Makaber-komisches im Palaisgarten

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Die Ellwanger Buchstützer lasen als Abschluss der Sommer-in-der-Stadt-Lesereihe „Der koschere Himmel“. Foto: sab

Die Buchstützer lesen mit „Der koschere Himmel“ ein Theaterstück in drei Akten.

Ellwangen. Zum Finale der Vorlesereihe im Sommer-in-der-Stadt Programm traten im Palaisgarten die Ellwanger Buchstützer – eine Gemeinschaft von Vorlesern - auf die Bühne. Dieses Jahr hatte die Truppe sich das Theaterstück in drei Akten von Lothar Schöne „Der koschere Himmel“ zum Vorlesen ausgesucht.

Erstmals thronten die zehnköpfigen Buchstützer dabei auf ihrer Bühne ziemlich hoch über den mehr als zweihundert Zuhörern und hatten so als Hintergrund das historische Palais Adelmann.

Der große Teil der Geschichte spielte im Himmel, auf Friedhöfen, am Kiosk um die Ecke und vor allem in der Küche der Familie Fabisch. Die Mutter Rosa war im Altersheim verstorben und um sie trauerten ihr Sohn Bernhard (Jürgen Volmer), dessen Freundin Jutta (Tanja Peter) und die aus Israel angereiste Mischpoke Bernhards Cousin Fred (Werner Schindhelm), seine Frau Tova (Uschi Dow), nebst Tochter Zippi (Julia Ehret). Viel Zeit zum Trauern blieb nicht.

Es galt, den Wunsch der jüdischen Mutter umzusetzen, neben ihrem Ehemann begraben zu werden, der Christ war und ihr einst im Dritten Reich das Leben rettete.

Nicht einfacher machte die gesamte Situation der palästinensische Kioskbesitzer, bei dem Bernhard täglich seine Zeitung kaufte. Dies war Gerald Marek, der zudem Rollen als Pfarrer, Friedhofsverwalter und Bestatter inne hatte. All-Star Bernd Brasse hatte nicht nur wechselnde Kopfbedeckungen, sondern auch die dazu passenden Rollen als Schuldirektor, Altenheimleiter und Rabbiner. Optisch und sprachlich herausragend. Auch Tanja Peter hatte eine zweite Vorlesestimme beziehungsweise Hundelaute. Sie war der in der Erbmasse befindliche Dackel „Herr Abraham“ und sorgte mit ihrem einzigartigen Bellen für Szenenapplaus.

Heike Dietrich als Verblichene kommentierte aus dem „Jenseits“ die Geschehnisse ihrer Beerdigung und war die Tinnitus-Stimme im Ohr ihres Sohnes. Da fragten sich die Hinterbliebenen schon bei ihrem Konflikt wie die Tote zu beerdigen sei: „Wie stirbt man fehlerfrei“ oder „Wie lange werden noch sterben? So lange bis das Paradies voll ist.“ All zu lange hatte die Familie nicht Zeit die Mutter unter die Erde zu bringen. Da musste als Zwischenlösung auch eine Tiefkühltruhe herhalten. Doch am Ende war klar in der Ewigkeit sind alle Religionen gleich. Diesen Kommentar hätten auch die Spatzen im wilden Wein an der Palaiswand singen können, würden alle die Vogelsprache verstehen können. Erzähler des Abends war Andreas Müller. Er kommentierte die einzelnen Situationen und spannte den Bogen zwischen den Handlungssträngen.

⋌Sabine Freimuth

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