100 Jahre Mut und Zusammenhalt beim TV Neuler

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Die Mädels vom Rope Skipping zeigten, was sie draufhaben.
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Der Turnverein Neuler feiert mit einem großen Festakt seinen „Hundertsten“ und ehrt zahlreiche Engagierte. Großes Lob von allen Seiten.

Neuler. Sektgläser klirren, die Halle ist hübsch geschmückt, an den Wänden erinnern große Fotoleinwände an die elf ehemaligen Vorsitzenden. Die Band „We are“ singt passend zum Tag „Ein Hoch auf uns“. Feststimmung in Neuler. Der TV Neuler feiert mit zahlreichen geladenen Gästen seinen „Hundertsten“.

Genau vor 100 Jahren und zwei Tagen war es, mitten im Ersten Weltkrieg, als sich im „Hirsch“ 19 Neulermer zusammengesetzt und den Turnverein Neuler gegründet hatten. Ein intensives Jahrhundert später sitzen viele der über 1356 Vereinsmitglieder in der Schlierbachhalle und schmettern ihr altes Lied: „Turner auf zum Streite“. Vier Stunden Festakt mit Rope-Skipping, Tanzvorführung durch „Dance Sensation“, vielen Glückwünschen, Auszeichnungen, einer Menge verdientes Lob und Anerkennung liegen hinter ihnen. Anerkennung fürs Mut haben, fürs Nachvorneschauen, fürs Immer-wieder-Loslegen (auch wenn die Halle von den Alliierten abgebrannt wird, weil die Nazis sich drin breitgemacht hatten), fürs Innovativ-Sein und immer wieder neue Sportarten hinzunehmen, den Verein erneuern und modernisieren, fürs viele viele Bauen in Eigenleistung. Etwas, das sich durch die Vereinsgeschichte zieht und den Verein auszeichnet. Fürs Zusammenhalten in schweren Stunden. In den Kriegsjahren. Als alles darniederlag. Oder als Uwe Nagel, der so geschätzte Vorsitzende, 2018 an seinem 51. Geburtstag stirbt. Und natürlich für tolle und ungewöhnliche sportliche Erfolge, beispielsweise mit den Altherren oder von Sechskämpferin Carmen Vaas.

„Ihr steht für Kontinuität und und Stabilität, seid starke Säulen der Gemeinschaft“, attestierte Sabine Schröder, Vizepräsidentin des Schwäbischen Turnerbundes Freizeit, Fitness und Gesundheitssport. Verfolgt man die Reden von Vorstand Volker Rembold und Matthias Fuchs, die von aufopferungsvollem Einsatz ihrer 68 Übungsleiter sprechen, vom 23-köpfigen Ausschuss („jeder Einzelne von euch ist Gold wert“), von Ehrenvorstand Hans Löcher, Bürgermeisterin Sabine Heidrich, die den TVN einen Glücksfall nannte, und Landrat Dr. Joachim Bläse, der besonders die tolle Jugendarbeit betonte („ihr seid sensationell“), dann wird klar: Das hier ist etwas Besonderes. Nicht nur die 100 Jahre. Oder, dass es ein Verein schafft, inmitten einer Pandemie seine Mitgliederzahl auf einen Höchststand zu bringen. Oder über bald zehn Jahrzehnte hinweg landesweit sportlich super Leistungen abzuliefern. Sondern, dass da etwas ist, worauf die TVNler unglaublich stolz sein können: ihre Lebendigkeit als Verein, ihre Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, dann wenn es an der Zeit oder auch vielleicht vor der Zeit ist. Dass sie es schaffen, dass Integration nicht ein bloßes Wort ist, sondern gelebter Alltag. Egal ob in den Nachkriegsjahren, in denen zahlreiche Heimatvertriebene in den Verein kamen und dort ein Zuhause fanden. Oder in Zeiten, als Neuzugezogene im Dorf Anschluss suchen. Und von Fremden zu Neulermer werden konnten und können über den gemeinsamen Sport. Heimat finden können im Verein. Das ist das, was den TV auszeichnet. Was den Zusammenhalt entstehen lässt, der den TVN ausmacht. Der ihn so wertvoll macht. Für alle Mitglieder und den Ort selbst, der zu einem Drittel aus Vereinsmitgliedern besteht.

Das schafft die Basis für alles: fürs Weitermachen, auch wenn das viel ehrenamtlichen Einsatz und „Verlust“ an privat verfügbarer Zeit bedeutet. Fürs Zukunft gestalten. Vielleicht auch digital, wenn das nötig sein sollte. Fürs Lebendig-Bleiben. Engagiertsein. Fürs Gerne-sich-Einsetzen. Und gemeinsam Schönes, Verbindendes erleben. In den nächsten 100 Jahren.

Mehr Bilder vom Fest gibt's online unter www.schwäbische-post.de

Hans-Georg Maier (r.), Ehrenamtsbeauftragter des Bezirks Ostwürttemberg, verlieh Mitgliedern des TV Neuler Ehrennadeln des Württembergischen Fußballverbands.
Die Wand zieren die Fotos der Männer, die den Verein als Vorsitzende geprägt haben.
Die Mädchen vom Rope Skipping zeigten, was sie alles drauf haben.
Die Wand zieren die Fotos der Männer, die den Verein als Vorsitzende geprägt haben.
Manfred Pawlita (von rechts), Vizepräsident des WLSB, beglückwünschte die Vereinsvorstände Volker Rembold und Matthias Fuchs zum "Hundertjährigen".
Vor 100 Jahren weigerte sich der Pfarrer, die Fahne des TVN bei bei der Gründung zu weihen.
Die Band "We are" sorgte mit ihrer Livemusik für einen schönen Festabend.
Die Mädels vom Rope Skipping zeigten, was sie so alles drauf haben.
Mit einer Tanzeinlage bereicherten "Dance Sensation" den Festakt.
Mit einer Tanzeinlage bereicherten "Dance Sensation" den Festakt.

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