Margit Wörle hatte großes Glück

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Es geschah auf dem Friedhof: Margit Wörle an der Stelle, an der sie im Februar einen Schlaganfall erlitt.
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Bei einem Schlaganfall entscheiden Sekunden darüber, ob und welche Schäden zurückbleiben. Vorsorgen kann man immer.

Rainau-Dalkingen

Man kann es nicht glauben, dass diese Frau Ende Februar einen schweren Schlaganfall erlitten hat. Margit Wörle ist fröhlich, sie hat keinerlei Einschränkungen, keine Lähmungen, keine Sprachschwierigkeiten. Sie hatte unglaubliches Glück.

Der 23. Februar 2022, Mittwoch, ist ein sonniger Tag, an dem man schon eine Vorahnung des Frühlings spürt, Margit Wörle will auf dem Friedhof das Urnengrab ihres verstorbenen Mannes richten. Keine schwere Arbeit für die 67-Jährige gelernte Krankenschwester, die den Ruhestand genießt und sich körperlich fit fühlt.

„Ganz plötzlich hatte ich das Gefühl, mit mir stimmt etwas nicht. Mein Körper sackte zusammen. Ich wollte mich noch am Grabstein abstützen, aber das ging nicht, meine ganze linke Körperhälfte war wie Pudding.“ So beschreibt sie den Moment, an dem sie den Schlaganfall erleidet. Sie liegt auf dem Boden, kann sich nicht mehr bewegen. nicht mehr sprechen.

Als Krankenschwester ist ihr klar, was geschehen ist, dass sich im Gehirn ein Blutgefäss verschlossen hat, weil sich Ablagerungen (Plaques) von der Gefäßwand gelöst haben. Dass sie sich nicht bewegen kann, weil nun Teile ihres Gehirns nicht mehr richtig durchblutet werden. Margit Wörle weiß, dass sie sich in akuter Lebensgefahr befindet und dass jetzt nur schnelle Hilfe schwere Folgeschäden verhindern kann.

„Ein paar Reihen weiter war eine Frau an einem anderen  Grab beschäftigt.  Ich konnte mich nicht bemerkbar machen, nicht rufen. Ich dachte, ich muss sie ganz fest anschauen, damit sie auf mich aufmerksam wird“, erzählt Margit Wörle. So kommt es tatsächlich. Es vergehen nur Sekunden, vielleicht eine Minute, da sieht die Frau her und ruft: „Margit, was ist los?“. Sie kommt sofort zu Hilfe. Weitere Leute in der Nähe werden aufmerksam, sofort wird ein Krankenwagen gerufen.

Keine 15 Minuten nachdem sie „vom Schlag getroffen“, niedergestürzt war, liegt Margit Wörle im Rettungswagen, der sie direkt in das Schockzentrum am Ostalbklinikum bringt. Der Rettungssanitäter meldet schon von unterwegs einen Schlaganfall an. In der Klinik kommt die Patientin sofort in das MRT, bekommt Mittel, die den Verschluss der Artherie lösen.

Nach sechs Tagen wird Margit Wörle aus der Klinik entlassen, der Schlaganfall hat keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Sie muss auch nicht zur Reha. Der Arzt, der sie entlässt sagt: „Sagen sie mir, wo sie eingeschränkt sind. Was soll bei ihnen eine Reha noch verbessern?“

„Ich hatte unglaubliches Glück“, sagt Margit Wörle. Völlig spurlos ging der Schlaganfall trotzdem nicht vorüber. „Ich weiß jetzt, wie verwundbar ich bin, achte mehr auf meine Gesundheit“, erzählt sie. Denn es gibt Risikofaktoren für Schlaganfall, die man durchaus beeinflussen kann. Ein chronisch hoher Bluthochdruck zum Beispiel verursacht Schäden an der Gefäßwand der Artherien und begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose. Wer  den Blutdruck regelmäßig misst und gegenenfalls blutdrucksenkende Medikamente nimmt, senkt sein Schlaganfallrisiko deutlich.

Mehr als die Hälfte der 270 000 Menschen, die in Deutschland jedes Jahr einen Schlaganfall erleiden, sind über 75 Jahre alt. Mediziner raten deshalb insbesondere älteren Menschen zur regelmäßigen Untersuchung von Herz und Kreislauf, um Herzrythmusstörungen zu erkennen, die  einen Schlaganfall begünstigen können. Auch Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte gelten als Risikofaktoren.

Durch eine gesunde Lebensweise kann man die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls senken. Bewegungsmangel, Übergewicht, Nikotin, Alkohol und Stress sind gesundheitsschädlich.

Selbsthilfe wirkt – Zurück ins Leben nach Schlaganfall

Unter diesem Motto der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe informiert die BVSG Ellwangen am Samstag, 29. Oktober, zum Welt-Schlaganfalltag. Mit einem Infostand auf dem Ellwanger Wochenmarkt von 9 bis 12 Uhr möchte sie auf Themen wie "Sport nach Schlaganfall" aufmerksam machen. Rehabilitationssport als ergänzende Leistung zur medizinischen Rehabilitation wird ärztlich verordnet und von der BVSG Ellwangen in der Gruppe mit speziell ausgebildeten, zertifizierten Übungsleitern durchgeführt. Am Infostand stehen Dr. Hans-Joachim Dietterle, und der ehemalige Vorsitzende der Selbsthilfegruppe Knospe, Fritz Persy für Fragen zum Thema Schlaganfall zur Verfügung. Die Betreuende der Sport nach Schlaganfall-Gruppe und BVSG Fachübungsleiter erteilen ebenfalls Auskunft.

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