Mit Fred Moll durchs Taubertal

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Gut gelaunter Reporter in Rothenburg ob der Tauber in der Unteren Schmiedgasse, hinten der Siebersturm.

Die bislang längste Ausfahrt führt in die Mittelalterstadt Rothenburg an der Tauber und durch ein romantisches Flusstal zu einem kleinen Badesee.

Aalen

Kaum ist der Reporter losgefahren, wirft an einer Ampel der Autofahrer vor ihm eine brennende Zigarettenkippe aus dem Fenster. Und schon kehrt der Motorradfahrer den Oberlehrer raus. Er schließt zum Fenster der Fahrerseite auf und bittet den Mann, das künftig nicht mehr zu machen. Wenn ein Fahrzeug die Kippe aufwirbelt und sie bei einem Zweiradfahrer unterm Helm landet, habe der dabei keinen Spaß, versichert er dem verdutzten Autofahrer. Hoffentlich hilft's.

Vor Jahrzehnten ist man von Aalen aus nach Ellwangen über Goldshöfe und Schwabsberg gefahren. Seit die B 290 üppig neu gebaut wurde in diesem Abschnitt, machen das nur Leute, die scharf sind auf Kurven. Nach Ellwangen bietet dieses Vergnügen dann auch die B 290 bis nach Crailsheim. Noch ein Stück weiter, die A 6 unterquert, und kurz vor Rot am See rechts ab in Richtung Rothenburg ob der Tauber.

Üble Sache mit Rollsplitt

Jetzt ist der Reporter auf einem Streckenabschnitt, den er vor über 30 Jahren des Öfteren mit seiner Yamaha XS 650 zwischen Studienort (Bamberg) und Heimatort (Aalen) unter die Räder genommen hat. Das Sträßchen windet sich am Ostrand der Hohenloher Ebene durch Mais- und Getreidefelder und durch hübsche Dörfer. Im Osten hebt die Frankenhöhe den Horizont ein Stück in den Himmel. Die Dörfer sind schöner, die Straßen sind besser geworden in der Zwischenzeit.

Aber halt! Zwischen Brettheim und Hausen am Bach ist kommentarlos gesperrt, die Umleitung über Gammesfeld ausgeschildert. Das fordert die Neugier eines Reporters heraus. Der tuckert so lange weiter, bis er sieht, was los ist: Die Landstraße wird nach einer althergebrachten Methode repariert, die den Zorn von Motorradfahrern erregt: Bitumen aufspritzen und sofort danach Rollsplitt draufkippen. In der Hoffnung, dass vierrädrige Fahrzeuge das Zeugs schon festfahren werden. Diesmal nimmt der Tourenfahrer die Umleitung, über nette Sträßchen; geschadet hat's nicht.

Kurz vor Rothenburg landet er auf der sogenannten "Romantischen Straße", der er bis nach Bad Mergentheim etwa 45 Kilometer folgen wird. Als eine der ersten Touristenstraßen Deutschlands 1950 gegründet, sollte sie dabei helfen, nach dem Krieg den Tourismus anzukurbeln. Die Straße erstreckt sich auf einer Länge von 413 Kilometern zwischen Würzburg und Füssen. Sie berührt außer den bereits genannten Städten zum Beispiel Wertheim, Weikersheim, Dinkelsbühl, Nördlingen, Augsburg sowie Landsberg am Lech.

Zwei Räder – so und so

Zunächst tuckert der Reporter mal rein in die pittoreske Innenstadt Rothenburgs. Er bittet einen Radfahrer, ein Foto von ihm zu machen. Dann macht er eines von ihm. Man kommt ins Gespräch. Der Mann, etwa 50 Jahre alt, ist alleine auf einem herkömmlichen Rad unterwegs nach Hause – nach Koblenz am Rhein. Gestartet ist er in Salzburg. Frau und Sohnemann sind mit dem Auto heimgereist.

Von Rothenburg aus kurvt die bayerische Staatsstraße 2268 runter ins Taubertal. Sie wird nach Tauberzell zur württembergischen Landesstraße 2251. Romantisch ist sie diesseits wie jenseits der Grenze. Ursprünglich wirkende Landschaft, an einem steilen Hang wendet eine Bäuerin Heu von Hand. Weiter oben wachsen Weinreben. Schmucke Dörfer mit Naturstein- oder Fachwerkhäusern, kleine Kirchen mit gedrungenen Türmen – das alles in sattem Grün und überspannt von blauem Himmel. Es ist eine wahre Freude, die nach Creglingen etwas getrübt wird. Das Tal wird breiter und hat Platz für Baumärkte und Industriebetriebe. Na – das ist auf hohem Niveau gejammert.

