Ein kleiner Blutritt ohne Zuschauer

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Ein besonderer Blutritt in der Corona-Krise: Nur neun Reiter begleiten in diesem Jahr Dekan Dr. Sven van Meegen und die Heilig-Blut-Reliquie. Zuschauer sind keine am Wegesrand.

Alles war anders an diesem Pfingstmontag in Schwenningen. Aber die Prozession zog über die Wiesen, Felder und Flure. Wenn auch unter besonderen Vorkehrungen.

Neuler-Schwenningen

Alles war anders beim 73. Schwenninger Blutritt. "Anders, aber echt", meinte Dekan Dr. Sven van Meegen, der zusammen mit neun Heilig-Blut-Reitern ein Zeichen gegen die Pandemie setzte und den Ritt um die Schwenninger Wiesen, Felder und Flure – stehend in der Kutsche – auch für die durchführte, die an diesem Tag nicht wie gewohnt dabei sein konnten. Es sollte auch ein Zeichen für den dörflichen Zusammenhalt sein, und dafür, dass man sich niemals unterkriegen lassen sollte.

Prozession mit neun Reitern

Dennoch, alles war anders an diesem sonnigen Pfingstmontag. Das große Festzelt auf der Pfingstwiese fehlte, ebenso wie die unzähligen Pferdeanhänger vor dem Ort und die vielen Gläubigen, die den Blutritt sonst immer verfolgten. Kurz nach 9 Uhr machten sich die Abordnungen mit jeweils drei Reitern, der Reitvereine aus Schwenningen, Ebnat-Bronnen und Neuler auf den Weg. Ganz unbemerkt blieb diese kleine Abordnung mit dem Dekan, der die Reliquie in der Kutsche mit sich führte, aber nicht.

Spontan hatte sich am Ortsausgang auf der Wiese eine Privatinitiative von Musikern zusammengefunden, um die Reiter musikalisch aus dem Ort zu begleiten. Jeder einzelne, der in gebührenden Abstand stehenden Zuschauer, wurde herzlich begrüßt und gesegnet.

Über die kurze Route zurück

Bei strahlendem blauen Himmel ging es für die Reiter vorbei an Wiesen, die teils schon den ersten Schnitt hinter sich hatten, und an gedeihenden Getreidefeldern. Halt gemacht wurde an Wegkreuzen, um hier den Segen für Feld und Flur zu erbitten. Über die Feldwege zog die kleine Prozession im Pferdestärke-Schritt zur Kapelle an der Adlersteige.

Vor dieser Kapelle "Mutter des guten Rates" erging die Bitte zur Erlösung aller Verzweifelten, Ratlosen und Furchtsamen. Nach einem kurzen Gebet setzten die Reiter ihren Weg fort, die steile Adlersteige hinunter, hinein in den Wald zurück nach Schwenningen.

Diese Route wird sonst nur bei schlechten Wetterbedingungen gewählt. Ausgefallen ist der Blutritt nach seiner Wiederaufnahme 1947 noch nie. Egal bei welchem Wetter, zumindest im großen Festzelt kam die Gemeinde zusammen – nur nicht in diesem Jahr. Kein Reitergottesdienst am frühen Morgen. Kein Gottesdienst vor der Heilig-Blut Kapelle, während die Reiter in den Fluren unterwegs waren. Und kein großes Fest um diesen Blutritt herum.

Das schmerzt die Dorfgemeinschaft, die vielen freiwilligen Helfer und Organisatoren. Dieses Jahr war auch der Musikverein aus Neuler nicht vor Ort, um die Reiter mit feierlicher Musik in die Dorfmitte zu begleiten. Keine Fahnenabordnungen, Bürgermeister und Vertreter des öffentlichen Lebens.

Der Hintergrund zum Blutritt

Es war ein ganz anderer Blutritt, der aber das Gelübde erfüllte, dass die Schwenninger der Legende nach bei einer sie verschonenden Pferdeseuche in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges geleistet haben sollen. Eine andere Version besagt, dass die Schwenninger ein Gelöbnis während des Zweiten Weltkrieges abgelegt haben sollen, wenn sie von Angriffen verschont blieben. Den Abschlusssegen gab es heuer nicht auf dem Festplatz mit auf Schloss Ellwangen und Schönenberg, sondern in kleinem Rahmen vor der Heilig-Blut Kapelle. Am Ende dankte der Vorstand der Reitergruppe Schwenningen Bernd Fetzer allen, die diesen schon fast heimlichen Blutritt organisiert und durchgeführt haben, dazu wünschte er ein herzliches Vergelt's Gott und eine hoffentlich glückliche volle Pfingstwiesn 2021.

Dekan Dr. Sven van Meegen und die Heilig-Blut-Reliquie.
Dekan Dr. Sven van Meegen erteilt den Abschlusssegen auf dem Kirchplatz, wo sich sonst zahlreiche Reiter und Gläubige treffen.
Auch der Nachwuchs beteiligt sich an der Tradition.

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