Krippenbauer aus Leidenschaft

  • Weitere
    schließen

Wie der 80-jährige Helmut Stegmaier zum Krippenbauen kam und wem er damit immer im Advent eine Freude bereitet.

Stimpfach-Krettenbach

Ein ganz leichter, würziger Holzgeruch liegt in der Luft – und überall befinden sich Maschinen, Werkzeug oder Material. Wer Helmut Stegmaiers Werkstatt in Krettenbach betritt, erkennt sogleich: Hier schafft einer. So richtig. Mit Liebe zum Handwerk, Sorgfalt, Geduld und, vor allem: ganz viel Leidenschaft. Seit einigen Jahren schon hat sich der 80-Jährige dem Krippenbau verschrieben – mit sehenswerten Ergebnissen.

Schon länger war Stegmaier fasziniert von dieser besonderen Handwerkskunst und besuchte daher auch gerne Kirchen und Kapellen, um seine Kenntnisse darüber zu erweitern. Ein großes Vorbild für ihn sei Sieger Köder, erzählt er: "Der hat tolle Sachen gemacht!" Vieles Wissenswerte las er sich aus Büchern an und begann dann mutig mit dem Bau der ersten eigenen Krippe. Doch nach einiger Zeit steckte er im Projekt fest und wusste nicht weiter. Auch all die Erfahrung, die er zuvor beruflich im Metallbau und danach als Hobby-Holzhandwerker gesammelt hatte, half da nichts.

Die Rettung brachte ein Volkshochschulkurs des Nördlinger Krippenbauvereins, den Helmut Stegmaier besuchte. Über vier Tage, so erinnert er sich, sei da gefachsimpelt, gewerkelt und gelernt worden. Und das Beste: "Meine erste Krippe wurde dort fertig." Mit dem Wissen, das er sich in Nördlingen aneignete, habe er inzwischen einige Krippen selbst gebaut.

Das Vorgehen dabei ist im Prinzip immer gleich: Zuerst braucht es einen Unterbau aus pappeähnlichem Material, der als Fundament für den nachfolgenden Stall dient. Dann entsteht in mehreren Arbeitsschritten das weitere Werk.

Ein ganz wichtiger Bestandteil, so verrät Helmut Stegmaier, sei der selbst gemischte Mörtel aus Sägespänen, Leimwasser, Kreide und Schleifstaub. Der dient zur Gestaltung des Geländes. "Wenn alles fertig gemörtelt ist, streiche ich mit Dispersionsfarbe", so Stegmaier weiter. Mit einer besonderen Wischtechnik sorgt er dafür, dass manche Teile der Krippe verwittert erscheinen. Für die Landschaft braucht es dann unter anderem noch etwas Grünzeug – dazu verwendet er gerne Flechten. So entsteht die gesamte Krippe in Handarbeit. Nur die Figuren kauft Helmut Stegmaier zu, denn der Aufwand, sie selbst herzustellen, wäre enorm: "Dazu bräuchte es einen eigenen Kurs."

Das muss Schritt für Schritt gehen. Hektik hat da keinen Wert.

Helmut Stegmaier Krippenbauer

Krippenbau ist Konzentrationsarbeit. "Ich habe gelernt, dass man keinen Arbeitsgang vergessen darf," sagt der gründliche Handwerker. Denn keiner lässt sich nachholen, ist der richtige Moment erst verpasst: "Das muss Schritt für Schritt gehen. Hektik hat da keinen Wert." Vor allem, wenn er solch niedliche, winzig kleine Sensen, Sägen oder Krüge herstellt, wie sie in seinen Krippen immer wieder zu finden sind: "Davon mache ich immer erst Probeanfertigungen", sagt er. Entsprechend kann der Aufenthalt in der Werkstatt dauern, auch mal fünf bis sechs Stunden.

Für einen Menschen aber unterbricht Helmut Stegmaier seine Arbeit immer: für seine Frau Irmgard. Wenn die 79-Jährige, die an Parkinson leidet, seine Hilfe oder seinen Rat braucht, ist er sofort präsent. Verbunden ist Stegmaier auch der Selbsthilfegruppe, zu der er seine Frau regelmäßig begleitet, und legt besonders zur Adventszeit Wert darauf, den Mitgliedern eine Freude zu machen: "Jeder der Gruppe bekommt jährlich ein kleines selbstgefertigtes Geschenk."

Umgekehrt ist Ehefrau Irmgard für den begeisterten Krippenbauer Helmut eine Unterstützung wie Inspiration zugleich: Auf ihren Wunsch hin baute er die erste Laternenkrippe, nachdem er in Nördlingen die Anregung dazu erhalten hatte. Das wunderhübsche kleine Stück, dem weitere nachfolgten, steht heute gemeinsam mit anderen Krippen in einem speziellen Zimmer des Stegmaierschen Hauses.

Charlotte Braig

Zurück zur Übersicht: Ellwangen

WEITERE ARTIKEL