Zuvor aber macht der Reporter einen Abstecher, biegt links ab und düst von Creglingen aus fünf Kilometer in Richtung Süden. Dort hat er einen Badesee ausgemacht. In diesem Tal wird der Herrgottsbach zweifach gestaut.

Der obere See bietet einen Fischereilehrpfad, der 300 Meter weiter unten (den man von Creglingen aus zuerst anfährt) ist zum Baden optimiert. Von den etwa 80 Parkplätzen aus führen 53 Stufen nach unten, die man auch auf einem gepflasterten Weg umgehen kann.

Der See bietet einen gekiesten Strand, Zugänge zum Wasser über Treppen, einen Nichtschwimmerbereich, Toiletten, Duschen, Umkleiden, Liegewiesen. Hunde sind übrigens nur im Bereich des Staudammes erlaubt. Es gibt einen tollen Wasserspielplatz für Kinder und sogar eine Kneipp-Anlage. Nur ein Kiosk fehlt.

Das Gewässer ist etwa 180 Meter lang, bis zu 75 Meter breit, misst einen guten Hektar Wasserfläche und man kann es auf einem etwa 600 Meter langen Fußweg umrunden. Der Reporter tut das innerhalb von zehn Minuten, geht dann eine Runde schwimmen. Das Wasser ist nicht ganz klar, aber in Ordnung. Danach verzehrt er einen mitgebrachten Apfel, der jedoch seinen Hunger nicht wirklich stillen kann. Deshalb wieder Aufbruch.

Gleich unterhalb des Staudamms liegt der Campingplatz "Romantische Straße", Creglingen. Dort hätte es ein Restaurant, aber Zeit fürs Restaurant will er nicht aufwenden. Außer der Gastronomie bietet der beschauliche Platz übrigens 140 Stellplätze, sieben Mobilheime und sogar ein kleines Hallenbad mit Sauna. Geöffnet von Mitte März bis Mitte November.

Am Ortsende von Creglingen in Richtung Mergentheim bremst der Reisende auf den Parkplatz eines Verbrauchermarktes und holt sich im Backshop eine Semmel mit Salatblatt, Gurke und kalter Bratwurstschnecke. Einen "Thürburger" gewissermaßen. Schmeckt lecker. Nach einem Kaffee düst er weiter, vorbei an Weikersheim nach Bad Mergentheim.

Wer Zeit hat, nimmt die B 19

Wer es jetzt eilig hat, wieder nach Hause zu kommen, wählt die B 290 in Richtung Crailsheim. Mehr Fahrspaß bietet jedoch die B 19 nach Künzelsau und von dort nach Schwäbisch Hall.

Wäre jetzt Wochenende, würde der Reporter ab Schwäbisch Hall die Strecke nach Ellwangen einschlagen, weil an Wochenenden im Kochertal zwischen Hall und Hüttlingen viele rasante Zweiradpiloten unterwegs sind. Aber diese Tour wird an einem Donnerstag gefahren, also weiter auf der B 19.

Nach der etwas nervigen Stadtdurchfahrt von Gaildorf ist die Straße erneut kommentarlos gesperrt. Wieder siegt die Neugier und nach 2,5 Kilometern ist die Baustelle erreicht. Hier wird der Straßenbelag abgefräst, um neu hergestellt zu werden. Kurze Umleitung über Unterrot nach Bröckingen und dann das sensationell kurvige Kochertal über Sulzbach, Laufen, Untergröningen, Abtsgmünd und Hüttlingen nach Hause. Die Baustellenbesichtigungen abgezogen, stehen 259 Kilometer zu Buche.

Mehr Informationen: Rothenburg o.d.T.: www.rothenburg.de - Romantische Straße: www.romantischestrasse.de - Münsterseen: www.creglingen.de und www.seen.de

Schöne Fachwerkhäuser an der Romantischen Straße zwischen Rothenburg und Creglingen.
Kiesstrand am unteren Münstersee bei Creglingen, etwa fünf Kilometer vom Städtchen entfernt.
Gut gelaunter Reporter in Rothenburg ob der Tauber in der Unteren Schmiedgasse, hinten der Siebersturm.

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