsche Signal an die Bevölkerung." Zumal auch die Frage zu klären sei, wie und durch wen ein Verbot umzusetzen sei. Der See werde schließlich seit Bestehen als Badesee genutzt.

Nun sollen die Gemeinden Ellwangen und Jagstzell gemeinsam klären, wie mit dem See und der Nutzung künftig verfahren werden soll. Bis dahin gilt nun: Wer dort trotzdem badet, handelt auf eigenes Risiko.

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