Leichte Entspannung auf dem Holzpelletmarkt

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Roland Weissert, dem Geschäftsführer der EDi Energie-Direkt Hohenlohe GmbH.
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Die Preise sind zwar immer noch exorbitant hoch, warum es trotzdem einen ersten Silberstreif am Horizont gibt, erklärt der Geschäftsführer der EDi Energie-Direkt Hohenlohe GmbH, Roland Weissert.

Ellwangen. Sie hatten es in den zurückliegenden Wochen auch nicht leicht: die Besitzer von Holzpelletheizungen. Denn: Auch die Preise für Pellets sind in diesem Jahr in bis dato kaum vorstellbare Höhen geklettert. Und nicht nur das. Zeitweise waren auch kaum noch Pellets zu bekommen. Viele, die den Energieträger ordern wollten, schauten im Sommer in die Röhre. Mittlerweile zeichnet sich auf diesem Markt aber eine leichte Entspannung ab. Wir sprachen mit Roland Weissert, dem Geschäftsführer der EDi Energie-Direkt Hohenlohe GmbH, über die aktuelle Situation.

Herr Weissert, als wir das letzte Mal im Juli über den Holzpelletmarkt gesprochen haben, lagen die Preise bei 564 Euro pro Tonne. Sieht's jetzt besser aus?

Die Preise haben nach dem Juli leider noch weiter angezogen. Es gab spekulative Spitzen, da lag der Preis zeitweise bei 1000 Euro pro Tonne. Das hat sich mittlerweile wieder beruhigt. Aktuell zahlt man für eine Tonne knapp 700 Euro. 

Wie sieht's denn bei der Verfügbarkeit aus? Im Sommer war der Holzpellet-Markt fast leer gefegt. Es wurden von den Energiehändlern in der Region vielfach nur noch die Stammkunden bedient, Neukunden mussten warten. Da wurden höchstens noch Bestellwünsche, aber keine Bestellungen mehr angenommen.

Hier hat sich die Lage zum Glück spürbar gebessert. Die große Bestellwelle ist durch. Aktuell sind wir noch damit beschäftigt, bestehende Aufträge abzuarbeiten. Das wird aber im November erledigt sein. Wer jetzt Holzpellets bestellt, bekommt sie von uns definitiv auch geliefert. Wir gehen derzeit davon aus, dass der Preis im Dezember nicht wieder ansteigt.

Worin liegen aus Ihrer Sicht die Gründe für diese Marktentspannung?

Die sind vielfältig. Dem Weltmarkt fehlte zunächst eine große Menge Pellets aus Russland. Ich spekuliere, dass diese sanktionierten Pellets mittlerweile zumindest teilweise andere Wege auf den deutschen Markt gefunden haben. Was uns gut tut. Denn in Deutschland wurden dieses Jahr wieder viele neue Pelletheizungen eingebaut. Darüber hinaus hatten im Sommer aberauch Hamsterbestellungen dafür gesorgt, dass es zu einer Marktüberhitzung kommen konnte. Zwischenzeitlich haben viele, die horten wollten, ihre Bestellungen wieder zurückgezogen, weil ihnen die Preise derzeit zu hoch sind und sie zuhause offenbar doch noch über ausreichende Lagerbestände verfügen. Das hat den Markt insgesamt beruhigt. Außerdem bleibt festzustellen, dass nun einfach mehr Pellets aus dem Ausland importiert werden.

Vermutlich hat auch das zuletzt sehr milde Wetter geholfen.

Das ist richtig. In der aktuellen Situation kommt uns der Klimawandel zupass. Die Heizperiode hat immer noch nicht begonnen. Das ist gut. Aber wir dürfen uns deshalb nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die kalten Monate kommen noch. Erst dann wird es sich zeigen, ob wir mit einem blauen Auge durch den Winter kommen werden. Es gilt weiter:  Der beste Weg durch diese Krise zu kommen, liegt im Einsparen von Energie.  

Gehen Sie eigentlich davon aus, dass die Preise für Holzpellets noch weiter fallen?

Davon gehe ich mittelfristig schon aus. Der Pelletimport wird an Bedeutung gewinnen und es werden auch neue Produktionsstätten in Deutschland aufgebaut. Das alles hilft. Aber ich glaube nicht, dass wir wieder Preise von 200 Euro pro Tonne sehen werden - wie vor dem Kriegsausbruch.  Auf dem Energiemarkt hängt ja bekanntlich alles mit allem zusammen. Und im kommenden Jahr werden wir uns zunächst mal mit den Folgen des gerade beschlossenen Teil-Ölembargos der EU gegen Russland konfrontiert sehen. Einer der größten Öl-Lieferanten wird dann praktisch wegfallen. Das wird für uns eine enorme Herausforderung werden.

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