Maskiert auf den Spuren der Ellwanger Fürstpröpste

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Trotz strenger Corona-Auflagen war die erste Führung schon vor ihrem Beginn ausgebucht.

Ellwwangen

Zeit. Ganz viel Zeit. Die sollte idealerweise jedem Menschen zur Verfügung stehen, der das Ellwanger Schlossmuseum besucht. Unter Corona-Auflagen muss jedoch auch hier so manches reduziert werden. Immerhin: Die erste Führung nach langer Zeit war noch vor ihrem Beginn ausgebucht.

Zwölf Teilnehmer nehmen an diesem schönen Juninachmittag im Thronsaal Platz – mit Mundschutz und Mindestabstand. 16 Räume sind eigentlich im Schlossmuseum zu besichtigen, drei davon nur kann deren Leiter Matthias Steuer den interessierten Besuchern erläutern: "Mehr geht nicht in anderthalb Stunden." Schließlich soll auch noch ein wenig Zeit für die Außenanlagen bleiben. Besichtigt werden darf – unter geltenden Regelungen – das ganze Museum.

Vor Corona hat Matthias Steuer bei Schlossführungen 30 bis 40 Menschen durch die Räume geleitet. Nun waren es zu härtesten Zeiten gerade mal vier, doch hätten sich diese Mini-Führungen als äußerst beliebt erwiesen, vor allem bei Familien, erzählt der Museumsleiter. Sie werden daher auch weiterhin angeboten, nicht zuletzt auch, weil derzeit auch auf dem Ellwanger Schloss jeder Euro Verdienst zählt: "Wir haben ein halbes Jahr keine Einnahmen mehr gehabt."

Die zwölf Teilnehmer der Führung an diesem Sonntag erfahren allerlei Wissenswertes. Mit viel Hintergrundkenntnis vermag Matthias Steuer über die Zeit der Fürstpröpste zu berichten und hat dabei neben fundierten Informationen auch die eine oder andere Anekdote auf Lager. So erfahren die Geschichtsinteressierten nicht nur, dass der Thronsaal ehemals Speisesaal war. Sondern auch, was es zu Zeiten der Fürstpröpste, deren Amt weltliche und geistliche Herrschaft in sich vereinte, an der sonntäglichen Morgentafel gab: unter anderem Suppe, Schweinskopf, Hammel- und Rehschlegel und "Schweinewildbrät". Jeweils pro Person.

Nur auf drei oder vier Stücke konzentrieren. Und dann wiederkommen.

Matthias Steuer Museumsleiter

Vieles aus damaliger Zeit ist erhalten geblieben. "Das Deckenfresko ist 300 Jahre alt", weist Matthias Steuer auf eine von vielen Sehenswürdigkeiten hin. Zu weiteren zählen "ein originales Messgewand von 1627" und der schwarz-goldene Kabinettschrank mit seiner dreidimensional gestalteten Mitte.

Das beliebte Puppenstubenmuseum muss an diesem Samstag ziemlich außen vor bleiben. Des knappen Zeitfensters wegen sind nähere Erläuterungen nur zum fürstpröpstlichen Leben, zu sakraler und kirchlicher Kunst sowie zu den Schrezheimer Fayencen möglich.

Zu den rund 50 Puppenstuben und Kaufläden, die in zwei Zimmern untergebracht sind und das alltägliche Leben im 19. Jahrhundert spiegeln, muss der Museumsleiter dann aber doch ein paar Worte mehr sagen: Sie seien keineswegs Spielzeug gewesen, sondern "Prestigezeichen und Lehrmaterial für Kinder gehobener Bürger". Die detailgetreuen Exponate erfahren sonst ganz andere Aufmerksamkeit als jetzt unter Corona-Auflagen: "Da kommen unterm Jahr ganze Reisebusse", erzählt der Museumsleiter. Und er verrät auch, wie der Besucher sich dem überbordenden Angebot im Puppenstubenmuseum am besten nähert: "Nur auf drei oder vier Stücke konzentrieren. Und dann wiederkommen ..."

Charlotte Braig

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