„Wildes Heer“ gibt seine „Beute“ ab

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Die Jagstzeller Faschingsgruppe „Wildes Heer“ (WH) hat sich nach 20 Jahren aufgelöst und machte aus ihrer aufgelösten Vereinskasse zwei großzügige Spenden. Von links: Reinhold Nestler, WH, Dr. Bertram Dreßler und Norbert Eberhardt vom „Wer
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Die Jagtszeller Narrengruppe hört wegen „Überalterung“ auf und hat nun mit Auflösung der Vereinskasse 5000 Euro für gute Zwecke in der Gemeinde gespendet.

Jagstzell

In den 1920er Jahren hat der Schwäbisch Haller Oberlehrer Alois Wiehl ein kleines Büchlein mit dem Namen „Sagengold“ herausgebracht. Das von Karl Stirner mit feinen Zeichnungen illustrierte Bändchen erfreute sich einst großer Beliebtheit und fehlte in keiner Schülerbücherei. Wiehl hatte zahlreiche Sagen „aus Württembergs Nordosten“ zusammengetragen und dort mindestens fünfmal vom „Wilden Heer“ erzählt.

Die Überlieferung an diese wilden Jäger hatte vor 21 Jahren der Jagstzeller Heimatforscher Nikolaus Kurz aufgegriffen und daraus eine Gruppierung geformt, die zwei Jahrzehnte lang den Narrenbaum aufstellte, eine Narrenmesse mitgestaltete und an der Fastnacht den Bürgermeister absetzte.

Nun, im Frühjahr 2020 hat das Jagstzeller Wilde Heer seine Auflösung angekündigt, weil die Gruppe – im Gegensatz zum Sagenheer - gealtert und alle „Ü60“ und teilweise „Ü70“ sind und kaum mehr Nachwuchs hatten.

Jetzt wurde auch die Vereinskasse „abgewickelt“ und die in 20 Jahren „geraubte“ Beute von 5000 Euro, laut Nikolaus Kurz das Ergebnis ungezählter Getränke und Würste bei der Jagstzeller Straßenfastnacht, wieder an die Bevölkerung zurückgegeben.

Ein letztes Mal kamen daher ein paar wilde Gesellen aus den Keuerstadter Wäldern, allerdings „in Zivil“ mit einem Sack voller Geld aufs Rathaus und überreichten zwei großzügige Spenden.

So erhielt der „Wer-hilft-wem-Verein“ 2000 Euro für seine vielfältigen Aufgaben. Dessen Vorsitzender Dr. Bertram Dreßler bedankte sich bei der Übergabe herzlich bei Diana Hauber, Reinhold Nestler und Nikolaus Kurz vom Wilden Heer. Die Gemeinde erhielt einen Scheck über 3000 Euro zur Anschaffung und Finanzierung von Ruhebänken im Gemeindebereich. Die Sitzgelegenheiten mit dem Wappen des Wilden Heeres sollen an ihre räuberische Zeit von 2000 bis 2020 erinnern.

Der neue Bürgermeister Patrick Peukert dankte für die großherzige Geste. Sein Amtsvorgänger Raimund Müller erinnerte etwas wehmütig an schöne und aufregende Zeit bei den vielen Rathauserstürmungen.

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