Pflege eines leidenschaftlichen Hobbys

+
Mario Selss aus Puchheim bei München (rechts) präsentiert zusammen mit dem Segelflugzeug-Betreuer Helmut Schnell den historischen Schulgleiter SG 38, der gerade einmal 120 Kilo wiegt. Selss hatte das Oldtimer-Segelfliegertreffen organisiert, unter tatkrä
  • schließen

Segelflug-Oldtimertreffen auf dem Flugplatz in Erpfental findet eine gute Resonanz. Welche Kostbarkeiten zu bewundern waren.

Ellwangen-Erpfental. Segelflug-Enthusiasten aus ganz Deutschland gingen ihrem Hobby auf dem Flugplatz in Erpfental beim Oldtimer-Segelfliegertreffen rund eine Woche lang mit großer Leidenschaft nach. Mit ihren kostbaren Schätzen ging es hinauf in die Lüfte um grenzenlose Freiheit zu genießen.

Der passionierte Segelflieger Mario Selss aus Puchheim bei München hatte das Treffen unter tatkräftiger Unterstützung der Fliegergruppe Ellwangen organisiert, das zum ersten Mal überhaupt in Ellwangen-Erpfental stattfand. Viele der Teilnehmer kennen sich schon seit vielen Jahren und nahmen in der Vergangenheit schon an einigen Oldtimer-Segelfliegertreffen im süddeutschen Raum teil. Mario Selss hat einen Oldtimer-Segelflieger, einen Schulgleiter mit der Bezeichnung SG 38 schon restauriert und präsentiert die Antiquität auf dem Flugstartplatz in Erpfental. Der 83-Jährige ist selbst noch aktiver Pilot und ist im Besitz gleich mehrerer Flugzeuge. Ihn hat es schon immer gereizt einen alten Schulgleiter wieder flugtauglich zu machen. Gerade einmal 120 Kilogramm wiegt das überaus filigran wirkende antike Fluggerät. „Früher wurden diese Schulgleiter aus Holz in großer Stückzahl gebaut. Es war das meistgebaute Flugzeug der Alleinflugausbildung der 1940-Jahre. Es wurde zur Anfängerschulung genutzt. Heute gibt es davon nur noch sehr wenige“, weiß Selss.

Auf dem Flugplatz in Erpfental tummeln sich hauptsächlich seltene historische Segelflieger-Kostbarkeiten aus den Konstruktionsjahren 1930 bis 1970. Der „Rhönbussard“ ist ein weiteres Schmuckstück. Davon gibt es in Deutschland nur noch ein flugfähiges Exemplar. Es verfügt über Holzkufen für die Landung. Der Rhönbussard, ein weiterer Übungssegler, wurde zwischen 1933 und 1942 gebaut.

Ihren Rhönsperber hatte Claudia Gallikowski aus der Nähe Frankfurts mitgebracht, einen Nachbau im stolzen Wert von 100 000 Euro, der in 6500 Arbeitsstunden entstand. Dieses Leistungssegelflugzeug wurde zwischen 1935 und 1938 produziert.

Rolf Braun aus Wäschenbeuren bei Göppingen hatte mit seinem Segelflieger am Donnerstag wenig Glück: „Mir ist leider die Thermik, der Aufwind unterwegs ausgegangen, also das, was beim Auto der Sprit ist.“ Er musste bei Halheim notlanden und sein Fluggerät mit seinem Hänger wieder zurück nach Erpfental transportieren. „Sowas kostet bei uns ein Vesper und Getränke“, lacht Bernhard Kuhn von der Fliegergruppe Erpfental. Das quittiert Rolf Braun jedoch ganz gelassen mit einem kurzen Achselzucken. „Das kann einfach jedem Mal passieren.“ Es geht auf dem Flugplatz in Erpfental ganz entspannt zu. Fernab jeder Hektik genießen die Oldtimer-Segelflieger das wunderbare schöne sonnige Bilderbuchwetter mit zahlreichen Kumulus-Wolken. Alles geht gemächlich seinen Gang und jeder erfreut sich an den Flügen rund um die Ostalb. Die Basis Flughöhe liegt bei 1500 Metern.

Die Fliegergruppe Ellwangen sorgt während der knapp einwöchigen Veranstaltung für die gute Verköstigung damit etwas in die Vereinskasse kommt. „Wir bieten selbstgemachte Maultaschen, Linsen mit Spätzle und Saitenwürsten, das typische schwäbische Gericht und Schnitzel. Das kommt ganz gut an.“ Die Hälfte der Teilnehmer campt direkt vor Ort und der Rest übernachtet im Hotel. Die Fliegergruppe Ellwangen ist ganz guter Dinge, dass sich das Oldtimer-Segelfliegertreffen einmal in Erpfental wiederholen wird.

Achim Klemm

Der "Rhönbussard" war ebenfalls auf dem Flugplatz in Erpfental zu sehen. Ein Schmuckstück, das zwischen 1933 und 1942 gebaut wurde.
Viele historische Segelflieger standen zum Abflug bereit.
Das Oldtimer-Segelfliegertreffen bot jede Menge Gelegenheit zum Fachsimpeln und Kramen in alten Erinnerungen.
Das Oldtimer-Segelfliegertreffen bot jede Menge Gelegenheit zum Fachsimpeln und Kramen in alten Erinnerungen.
Alles Startklar: Im Zweisitzer konnte man ebenfalls hoch hinauf in die Lüfte.

Zurück zur Übersicht: Ellwangen

WEITERE ARTIKEL

Kommentare