Aus einem Au-Pair-Jahr werden zwei

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Kurz vor der Pandemie erlebt Pauline Rehe eine unbeschwerte Zeit an den Florida Keys, wo sie mit Delfinen schwimmt.

Nach dem Abitur entschied sich Pauline Rehe aus Neuler für einen Aufenthalt als Au Pair in den USA. Ein Jahr erlebt sie unbeschwert. Dann kam Corona.

Neuler/Boston

Au Pair – das ist kein Jahr im Leben, es ist ein Leben in einem Jahr" – und in meinem Fall waren es eigentlich sogar zwei verschiedene Leben in zwei Jahren. Mit der Agentur Cultural Care Au Pair brach ich im Oktober 2018 in die USA auf mit dem Plan, dort ein Jahr als Au Pair zu leben. Anfangs war es ungewohnt, nachdem ich den Kindern geholfen hatte, sich fertigzumachen und sie in der Schule waren, vormittags frei zu haben. Doch ich lebte mich ein, genoss diesen neuen Alltag.

Ich traf mich mit Freunden, ging zu Englischgruppen und erkundete die Gegend. Nachmittags holte ich die Kids ab, wir spielten im Park, machten Hausaufgaben und abends traf ich mich mit meinem Gastvater zum Kochen in der Küche. Ich hatte viele Freiheiten und Boston viel zu bieten. An meinen freien Wochenenden war ich mit Freunden unterwegs, unternahm Wochenendtrips nach Washington, Chicago oder New York City und machte Ausflüge mit meiner Gastfamilie. Wir gingen ans Meer oder wanderten im Indian Summer durch die farbenprächtigen Wälder.

So verging mein erstes Jahr wie im Fluge und ich entschied mich, noch ein halbes Jahr dranzuhängen. Als es Zeit für meinen Reisemonat wurde, traf uns die Pandemie mit voller Wucht. Das war März 2020, nur zwei Monate vor meinem Rückflug nach Deutschland. Im Februar verbrachten wir noch eine unbeschwerte Zeit an den Florida Keys, schwammen mit Delfinen, planschten im Pool, sahen Alligatoren und holten uns einen Sonnenbrand.

Plötzlich waren die Schulen zu. Unterricht hatten die Kinder erst mal keinen und ich plötzlich gefühlt doppelt so viele Arbeitsstunden – meine Freiheiten waren dahin. Die Läden geschlossen, die Spielplätze gesperrt. Man durfte das Haus nicht mehr ohne Maske verlassen und sich auch nicht mit Freunden treffen. Mitten im Lockdown entschied sich die Regierung, uns Au Pairs zwei Monate mehr zu gewähren, in der Hoffnung, bis zum Sommer die Pandemie im Griff zu haben.

Ich bereue keinen Augenblick

Pauline Rehe Au Pair aus Neuler

Wenigstens eine Konstante in diesem Durcheinander ohne Schule, geregelten Tagesablauf und ohne Kontakt zu ihren Freunden. Mit zwei Kindern zuhause eingesperrt zu sein, lässt einen die Pandemie aus einer ganz anderen Sicht erleben. Im Sommer kam es dazu, dass ich durch eine weitere Sonderregelung weitere sechs Monate bis zum Ende des Jahres verlängerte. So wurden aus einem Au-Pair-Jahr, plötzlich zwei.

Ein Jahr hatte ich das "normale" Au Pair Leben mit all seinen Freiheiten und Vorzügen leben dürfen, reiste durch die Staaten und schloss neue Bekanntschaften. Das Pandemie-Jahr 2020 verbrachte ich hauptsächlich in Boston "eingesperrt" mit meiner Familie, wodurch sich die Au-Pair-Erfahrung drastisch änderte. Doch ich bereue keinen Augenblick.

Wir verbrachten mehr Zeit miteinander und schenkten unseren Haustieren, den zwei Rättchen Fips und Pips, mehr Aufmerksamkeit. Doch es gab auch Momente, in denen wir uns auf die Nerven gingen, stritten, weil wir eigentlich gern was mit anderen Freunden unternommen hätten oder darum kämpften, dass die Schulaufgaben gemacht wurden.

Es war anders; ich hatte weniger Freiheiten, dafür ein intensiveres Leben mit meiner Familie und auch das war auf seine Weise schön. Die letzten drei Monate begann ich online mein Studium und verbrachte meine Nachmittage weiterhin mit den Kindern. Auch mein Pflichtpraktikum bei Backpackertrail begann ich online bereits in den USA. Nun bin ich wieder zurück, habe zwei verschiedene Leben gelebt und blicke jetzt gespannt meinem Studentenleben entgegen.

Mit ihrer Gastfamilie unternimmt Pauline Rehe (links) aus Neuler an den Wochenenden Ausflüge. Bis Corona zuschlägt und sie das Haus kaum noch verlassen kann.
Kurz vor der Pandemie erlebt Pauline Rehe eine unbeschwerte Zeit an den Florida Keys, wo sie mit Delfinen schwimmt.

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