Vorgezogener Aschermittwoch wegen Corona?

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Wie die Fastnachtshochburgen in und um Ellwangen mit den Aussagen des Bundesgesundheitsministers umgehen.

Ellwangen/Neuler

Aschermittwoch ist normalerweise alles vorbei. 2021 wäre das der 17. Februar. Davor liegen Tage der Ausgelassenheit, des Schunkelns, Feierns und närrischen Treibens. Doch die fünfte Jahreszeit 2021 könnte vorbei sein, bevor sie begonnen hat. Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dann fällt Fasching im kommenden Jahr aus, wie er verlauten ließ.

Was würde das für die Narren der Region bedeuten? Wie schätzen sie die Lage ein, wie planen sie und wann gibt es keine Umkehr?

Verschiedene Szenarien

Jürgen Fünfgelder, Präsident des Ellwanger Fastnachts-Club Virngrundkrähen (FCV), sieht die Äußerungen Spahns als "absolut kontraproduktiv" an.

"Das ist überhaupt nicht förderlich für die Motivation. Schon jetzt fehlen vier Monate Training. Etwa zehn Prozent unserer Gardemädchen wollen nächstes Jahr eher aussetzen. Dabei werben wir im Vorstand dafür, dass wir trainieren und etwas auf die Beine stellen. Wenn wir dürfen, haben wir dann auch ein Programm. Sonst haben wir nichts, wenn wir dürften."

Der FCV ist dabei glücklicherweise in der Lage, als Gesellschafter der Stadthallen GmbH den finanziellen Ausfall verkraften zu können. "Wirtschaftlich kommen wir durch. Schlimmer ist die Ungewissheit für die Moral."

Denn in Ellwangen wird alles komplett von den Ehrenamtlichen getragen. "Wir stellen uns aber flexibel auf mehrere Szenarien ein. So können wir uns vorstellen, statt in der engen Stadthalle auch eine Prunksitzung in der Rundsporthalle abzuhalten, dafür bräuchten wir dann einen Boden. Oder wir machen statt drei dann sieben Prunksitzungen in der Stadthalle, mit weniger Zuschauern."

Für die Umzüge sieht Fünfgelder eher schwarz. "Da habe ich es als Veranstalter nicht in der Hand, wer kommt und wie viele. Bei Hallen kann ich es durch Tickets mit Vorbestellung genau eingrenzen und mögliche Auflagen erfüllen." Mitte Dezember sieht Fünfgelder als letzten Planungshorizont.

"Privat bin ich auch in Köln in einem Karnevalsverein. Da stehen die Dinge gerade anders. Das Programm dort wird komplett eingekauft, man geht als Veranstalter in Vorkasse. Da müssen in den nächsten Tagen Entscheidungen her."

Bälle finanzieren Umzug

Klaus Vaas, Vorsitzender der Neulermer Narren 1906, nimmt die Äußerungen Spahns ebenfalls mit Sorgenfalten auf. "Eigentlich würden jetzt die Anmeldungen für den Umzug anlaufen. Wir können aber nicht richtig planen", erklärt Vaas, "und starten noch nicht richtig in diese Saison. Wir müssen die Situation abwarten und abschätzen."

Die Äußerungen Spahns sind absolut kontraproduktiv für die Moral.

Jürgen Fünfgelder Präsident FCV

Bis Ende Oktober oder Anfang November wolle man warten und die Lage neu bewerten. "Die Welt kann sich im Moment sehr rasch ändern, wie wir sehen." Besonders schwierig macht es für Vaas, dass nicht klar ist, ob eine zweite Welle und ein weiterer Lockdown kommt: "Wenn eine zweite Welle kommt und alles verboten wird, kann ich es mir auch nicht vorstellen. Wenn ein Impfstoff da ist, haben wir eine andere Situation."

Doch Fasching hat viele Ausprägungen, neben dem in Neuler traditionellen Umzug vor allem auch die Bälle. "Die Bälle sind aber wichtig, sie finanzieren den Umzug zum großen Teil mit."

Der Unkostenbeitrag, der zum Umzug eingesammelt werde, reiche dafür bei Weitem nicht. "Gut 40 000 bis 50 000 Euro sind nötig, um den Umzug zu finanzieren. Das geht bei uns 1:1 in die Wägen, also Holz, Schrauben, Farben, Stoffe. Der Rest ist für die Infrastruktur, wie Absperrung, Polizei, DRK und Toilettenwagen."

Etwa 700 Narren helfen am Umzug ehrenamtlich mit, basteln, nähen Kostüme, organisieren. Sieben Ehrenamtliche sind im Planungskomitee.

"Unsere Abläufe sind jahrelang eingespielt und übers Jahr verteilt, wir können auch kurzfristig noch etwas auf die Beine stellen", erklärt Vaas. "Aber klar ist: Bis Ende Dezember brauchen wir Sicherheit."

Vorbereitungen laufen

Für die Röhlinger Sechtanarren erklärt Vorstand Roland Brenner: "Wir bereiten uns vor wie jedes Jahr. Die Garde trainiert, hat aber später angefangen. Normal geht das Training nach Fasching direkt los, wir trainieren jetzt seit 1. Juli. Für die Mädchen ist das Sport, man muss trainieren." Brenner erinnert an die Absagen während der Irakkriege: "Abgesagt ist schnell. Lasst uns lieber abwarten."

Es sei auch eine finanzielle Sache, die Bälle und Prunksitzungen sind Haupteinnahmequellen: "Bis Dezember sollten wir Bescheid wissen. Wir hatten großes Glück, dass unser Umzug, der ja nur alle fünf Jahre stattfindet, in diesem Frühjahr war, sonst würde es uns hart treffen."

Prunksitzungen unter strengen Auflagen kann sich Brenner nicht vorstellen. "Es ist Alkohol im Spiel, die Leute tanzen. Und auch das Umziehen hinter der Bühne und die Vorbereitung des nächsten Programmpunkts wird schwierig."

Vereine im Austausch

Die Präsidenten der Vereine stehen in engem Austausch, versichert Brenner: "Alle sind sich ziemlich einig: Wir wollen auf den Fasching hinarbeiten. Ob er dann stattfindet, liegt nicht an uns."

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