Obszöner Sex-Chat mit Kindern

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Am Dienstag musste sich ein 43-Jähriger vor dem Landgericht Ellwangen verantworten. Die Anklage lautete auf sexuellen Missbrauch von Kindern ohne Körperkontakt.
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Ein 43-Jähriger Arbeiter muss für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Er hatte sich per Chat gezielt an Kinder herangemacht und sie zu perversen sexuellen Handlungen aufgefordert.

Ellwangen. Vor dem Landgericht Ellwangen musste sich am Dienstag ein 43-jähriger Arbeiter aus dem Ostalbkreis wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt verantworten. Der einschlägig vorbestrafte Mann, der zum Tatzeitpunkt noch unter Bewährung stand, hatte im Internet gezielt Kontakt zu jungen Mädchen gesucht, um sie zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Und das praktisch rund um die Uhr. Das Gericht verurteilte ihn deshalb jetzt zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten.

Die Taten, für die sich der 43-Jährige verantworten musste, hatten sich 2021, während der Corona-Pandemie zugetragen. Der Mann, der zu dieser Zeit bei einer Schauerstellerfamilie angestellt war und dort auch lebte, war wegen des Lockdowns praktisch ohne Beschäftigung. In dieser Phase soll er sich - nach Angaben seiner Chefin - in seinem vollkommen zugemüllten Wohnwagen regelrecht verschanzt haben. Und, wie die polizeilichen Ermittlungen zutage förderten, hat er in dieser Zeit auch nahezu ohne Pause gechattet. Vorzugsweise mit sehr jungen Mädchen, die er - immer nach dem selben Muster - zu sexuellen Handlungen von extrem unappetitlicher Natur anstiften wollte. Die Kinder wurden zu Sex mit Hunden, Pferden oder den eigenen Geschwistern aufgefordert. Natürlich sollten die minderjährigen Opfer davon Fotos schicken.

Die meisten der angeschriebenen Kinder ließen sich auf das gefährliche Spiel am Handy nicht ein, erklärte ein Polizeibeamter am Dienstag im Zeugenstand. Aber von ungefähr 560 Chats, die die Beamten auf unterschiedlichsten Plattformen noch sicherstellen konnten, war es bei bei rund 40 Kontakten doch zu einem Austausch gekommen. „Kannst Du was für mich machen?“ sei dabei eine immer wiederkehrende Einstiegsfrage gewesen, ehe es dann per Hin- und Her-Getippe ans sexuell-pervers Eingemachte ging.

Der Vorsitzende Richter Jochen Fleischer und sein Beisitzer Thomas Dieterich lasen während des Prozesses aus diesen obszönen Chatverläufen im Dialog vor - ein bizarr anmutendes pornographisches „Hörspiel“, bei dem man sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte.

„Was denken Sie, wenn Sie das jetzt hören?“, wollte Fleischer von dem Angeklagten wissen. „Dass ich große Scheiße gebaut habe“, erwiderte der 43-Jährige mit gesenktem Blick. Zuvor hatte der Mann über seinen Anwalt die Taten voll umfänglich eingeräumt.

Wenig positiv fiel danach das Gutachten des Heidelberger Psychiaters, Dr. Kaweh Tabakhtory-Fard, aus. Da sich der 43-Jährige einer eingehenden Untersuchung, insbesondere einer Sexualanamnese, verweigert hatte, könne er nur eine „Verdachtsdiagnose“ stellen, erklärte der Gutachter. Wahrscheinlich liege bei dem Wiederholungstäter eine heterosexuelle Pädophilie vor. Der Psychiater attestierte dem Angeklagten außerdem volle Schuldfähigkeit und er schloss aus, dass der enorme Alkoholkonsum des Mannes, zehn bis 15 Bier am Tag, für die Taten ursächlich gewesen ist. „Alkohol hat er ja schon seit Jahren in großen Mengen konsumiert.“

Klare Worte fand anschließend auch Staatsanwalt Uwe Karst in seinem Plädoyer. Der Mann hätte nur zwei Monate nach seiner ersten Verurteilung den „gleichen Mist“ wieder gemacht. Nur noch viel intensiver. „Da sagt man sich doch, so einer läuft nicht rund.“ Er sei angesichts der Perversitäten, mit denen der 43-Jährige Kinder im Chat konfrontiert hatte, „fassungslos, ja sprachlos“. Karst forderte für den Angeklagten fünfeinhalb Jahre Haft. „Sollten Sie danach wieder straffällig werden, wandern Sie direkt in die Sicherheitsverwahrung“, warnte er. Die Gesellschaft habe ein Recht darauf, sich vor solchen Tätern zu schützen.

Verteidiger Thomas Abele führte strafmildernd das Geständnis seines Mandanten an. Außerdem sei der 43-Jährige therapiebereit und die Taten hätten sich allesamt „nur“ im virtuellen Raum zugetragen. Er bat um eine geringere Haftstrafe. „Aber klar, Bewährung kommt für meinen Mandanten nicht mehr infrage.“

Das sah auch das Gericht so. Es verurteilte den Angeklagten zu vier Jahren und acht Monaten Haft. Richter Jochen Fleischer riet dem 43-Jährigen eindringlich dazu, die Therapieangebote im Gefängnis wahrzunehmen. „Ansonsten laufen Sie tatsächlich Gefahr, für immer weggeschlossen zu werden.“

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