Nötigung, Morddrohungen und Kinderpornografie

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Wie Spuren aus dem Stuttgarter Rotlichtmilieu bis auf die Ostalb führen und warum am Ende lang ausgesetzte Bewährungsstrafen stehen.

Ellwangen/Westhausen

Räuberische Erpressung, Beihilfe und Verbreitung von Kinderpornografie lautete die Anklage, die die Staatsanwaltschaft am Amtsgericht Ellwangen einer in Westhausen lebenden 41-jährigen Frau und einem 46-jährigen Stuttgarter vorlegte.

Die beiden Angeklagten wurden beschuldigt, im März dieses Jahres einen 41-jährigen Schreiner aus dem Raum Neresheim mittels Whats-App-Nachrichten um 1300 Euro erpresst zu haben. Der Schreiner hatte zuvor von der Angeklagten mehrfach sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung in Anspruch genommen. Der Härtsfelder zahlte zunächst und erstattete dann aber Anzeige bei der Polizei. Morddrohungen, auch gegen Angehörige und öffentliche Bloßstellung waren ausgesprochen worden. Im Rahmen der verdeckten Ermittlung wurde dann zusätzlich eine kinderpornografische Datei sichergestellt, die der Stuttgarter an die Prostituierte verschickt hatte.

Die Angeklagten kannten sich aus dem Stuttgarter Rotlichtmilieu. Der Stuttgarter rutschte nach Mittlerer Reife und Fließbandarbeit bei Bosch in die Szene, wurde zunächst Türsteher, "Mann fürs Grobe", dann "Wirtschafter" in einem Eros-Center. Seine Vorstrafenliste liest sich entsprechend: Verurteilungen und Haftstrafen wegen Drogenbesitz und -handels, gefährliche Körperverletzung, Nötigung.

Anfang des Jahres hatte sich der Angeklagte jedoch wegen psychischer Probleme selbst in eine Klinik eingewiesen, seit dem einen anderen Weg eingeschlagen. Er sei clean, beginne eine Umschulung und "will da ernsthaft raus", wie er versicherte. Die Sprachnachrichten seien ein "Freundschaftsdienst" gewesen, da die Frau ihm immer eine psychologische Stütze gewesen sei.

Die Angeklagte, gelernte Friseurin und Mutter einer 15-jährigen Tochter, arbeitete über Jahre hinweg in Stuttgart, "vor und hinter der Bar". Seit geraumer Zeit lebe sie wieder bei ihrer Mutter und der Tochter und helfe, den krebskranken Vater mit zu pflegen. Ihr "Gewerbe" übte sie hingegen weiterhin auf eigene Rechnung aus. Auch ihr Vorstrafenregister ist lang, weist neben Drogendelikten und Körperverletzung vor allem notorisches Fahren ohne Fahrerlaubnis auf, weshalb sie zuletzt auch eine Haftstrafe verbüßte.

Mit der Buchführung wird es da bei Ihnen sicher schwierig aussehen.

Norbert Strecker Amtsgerichtsdirektor

Beide Angeklagten zeigten sich geständig. Allerdings erklärte die Frau, dass der Kläger sie oft getroffen habe, "mehr wollte" und Schulden aus sexuellen Dienstleistungen bei ihr gehabt habe, die sie eintreiben wollte. Sie habe schließlich den Mitangeklagten um Hilfe gebeten. Dieser habe ihr dann Sprachnachrichten erstellt, um eine glaubhaftere Drohkulisse aufzubauen, so ihr Anwalt.

Diese habe die Angeklagte mit immer weiteren Drohungen gegen die Familie des Klägers ausgeweitet: "Am Ende muss einer dran glauben. Wir holen einen vom Hof, deine Mutter, deine Familie." Zudem drohte die Prostituierte, den Kläger öffentlich mit Fotos bloßzustellen. Der Kläger räumte letztlich auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft ein, nicht immer vollständig bezahlt zu haben, weil er manchmal nicht genug Geld gehabt habe. Allerdings habe er keineswegs Schulden in der Höhe angehäuft, maximal 500 Euro.

Die genaue Höhe der Schulden werde sich "mangels Buchführung" nicht mehr ermitteln lassen, so Richter Strecker, doch auch Schulden aus dieser Dienstleistung seien prinzipiell einklagbar. Der Weg, den die Angeklagte gewählt habe, sei definitiv der falsche gewesen. Der Tatbestand der Erpressung lasse sich aber nicht halten, sodass das Gericht auf Nötigung erkannte.

Ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung und 80 Sozialstunden, sowie Rückgabe der 1300 Euro lautete das Urteil für die Frau.

Neun Monate auf Bewährung wegen Beihilfe und Verbreitung von Kinderpornografie, ebenfalls auf vier Jahre ausgesetzt, sowie 50 Sozialstunden erhielt der Angeklagte aus Stuttgart.

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