Stabwechsel bei Schlosser in Jagstzell

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Schlosser Holzbau in Jagstzell
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Marlen Schlosser übernimmt den Holzbaubetrieb mit 80 Beschäftigten, den ihr Vater vor 40 Jahren gegründet hat.

Jagstzell

Fünf junge Männer in Zimmermannskluft posieren stolz neben einem nagelneuen Kleinlaster: Das Bild von 1982, aus dem Gründungsjahr seines Jagstzeller Holzbaubetriebs, präsentiert Josef Schlosser gern. Zum 40-jährigen Bestehen der Firma, die mittlerweile rund 80 Menschen beschäftigt, übergab der Gründer die Geschäftsleitung an seine Tochter Marlen Schlosser. Die 37-jährige Wirtschaftsingenieurin führt künftig den Holzingenieurbau-Betrieb, der vor allem im Bau von Reithallen, aber auch Mehrfamilienwohnhäusern und Objektgebäuden aus Holz europaweit einen Namen hat.

 Um die passenden Worte ist Josef Schlosser, der zwölf Jahre Aalener Zimmerer-Obermeister und 16 Jahre Präsident des Verbandes Holzbau Baden-Württemberg war, nie verlegen: „Das Bauen muss neu gedacht werden, um als mittelständisches Handwerksunternehmen ganz vorne mitzuspielen. Man muss immer den entscheidenden Schritt voraus sein. Man braucht Visionen und muss offen sein für Veränderungen“, sagt er mit Blick auf den Wandel, den das Unternehmen vollzogen hat. Derzeit ist Josef Schlosser amtierender stellvertretender Bundesvorsitzender im Verband Holzbau Deutschland. Dem Vorstand dort gehört der Jagstzeller schon seit 20 Jahren an.

„Nun trete ich in die zweite Reihe zurück“, sagt er über seine eigene Zukunft im Unternehmen. Er werde weiter im Vertrieb tätig sein und sich vor allem um den Reitanlagen-Bau kümmern – auch aus eigener Pferdesportbegeisterung, die er mit dem Rest der Familie teilt. Aber auch sein Hobby Segelflug soll nun mehr Platz einnehmen.

Wirtschaftsingenieurin Marlen Schlosser, die vor elf Jahren als Trainee ins Unternehmen einstieg, nachdem sie ihren Master in Projektmanagement absolviert hatte, ist bereits seit seit 2015 Mitgeschäftsführerin. Nun übernimmt sie die Führung. „Holzbau ist einfach unsere Leidenschaft“, betont sie und fügt hinzu: „Wir kombinieren einen der ältesten Baustoffe der Welt mit den neuesten Technologien und agilen Herangehensweisen.“ Für sie ist Holz der Baustoff der Zukunft. „Themen, die uns bewegen sind bezahlbarer Wohnraum, der Umgang mit dem Fachkräftemangel, das Erreichen der Klimaziele und der Ressourcen schonende Umgang mit Rohstoffen.“

Himmelsstürmer und internationales Pferdesportzentrum

Neben dem Bau von Reithallen und -anlagen ist Schlosser in den Bereichen Wohnen, Gewerbebau und Holz-Ingenieurbau tätig. Angegliedert ist zudem ein Fachplanungs- und Ingenieurbüro. In der Produktion sind neben Zimmerern auch Experten in den Bereichen Flaschnerei, Fensterbau und Stahlbau tätig: Der Anteil der Arbeiten, der bereits auf dem geräumigen Jagstzeller Gelände erledigt werden, wächst stetig. So entstand der Himmelsstürmer – der Holzturm für die Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd 2014 bereits größtenteils in den Hallen von Schlosser, ehe er in Rekordzeit im Landschaftspark Wetzgau aufgestellt wurde.

 Eines der größten Holz-Wohnbauprojekte in Süddeutschland ist das Lias Quartier in Aalen mit rund 70 Wohneinheiten und Einzelhandelsgeschäft. 2022 wollen es Schlosser und die anderen am Bau Beteiligten fertigstellen. Im Holz-Ingenieurbau ist Schlosser stolz auf die Industriehalle der SWG, einer Tochter der Würth-Gruppe, in Waldenburg. Diese Halle ist mit Maßen von 113 mal 96 Metern das weltweit weitgespannteste Bauwerk aus dem Material Baubuche.  

Auch Firmenbauten zählen zu den Referenzen, etwa das Verwaltungsgebäude des Versandhändlers Allnatura in Heubach mit Büro und Ausstellungsfläche. Der Holzbau wurde 2016 fertiggestellt, nun ist das Team von Schlosser bereits mit dem Erweiterungsbau beschäftigt, der Ende des Jahres fertig sein soll.

 Zahllose Reitanlagen gehen auf das Konto der Jagstzeller – etwa ein internationales Reitzentrum in Dreieich bei Frankfurt am Main, das 2017 fertig wurde. Hier wurde eine Reithalle mit Pferdestallungen, Führanlage. Seminar-und Wohnräumen kombiniert.

 Für seine immer neuen Ideen hat Schlosser bereits einige Preise erhalten: zuletzt unter anderem den „Arbeitsschutzpreis Baden Württemberg 2020“. Er würdigt den „Partner-Check“ bei Schlosser: Wie sonst im Klettersport üblich, checken sich die Handwerker auf der Baustelle gegenseitig und schaffen so mehr Sicherheit.

 Um „effektiver und schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können“, hat Marlen Schlosser zudem die im Handwerk noch unbekannte Arbeitsmethode der agilen, cross-funktionalen Teamstruktur eingeführt. „Statt starrer Abteilungen arbeitet jeweils ein Team, bestehend aus allen Kompetenzen, gemeinsam an einem Projekt“, heißt es aus dem Unternehmen.

„Holzbau ist einfach unsere Leidenschaft.“

Marlen Schlosser, Geschäftsführerin
Marlen Schlosser und Josef Schlosser

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