Landmaschinen sind Vatters große Leidenschaft

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Thomas und Pamela Vatter (v.l.) vor einer Rarität der Sammlung: ein Hagedorn-Motormäher von 1926, wahrscheinlich das einzige funktionsfähige Exemplar weltweit. Auf 700 Quadratmetern und drei Etagen zeigen die Vatters Schätze aus der Landtechnik.
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Wie die Familie Vatter mit ihrem Privatmuseum für historische Landtechnik durch den Lockdown ging und was es Neues zu sehen gibt.

Ellwangen-Killingen

Wer hier aufschlägt, merkt schnell, dass er einen ganz besonderen Schatz gefunden hat. Hinter der unscheinbaren Fassade einer großen Scheune verbirgt sich in der Killinger Ortsmitte das Privatmuseum Halle 7/1 der Familie Vatter. Ein alter VW Käfer, Baujahr 1955, weist mit ordentlich Patina als Hingucker die Richtung.

Der Käfer steht sinnbildlich für die gesamte Sammlung, die sich hinter den Toren der Scheune verbirgt. Aus dem Grundstock des väterlichen Nachlasses entwickelte der Killinger Thomas Vatter mit seiner Frau Pamela und den Kindern Luka, Leon und Leni ein Museum für historische Landmaschinen und Geräte, Handwerksberufe und Techniken.

Dabei ist der Käfer, bei dem viele Teile noch im Orignalzustand sind, voll einsatzfähig. „Der kann bewegt werden“, bestätigt Thomas Vatter. Mit seinem 07er-Kennzeichen gilt das aber nicht nur für den Käfer. „Gut 95 Prozent der Maschinen sind voll einsatzbereit“, erklärt Vatter nicht ohne Stolz: „Das Schwierige ist die Ersatzteillage. Für viele gibt es nichts mehr, dann fertige ich das selbst.“ Das kann der gelernte Zimmerer, weil er hauptberuflich als CNC-Schleifer in der Metallverarbeitung tätig ist. „Ich mache so ziemlich alles selbst. Sonst würde das Museum nicht funktionieren.“ Und was dieses Museum einzigartig macht und von anderen seiner Art unterscheidet, sind eben die Vatters. Denn Thomas Vatter hat nicht nur das Museumsgebäude aus einer alten Scheune buchstäblich selbst restauriert und die Maschinen in Schuss gebracht. Obendrein kann er mit allen Geräten umgehen. „Dafür besorge ich mir alte Konstruktionspläne, Zeichnungen und Anleitungen. Aus Archiven oder dem Netz.“

Wie die Technik funktioniert, hat den Sohn eines Landwirts schon immer fasziniert. Und so sät und erntet er unweit des Museums originalgetreu mit den alten Maschinen auf seinem Versuchsacker alte Getreidesorten wie etwa Schwarzhafer, Kartoffeln und sogar „Alb Leisa“, eine uralte, fast verschwundenen Linsensorte. Normalerweise unter den Blicken zahlreicher Schaulustiger.

Doch in Corona-Zeiten war das nicht möglich. „Gut 250 Zuschauer sind dann vor Ort“, erklärt Vatter, „die kommen nicht nur aus dem Ostalbkreis, sondern aus ganz Deutschland.“ Das alles hat den Vatters natürlich gefehlt. „Im Museum steckt unser Herzblut“, bestätigt Pamela Vatter. Gesät und geackert haben sie trotzdem, und so freuen sich die Vatters nun, dass sie wieder öffnen dürfen. „Die ersten Gäste kommen am Wochenende, wir wurden schon länger angefragt“, freut sich Pamela Vatter.

Die Zeit im Lockdown hat die Familie auch dazu genutzt, das Museum weiterzuentwickeln. Im Obergeschoss bündelten sie Werkzeuge und Geräte nach Handwerksberufen, Metzger und Imker sind neu dabei. Viel Zeit ist reingeflossen, und das merkt man. „Wir haben ein neues Benutzerkonzept erstellt. Es gibt jetzt einen echten Rundgang mit Einbahnstraßenregelung,“ erklärt Pamela Vatter.

Zudem sichteten sie den Bestand, erweiterten die Beschriftungen und Erläuterungen. Sie trennten sich von Duplikaten und ergänzten die Sammlung, wo noch etwas fehlte. „Da hilft die ganze Familie mit, wir durchforsten die Welt der Kleinanzeigen.“ So kommen noch diesen Sommer ein IHC Kartoffelroder von 1930 aus Brandenburg oder ein IHC Miststreuer von 1948 hinzu, den Vatter in Schweden ausfindig machte. Und zu jedem Gerät, jeder Maschine erzählen die Vatters mit leuchtenden Augen die dazu gehörende Geschichte. Und darum geht es den Vatters: die alte Zeit, die Geräte und Maschinen, das Handwerk vor der Vergessenheit bewahren und lebendig zu halten.

Das Museum Auf 700 Quadratmetern und drei Etagen zeigen die Vatters Maschinen, Geräte, Traktoren, Heuernter und Co. aus der Zeit von 1832 bis in die 70er Jahre. Eine Besichtigung der Halle 7/1 ist nur nach vorheriger Vereinbarung möglich.Kontakt per E-Mail unter:

halle7-1@freenet.de

sowie http://vatter-killingen.de/

Jede Menge Impressionen von historischen Arbeitsschritten und Erntemaschinen im Einsatz gibt es auf dem Youtubekanal der Halle 7/1 unter https://www.youtube.com, Kanal: Vatter's erleben

Gut 95 Prozent der Maschinen sind voll einsatzbereit.“

Thomas Vatter, Landtechniksammler

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