Johnnys Lieder aus dem Alltag mit viel Empathie

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Johannes Fuchs mit seiner Gitarre; gelegentlich nimmt er noch eine Mundharmonika oder ein Kazoo dazu. Sein Hauptinstrument ist jedoch seine klare, wohl geformte Stimme.

Johannes Fuchs begeistert sein Publikum auf der Borro-Ranch.

Rosenberg-Hohenberg. Es war eine gute Entscheidung des Arbeitskreises Vilmer trotz tagsüber dunkler Wolken und Sprühregens das Konzert im Freien bei der Borro-Ranch zu veranstalten. Kein Regen mehr am Abend, die beginnende Dunkelheit über den Häusern von Hohenberg, der aufsteigende Nebel aus dem Rotenbachtal, eine kleine Bühne, ein Mikro und einige Scheinwerfer. Dies genügte dem Liedermacher Johannes Fuchs seine Sicht des Alltäglichen aber auch des Besonderen musikalisch so zu formen, dass die Zuhörer darüber schmunzeln konnten, ihnen gelegentlich aber auch eine Gänsehaut über den Rücken lief.

Nach einer musikalischen Begrüßung und der Aufforderung mitzumachen und mitzusingen, erzählte der in Neuler aufgewachsene und in Wangen im Allgäu lebende Lehrer Johannes Fuchs, wie er seine Oma besuchte, als sie ins Altenheim gehen musste. Akkordwechsel von Dur nach Moll unterstrichen den melancholischen Charakter dieses Liedes.

Ein Kontrast dazu war ein spanisches Liebeslied für seine Frau Laura „mit viel „Corazon“ (=Herz) und „Amore“, bei der die zuhörenden Männer die Rhythmusgruppe und die Frauen den Ti-Amo-Backgroundchor bildeten.

„Früher habe ich nur Liebeslieder gedichtet und gesungen, aber jetzt, auch nach einigen Jahren Ausland, denke ich über den Zustand unserer Welt nach“, sagte er und griff ein Zitat von Papst Franziskus auf, der angesichts eines Flugzeugabsturzes gesagt hat „Hat irgendwer von euch um diese Toten schon eine Träne geweint?“. Johnny Fuchs hat es in seinem Empathie-Lied so formuliert „Weine und gieß mit deinen Tränen Friedenskeime“. Bei einem Blick durch sein Zimmerfenster ließ er einst seine Gedanken abschweifen und machte eine „Traum“-Reise“. Jana aus der Zuhörerschaft begleitete ihn mit der Triangel.

In der Pause stellten die Sprecherinnen des Arbeitskreises Vilmer, Elena Blattner und Kathrin Hirschle, die Tropenwaldstiftung „Oro Verde“ vor. An diese Bildungsorganisation gehen die Konzertspenden. Ursprünglich war der Empfang von Paola aus Vilmer vorgesehen, die ein Jahr lang in Deutschland bleiben sollte. Sie und ihre Familie in der argentinischen Partnergemeinde von Hohenberg, sind teilweise schwer an Corona erkrankt und dieser Austausch muss deswegen auf das kommende Jahr verschoben werden.

Der zweite Konzertteil war zunächst geprägt durch zwei sehr persönliche Lieder von Johannes Fuchs. In diesen schilderte er das Schicksal eines kleinen Jungen, der mit einem schweren Herzfehler geboren wurde und nach einer hoffnungsvollen Operation auf dem Weg von der Klinik nach Hohenberg gestorben ist. Viele Zuhörer wussten von dem kleinen Matteo und seiner Familie, und es war gut, dass es mittlerweile völlig dunkel geworden war. So konnte jeder seine Träne für ihn weinen. Der Religionslehrer Johannes Fuchs empfahl, dieses Schicksal und alle Schicksale dieser Welt einem empfindsamen Gott – so jedenfalls könne er ihn erleben und deswegen an ihn glauben. Nachdenklich war auch das Lied über seine andere Oma, die im Alter von Vergessenheit geprägt war und trotzdem immer wieder „heim“ wollte.

Zum Abschluss des lauen Sommerabends machte Johannes Fuchs allen Mut das Leben anzunehmen und zu genießen. Mit dem Publikum abwechselnd erklangen ein Heh–Ho und andere zweisilbige Begriffe und ganz zuletzt standen alle auf und tanzten zu „Step-by-step“.

Die etwa 100 Zuhörer erklatschen begeistert einige Zugaben, und da beim Tanzen sowieso alle aufgestanden waren, dankte Johannes Fuchs für „Standing Ovations“. ng

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