Mangold würde wieder Pfarrer werden

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Pfarrer Hansjörg Mangold

Neuler

Für Hansjörg Mangold hat sich der Kreis geschlossen. Denn seit er vor 15 Jahren aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand ging, lebt er wieder in seinem Elternhaus in Neuler. Davor war er rund 23 Jahre Pfarrer der Bonifatiusgemeinde Hofherrnweiler/Unterrombach. Aus dieser Zeit ist er vielen als hervorragender Prediger in Erinnerung, der auch gegen die offizielle Lehrmeinung seiner Kirche Stellung bezog. Zum Weihejubiläum spricht der 76-Jährige über moderne Seelsorge, die Alt-68er und warum er ein Gesangsstudium ausschlug.

Herr Pfarrer Mangold, mit Ihnen wurden am 4. Juli 1971 noch 23 junge Männer zum Priester geweiht, so viele, dass man die Zeremonie auf Rottenburg und Aalen aufteilen musste. Woher kam die Begeisterung für diesen Beruf?

Die Jahre nach dem Zweiten Vatikanische Konzil waren in unserer Kirche von einer absoluten Aufbruchstimmung geprägt. An den Universitäten Tübingen und Bonn, wo ich studiert habe, herrschte eine große geistige Offenheit. Professoren wie Hans Küng, Max Seckler aus Westerhofen oder Bruno Dreher aus Leinzell ermunterten, dass man kirchliche Strukturen kritisch hinterfragt. Alles schien möglich! Aber leider haben sich bei den Kirchenoberen dann rückwärtsgerichtete Denkweisen durchgesetzt, der Mut zu neuen Wegen ist weitgehend erlahmt. Damit besteht meiner Ansicht nach schon die Gefahr, dass die katholische Kirche, wenigstens hier in Mitteleuropa zu einer kleinen Sekte verkommt.

Fehlt es auch an aufmüpfigen Pfarrern, so wie Sie einer waren?

Ich mache meinen jungen Kollegen überhaupt keinen Vorwurf! Die großen Seelsorgeeinheiten lassen eine intensive Seelsorge und Lebenshilfe aus dem christlichen Glauben kaum mehr zu. Dass der Beruf des katholischen Pfarrers so wenig attraktiv ist, das liegt nicht nur am Zölibat, sondern am Bild, das die katholische Kirche in der Öffentlichkeit abgibt. Hier ging manches in den letzten Jahren ordentlich schief, ich denke dabei an die Vorkommnisse um Kardinal Woelki und andere. Mir war die Zusammenarbeit mit den evangelischen Mitchristen immer sehr wichtig, wir haben in der Bonifatiusgemeinde ja sogar gemeinsam Abendmahl gefeiert. Hier müsste mehr möglich sein, mehr Ökumene und die Arbeit auf vielen Schultern verteilen, bis hin zur Weihe von Frauen und Verheirateten.

Ihr Kurs hat in Aalen aber auch nicht allen gefallen?

Möglich war das nur mit vielen engagierten Gemeindemitgliedern und einem aufgeschlossenen Kirchengemeinderat, aber ja: Ich war vielen zu wenig linientreu, nicht fromm genug. Aber ich konnte nicht anders, da kam halt der Alt-68er in mir durch. Und wenn mir dann jemand sagte, er habe durch meine anschauliche Sprache einen vertieften Zugang zum Glauben gefunden oder meine Gottesdienste seien von einer freundlichen Atmosphäre geprägt, war das für mich die größte Wertschätzung meiner Arbeit. Aber das gemeinsame Abendmahl mit den evangelischen Mitchristen, das hat die Kirchenleitung in Rottenburg letztlich verboten.

Wie sind Sie persönlich zum Beruf des Pfarrers gekommen?

„Man könnte vielleicht sagen, ich bin da hineingewachsen. Denn meine Familie hat in den Nachkriegsjahren im Neulermer Pfarrhaus gewohnt. Da blieb es nicht aus, dass ich dem damaligen Ortsgeistlichen Otto Sass oft bei der Arbeit zusah und dann irgendwann zu dem Schluss kam, das könnte später auch für mich ein Beruf sein.“

Würden Sie rückblickend diesen Beruf wieder ergreifen – oder doch Sänger werden?

Ja, ganz sicher! Für mich war das die richtige Berufswahl und ich habe ja auch gezeigt, dass man im Kleinen doch einiges bewegen kann – trotz der Kritik am Großen. Und das mit dem Sänger, das war ja gar nicht meine Idee, sondern die eines Gesangspädagogen. Er meinte, ich sollte meine Stimme ausbilden lassen. Aber ich blieb in meinem Fachgebiet, schließlich kann eine gute Stimme ja auch einem Pfarrer nicht schaden.

Leider haben rückwärts gerichtete Denkweisen sich durchgesetzt.“

Hansjörg Mangold, Pfarrer i.R.

Zur Person

Hansjörg Mangold machte Abitur am Peutinger-Gymnasium in Ellwangen und studierte in Tübingen und Bonn. Nach dem Diakonat in Tuttlingen und dem Vikariat in Ebersbach/Fils wirket er als Pfarrer in Winnenden, der zweitgrößten Gemeinde der Diözese Rottenburg/Stuttgart, danach in der Bonifatiusgemeinde Hofherrnweiler/Unterrombach. In seiner Freizeit war der Neulermer Hobbypilot und bereiste mit dem Wohnwagen Nordeuropa. Wegen der angeschlagenen Gesundheit muss Mangold nun auf diese Hobbys, wie auch auf Feierlichkeiten zum goldenen Priesterjubiläum verzichten.

Pfarrer Mangold 1971 Archivfoto

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