Die ersten Stolpersteine für Neuler

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Sie haben sich gemeinsam für das Verlegen von Stolpersteinen in Neuler stark gemacht: Bürgermeisterin Sabine Heidrich und ihr Amtsvorgänger Manfred Fischer, der dazu die Geschichten der Opfer recherchiert hat.
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In Neuler soll an Mitbürger erinnert werden, die einst dem menschenverachtenden NS-Regime zum Opfer gefallen sind.

Neuler

In Neuler bereitet man sich gerade intensiv auf den 21. November vor. Dann werden an verschiedenen Plätzen in der Gemeinde vier Stolpersteine verlegt. Sie sollen künftig an Neulermer Bürger erinnern, die vor über 80 Jahren während der NS-Zeit umgebracht worden sind.

Wie Bürgermeisterin Sabine Heidrich und ihr Vorgänger im Amt, Manfred Fischer, am Donnerstag bei einem Pressegespräch betonten, sei es jetzt einfach an der Zeit, dieses dunkle Kapitel der Neulermer Geschichte aufzuarbeiten.

Die Initialzündung dazu kam von Manfred Fischer, der sich des Themas schon während seiner 32-jährigen Amtszeit angenommen hatte - aber für die aufwendigen Recherchen dann nie die erforderliche Zeit aufbringen konnte. Das klappte erst jetzt - im Ruhestand. „Dass ich damals nie die Zeit gefunden habe, ärgert mich heute sehr“, sagt der Altbürgermeister mit hörbarem Bedauern. Denn: Die meisten Zeitzeugen seien mittlerweile verstorben, weshalb sich die Recherchen auch äußerst zäh und schwierig gestaltet hätten. Trotzdem ist es Fischer am Ende gelungen, wenigstens zehn Neulermer Opfer des NS-Regimes auszumachen, von denen vier jetzt mit einem sogenannten Stolperstein gewürdigt werden.

Alle Neulermer Opfer eint dabei das gleiche, Schicksal - die Menschen waren entweder physisch erkrankt oder galten als geistig behindert und verloren deshalb ihr Leben. Wie etwa Maria Seifer, die 1936 als junge Frau von Neuler nach Stuttgart gegangen war, um hier als Haushaltshilfe zu arbeiten. Sie erkrankte seelisch, wurde danach fragwürdigen Therapien unterzogen und starb letztlich im Alter von 29 Jahren in der Heilanstalt Winnenden - zu dem Zeitpunkt wog sie noch 38,5 Kilo,

Nicht weniger tragisch das Schicksal von Xaver Fuchs, der es sich erlaubt hatte, Witze über die Nazis und den Führer zu machen. Auch er landete zunächst in einer Heilanstalt und dann - als sogenannter „Sicherungsverwahrter“ - im KZ Mauthausen, wo er innerhalb von wenigen Tagen starb.

Fischer hat die Geschichten der zehn Menschen, die unschuldig Opfer geworden sind, in einer Broschüre kurz, aber sehr eindrücklich zusammengefasst. „Wenn man das liest, kann man nur hoffen, dass so etwas nie wieder passiert“, unterstreicht Sabine Heidrich mit Nachdruck und zitiert in diesem Zuge Altkanzler Helmut Kohl. „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten. “

Dem schließt sich auch Fischer an. Die Menschen hätten sich in den letzten 100 Jahren nicht verändert. „Deshalb ist es so wichtig, sie zu erinnern. Nur über das Erinnern gibt es einen erzieherischen Effekt“, sagt Fischer.

Das Programm zur Stolpersteinverlegung

In Neuler wird das Verlegen der Stolpersteine am Montag, 21. November, feierlich begangen. Der Festakt beginnt um 9 Uhr vor dem katholischen Gemeindezentrum - und wird von Schülern der Brühlschule mitgestaltet. Die Verlegung wird der Kölner Künstler und Erfinder der Stolpersteine, Gunter Demnig, persönlich vornehmen. Die Stolpersteine in Neuler erinnern an Benedikt Kraus (Stolperstein bei der Friedhofskapelle), Maria Seifer (Stolperstein im Ramsenstruter Weg 2) sowie Gottfried und Xaver Fuchs (Stolperstein beim Kirchplatz 5).

Einen Tag vor der Verlegung, am Sonntag, 21. November, um 17 Uhr gibt es noch eine große Vortragsveranstaltung in der Schlierbachhalle. Hier werden Bürgermeister Manfred Fischer zum Thema „NS-Verbrechen in Neuler“ und der Heimatforscher Helmut Schweitzer zum Thema „Neuler im Dritten Reich von 1933 bis 1945 referieren. Bürgermeisterin Sabine Heidrich spricht ein Grußwort, Pfarrer Jürgen Zorn ein Friedensgebet.

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