NS-Diktatur: Erinnern allein reicht nicht

+
Auszug aus einem Schulbuch für den Geschichtsunterricht: Wissen allein reicht nicht. Ohne Begreifen und Wertebildung eröffnen sich Jugendlichen keine Handlungsperspektiven in der Gegenwart, sagt Dr. Michael Hoffmann.
  • schließen

Dr. Michael Hoffmann erklärt, wie der Nationalsozialismus in der Schule vermittelt werden sollte.

Ellwangen. Querdenker verkleiden sich als KZ-Häftlinge, Montagsdemonstranten tragen Sophie-Scholl-Plakate oder, fühlen sich "wie Anne Frank" und tragen den gelben "Judenstern" an der Jacke mit dem Schriftzug "ungeimpft".

Was die Beispiele belegen? Dass viele Menschen nicht verstanden haben, wie der Nationalsozialismus in Deutschland wirklich war, obwohl alle in der Schule die NS-Zeit im Geschichtsunterricht hatten. Wird die NS-Diktatur in den Schulen also schlecht vermittelt? Liegt es womöglich am Bildungsplan?

Dr. Michael Hoffmann, Lehrer für Latein und Geschichte am Peutinger Gymnasium, stellte im Foyer der Eugen-Bolz-Realschule fest, am Bildungsplan liege es nicht. Allerdings sei es mit der Wissensvermittlung allein auch nicht getan. Genauswenig wie "Erinnern an den Holocaust" ausreiche, um die Schrecken der deutschen Vergangenheit zu begreifen.

Für Hoffmann besteht die Vermittlung der NS-Zeit an Schulen aus einem Unterricht, für den das reine "Schulwissen" nur die Grundlage bildet. "Die Jugendlichen wissen heute nicht mehr wer Goebbels und Göhring waren", meinte ein Zuhörer und Hoffmann entgegnete: "Vielleicht wissen sie stattdessen, wie der Nationalsozialismus funktioniert hat." Das Begreifen der Wirkung einer Ideologie der "Volksgemeinschaft" und gleichzeitiger Inklusion/Exklusion sei wichtiger als die Kenntnis von Namen.

Wissensvermittlung müsse mit Begreifen einhergehen, dann bildeten Jugendliche Werte aus, die ihnen Handlungsmöglichkeiten in der Gegenwart eröffnen. Hoffmann hält es für wichtig, die NS-Diktatur am Beispiel lokaler Schicksale und Ereignisse zu erarbeiten. Weil sich dadurch besonders gut zeigen lasse, welche Möglichkeiten und Zwänge der oder die Einzelne in jener Zeit hatte. Bedeutsam sei auch ein kritischer Umgang mit digitalen Medien und der Besuch, die Partnerschaft mit außerschulischen Geschichtsorten. Die EBR habe mit dem Eugen-Bolz-Raum beste Voraussetzungen. 

Zurück zur Übersicht: Ellwangen

Kommentare