Jugendliche fragen nach Atomkrieg und Sanktionen

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Roderich Kiesewetter (3.v.r.) stellte sich im Hariolf-Gymnasium den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Foto: Gerhard Königer

Querdenker demonstrieren, während Roderich Kiesewetter mit Jugendlichen über die Ukraine spricht.

Ellwangen. Einen spannenden außenpolitischen Abend erlebten rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer am Donnerstagabend im Hariolf Gymnasium. Wo er selbst einst zur Schule ging stellte sich Roderich Kiesewetter den Fragen der Jugendlichen, während draußen rund 30 Menschen protestierten.

Der Bundestagsabgeordnete hatte vorher noch versucht, mit den Demonstranten zu sprechen, doch außer Geschrei und Beleidigungen hatten sie, darunter viele Putinanhänger, nicht viel zu bieten. Kiesewetter musste sich als „Kriegstreiber“ und „Dummschwätzer“ beschimpfen lassen und gab schließlich auf. Die Polizei hielt mit 10 bis 20 Beamten die Stellung.

Die Jugendlichen, die sich mit ihrem Gemeinschaftskundelehrer Josef Ziegler vorbereitet hatten, konfrontierten den Politiker mit klugen Fragen. Unter anderem ging es darum, ob die Ukraine wirklich die Krim beanspruchen sollte, wie es Selenski öffentlich tut.

Kiesewetter berichtete von seiner Reise nach Kiew, wo er Selenski und dessen Amtsvorgänger Poroschenko traf. Selenski habe persönlich durchaus liberale Ansichten, sei jedoch seit den Kriegsverbrechen in Butscha und Mariupol dem Druck des Amtsvorgängers ausgesetzt und müsse deshalb die Krim einfordern. „Selenski muss den Krieg gegen Russland gewinnen“, auch weil er sonst die Macht an die Clique um Poroschenko wieder verlieren könnte, stellte Kiesewetter fest.

Es ging um die Wehrpflicht in Deutschland, die laut Kiesewetter schon aus Mangel an Kasernen nicht wieder eingeführt werden könne. Es ging um die Mobilisierung in Russland, die drohende Frühjahrsoffensive, und wie Deutschland und Europa der Ukraine am besten beistehen könne. Kiesewetter plädiert für die Lieferung gepanzerter Fahrzeuge, etwa 100 Schützenpanzer Marder, sowie 100 bis 200 Leopard 2-Kampfpanzer als europäische Initiative, nicht als deutschen Alleingang.

Die Jugendlichen wollten wissen, was eigentlich ein Paria-Staat ist. Kiesewetter definiert ihn als Staat, der sich selbst aus der Völkergemeinschaft ausgrenzt, wie Iran und Nordkorea. China zählt Kiesewetter nicht dazu, solange das Land Taiwan nicht angreift. Deutschland befinde sich in gefährlicher Abhängigkeit, von Russland bei der Energieversorgung, von den USA in Sachen Sicherheit und von China wirtschaftlich und es wichtig, sich von diesen Abhängigkeiten zu lösen.

„Explodierende Energiepreise, starke Inflation: Wie lange macht unsere Gesellschaft das noch mit“, lautete eine Frage. Kiesewetter meinte, Deutschland habe noch drei oder vier harte Jahre vor sich. Die Ursachen solle man aber nicht allein im Krieg suchen, der wirke vielmehr als Katalysator als Beschleuniger eines Wandels, der schon vorher eingesetzt habe. Zur Gefahr eines Atomkrieges meinte Kiesewetter, dies sei die „Angstwaffe“ Putins, die in Deutschland besser greife als in anderen Ländern. Kiesewetter: „Wir müssen zeigen, dass wir auf jede Eskalation reagieren und ihm deutlich machen, dass der Preis zu hoch wäre.“ ⋌gek

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