Ökologischer Schaden nach Vandalismus am Stausee ist nicht zu ermessen

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Eine Krickente sucht im Schlamm des Vorbeckens nach Essbarem.
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Unbekannte haben vor einer Woche den Grundablass am Vorbecken des Stausee Buch geöffnet. Der alte Wasserstand war schnell erreicht. Wann sich die Tierwelt erholt, ist unklar.

Rainau-Buch

Vor einer Woche haben Unbekannte die Schieber am Stauwerk des Vorbeckens Buch geöffnet. Das Gewässer ist ein wichtiges Habitat für verschiedenste Vögel, Fische, Amphibien und andere Wassertiere. Das Becken lief komplett leer, der Sog hat eine tiefe Furche in den Schlamm am Grund des Sees gerissen. Als die Mitarbeiter des Wasserverbands obere Jagst am Montagfrüh die offenen Schieber wieder verschlossen, fanden sie etliche verletzte Fische. Das berichtet Josef Gentner, technischer Betriebsleiter beim Wasserverband Obere Jagst, der bis heute den Sinn einer solchen Tat nicht versteht. "Die Fische wurden vom Sog mitgerissen und blieben an dem Rechen hängen, der am Grundablass befestigt ist."

Wie viele Fische dabei getötet oder verletzt wurden, wisse man nicht. Überhaupt sei der ökologische Schaden, den die unbekannten Täter angerichtet haben, nicht so leicht zu ermessen. Das Gewässer ist Rückzugsgebiet für seltene Vogelarten, zudem machen Wandervögel hier Station. Die Vogelwelt hatte sich vom Vorbecken in das Hauptbecken verzogen, das eigentlich abgelassen war, sich aber nun am Stauwerk wieder gefüllt hatte. Spätestens Dienstagnacht war das Vorbecken wieder auf dem alten Wasserstand, so Josef Gentner.

Tödlich war der Vandalismus wohl nicht für Vögel. Betroffen waren eher Muscheln, Amphibien und Kleinlebewesen, die keine Zeit mehr hatten, sich im Schlamm am Grund des Vorbeckens einzugraben. Da in den darauffolgenden Nächten Frost herrschte, dürften viele erfroren sein.

Am Vorbecken kamen bislang etliche streng geschützte Tierarten vor, die nur noch selten zu beobachten sind. Die Teichmuschel und der Kiebitz gehören dazu, auch seltene Libellenarten wurden hier von Naturfreunden, die sich gern am Vorbecken aufhalten, schon beobachtet. Jetzt konnten Spaziergänger sehen, wie Krähen, Enten und andere Vögel im Schlamm nach Futter suchten und mancher Vogel flog mit Teichmuscheln im Schnabel davon. Wie sehr das Biotop geschädigt wurde, kann man, wenn überhaupt, wohl erst im nächsten Sommer ermessen, wenn sich zeigt, ob sich aus Eiern und Larven neue Insekten wie gewohnt gebildet haben. Wie stark das Ereignis die Population der Teichmuscheln beeinträchtigt, wird man wohl nie erfahren.

Auch wie stark der Fischbesatz betroffen wurde, lässt sich kaum abschätzen. Der Angelsportverein Aalen, der den Bucher Stausee gepachtet hat, geht nicht von größeren Schäden aus. Am Vorbecken jedoch war auch die Fischwelt geschützt, das Angeln war dort nicht erlaubt.

Offensichtlicher ist der Schaden für den Wasserverband obere Jagst, der erst vor wenigen Monaten den Schlamm am Grund des Stausees ausgebaggert hat. Jetzt wurde das Sediment vom Vorbecken in den See geschwemmt, das nächste Ausbaggern muss nun wohl deutlich früher erfolgen.

"Zweck des Vorbeckens ist es, Sediment zurückzuhalten. Natürlich kommt auch bei einem Hochwasserereignis Schlamm und Sand vom Vorbecken in das Hauptbecken. Doch nicht in dem Ausmaß, wie jetzt, wo der Grundablass geöffnet wurde", erklärt Gentner.

Es ist also kein Wunder, dass die Polizei in dem Fall ermittelt. "Wir wissen jetzt, dass der Schieber am Freitagabend geöffnet wurde", sagt Bernd Märkle, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen, der mit dem Fall betraut ist. Die Polizei bittet alle, die zu dieser zeit am Stausee waren und außergewöhnliches beobachtet haben, sich zu melden.

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