Maibaum-Aktion für die Ehefrauen

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Der Maibaum von Sonja („Sonny“) in Saverwang war außer mit bunten Bändern und einem roten Herz aus Holz mit vielen Süßigkeiten verziert.

Männer der Dorfgemeinschaft Saverwang versetzen mit einer romantischen Aktion ihre Frauen und langjährigen Partnerinnen in Erstaunen. Was hinter der Aktion steckt.

Rainau-Saverwang

Wer als Außenstehender am Morgen des 1. Mai durch Saverwang fuhr, geriet schnell ins Stutzen – Maibäume über Maibäume vor den Häusern, und das in Zeiten wie diesen.

Die Erklärung für dieses Phänomen kam von den örtlichen Anwohnerinnen selber. Sie staunten nicht schlecht, als sie am Samstagmorgen vor ihren Haustüren, an Fahnenmasten oder auf dem Balkon mit bunten Bändern geschmückte Birken vorfanden.

Die Inschrift auf den roten Holzherzen an den Bäumen war auch nur für Außenstehende ein Rätsel: „Burga 2012“, „Claudia 1996“, „Margit 2000“, „Bine since 1986“, „Christin seit 9.9.07“ oder „Nicole seit 2016“ - gab den Bezug zu den Urhebern der Aktion.

Hier hatten nicht Saverwangs junge Burschen ihren Angebeteten einen „Maien gesteckt“, wie es schon lange in dieser Region Tradition ist, sondern die gestandenen Saverwanger hatten sich früh morgens um Sechs mit vielen Ausreden aus dem Bett gequält und ihren Angetrauten diesen sichtbaren Liebesbeweis vors Haus gestellt.

Die Ehefrauen oder Freundinnen mussten erstmal beginnen, zu rechnen oder im Ehering nachzuschauen, um das Datum der Herzen zu entschlüsseln. Manchmal war es der Tag des Kennenlernens, der Einzugstag oder das Hochzeitsdatum.

Die Überraschung war gelungen und schon morgens um halb zehn waren die Dorfstraßen belebt, und viele schauten sich die schöne Überraschung an.

Tanja Kohnle entdeckte ihren Baum oben an der Wendeltreppe zu ihrem Balkon. Sie meinte: „Da freut sich doch jede von uns. Wir haben einfach tolle Ehemänner.“

Jutta Kurz war mit dem Auto durch den Ort unterwegs und war bereit, etwas aufzuklären: „Solche Aktionen sind bei unserer funktionierenden Dorfgemeinschaft keine Seltenheit. Vor Jahren hatten wir schon Liebesschlösser an der Jagstbrücke angebracht oder haben wir Frauen die Dorfbäume umhäkelt.“

Thomas Köder gehört mit zu der Gruppe, die die Aktion mit initiiert haben. Die Idee kommt aus der Sängergruppe und deren Förderverein und soll gerade in diesen besonderen Zeiten die Gemeinschaft beleben und das Brauchtum erhalten.

Er selbst brauchte im Morgengrauen eine gute Ausrede für seine Frau Barbara, um das Haus für die Aktion verlassen zu können. Er müsse, so war seine Notlüge, mit anderen zusammen am Schrezheimer Sportplatz Birken aufstellen.

Die über 30 Birken für den „Maien“ hatten Andreas Kurz und Thomas Köder schon am Tag zuvor ganz legal aus dem Wald geholt. Corona-konform hat eine andere Gruppe die Herzen zugeschnitten, und an einem Sammelplatz konnte jeder Teilnehmer seinen Baum abholen und gestalten. Eine ganz süße und lange Liebe scheint der Angetraute von „Sonja 1985“ zu haben. Ihr Baum war mit viel Süßem verziert.

Der Tradition entsprechend soll dieses Symbol des Frühlings und Glückes den ganzen Mai über aufgestellt bleiben. Beim Abbau des Liebesbeweises winkt dem Liebenden eine Einladung zum Essen, ein Kuss oder zumindest eine Kiste Bier.

Hier meinte Jutta Kurz: „Da wird sich der Frauenstammtisch etwas einfallen lassen. Feste können ja auch aufgehoben und verschoben werden. Wir werden uns auf jeden Fall für diese endlose Liebe bedanken.“

„Ich muss dabei helfen, am Sportplatz Birken aufzustellen.“

Thomas Köder, Ausrede seiner Frau gegenüber

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