Profikämpfer Daniel Dörrer wird zum Rettungsschwimmer

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Daniel Dörrer am Strand von Chaweng Noijpg.
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Wie der gebürtige Ellenberger Daniel Dörrer in Thailand zum Lebensretter für eine junge Familie wurde.

KohSamui/Ellenberg. Schon seit fünf Jahren lebt Daniel Dörrer in Thailand, auf der tropischen Insel Koh Samui – da, wo andere Urlaub machen. „Ich erfülle mir meinen Lebenstraum, ein Leben als Kämpfer“, sagt der 37-Jährige, der aus Ellenberg stammt, aber 2019 nach einem Kampf in Österreich das letzte Mal in der Heimat zu Besuch war.

Kontakt zu Freunden und Fans hält der Wahl-Auswanderer mit der obersten Maxime „Respekt“ - vor Gegnern wie Mitmenschen - auch über die Social-Media-Kanäle und da war jüngst ein besonderer Post zu lesen: Dörrer hatte ein Bild eines jungen Vaters aus Paris mit zwei kleinen Kindern veröffentlicht, der sich mit warmen Dankesworten per Mail an Dörrer gewandt hatte.

„Dieser Mann hat meine ganze Familie gerettet. Er ist ein Held!!! Sein Name ist Daniel. […] Er riskierte sein eigenes Leben und sprang dreimal in diese großen Wellen, um meine Tochter Syrine, meinen Sohn Kaïs und auch mein eigenes Leben vor dem Wasser zu retten. Wir wollen diesem Mann Danke sagen.“

Tatsächlich hat sich der Vorfall vor einigen Tagen an einem Samstagvormittag ereignet, wie Dörrer auf Nachfrage bestätigt. „Ich war an diesem Strand – Chaweng Noi – das erste Mal überhaupt und auch nur, um eine befreundete Familie, die dort im Ressort Urlaub machte, für eine Inselführung abzuholen. Während ich auf sie wartete, hörte ich die Schreie aus Richtung des Wassers. Man hört, wenn Angst mitschwingt“, schildert Dörrer. „Ich bin hingelaufen, habe nicht nachgedacht, einfach reagiert. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich fühle mich nicht als Held“, sagt Dörrer, der Lehrer für Deutsch und Sport in Deutschland studiert hat. Doch was er getan hat, hat wahrscheinlich Leben gerettet und eine Tragödie verhindert.

„Der Strand ist für seine starken Wellen und scharfe Felsen und Korallen bekannt. Ein Vater hatte das beim Schwimmen mit seinen beiden Kindern unterschätzt, sie wurden immer weiter von den Wellen ins Meer gezogen. Am Strand rief die Ehefrau verzweifelt um Hilfe. Ich habe mir das T-Shirt ausgezogen und bin einfach ins Wasser gesprungen und losgeschwommen“, schildert Dörrer.

Rund 70 Meter weit seien die Drei bereits vom Strand entfernt gewesen, als er sie erreicht habe. „Ich habe mir zuerst das Mädchen geschnappt und sie auf meinem Rücken an Land gebracht.“ Mit ein paar Brocken Französisch versuchte er, das panische Kind zu beruhigen. „Sie sagte, sie sehe ihren Vater und Bruder nicht mehr. Da habe ich sie angelogen, dass ich sie noch sehen kann, damit sie ruhiger wird.“ Als sie sicher am Strand ankommen, macht Dörrer kehrt, schwimmt wieder hinaus und holt den Jungen. Und schließlich wiederholt er den Kraftakt im Kampf gegen die Wellen und hilft auch noch dem Vater an Land, die beiden nutzen dazu ein Surfbrett, um durch die Brandung zu paddeln. „Das Ganze hat vielleicht eine Viertelstunde gedauert, aber ich war schon total platt. Viel nachgedacht habe ich nicht, ich wusste, dass ich stark bin und ein guter Schwimmer“, sagt Daniel Dörrer, der als Profikämpfer in verschiedenen Kampfsportdisziplinen bereits weltweit 232 Kämpfe absolviert hat.

Der sanfte 1,90-Meter-Mann wurde von den geretteten Kindern in den Arm geschlossen und erhielt viel Dank für die Hilfsaktion, nach der er sich aber schnell zurückzog. „Da waren viele Leute am Strand und auch das Hotelpersonal hat das mitbekommen, die Geschichte hat schnell die Runde gemacht. Das war mir zu viel.“

Dörrer ging wie geplant auf den Tagestrip als Inselführer mit seinen Freunden – trotz aller Anstrengungen und einem mit Schnitten und Risswunden überzogenen Körper. „Die Wellen und Felsen haben mich ganz schön zugerichtet, das habe ich gar nicht bemerkt. Inzwischen bin ich aber wieder ins Training eingestiegen. Alles gut“, sagt Daniel Dörrer. An jenem Samstag wurde später am Strand die rote Flagge gehisst, die wegen der starken Wellen das Baden verbietet. Der Vater habe die Wellen unterschätzt, Rettungsschwimmer, die das Wasser überwachen, gibt es auf der Insel nicht. „Deshalb verunglücken dort immer wieder Menschen“, sagt Dörrer, der für Yassine und Samia und ihre Kinder Syrine und Kaïs zum Lebensretter wurde. „Ich bin froh, dass uns allen nichts passiert ist. Wir haben auch Glück gehabt.“

Dörrers nächster Profikampf

Am 12. November bestreitet Daniel Dörrer seinen nächsten Profikampf im MMA, den Mixed Martial Arts, gegen den Niederländer IvanieldoMettendaf. Der Kampf findet vor großer Kulisse in Bangkok, Thailands Hauptstadt, statt und wird vom Landesfernsehen auf dem Kanal „Channel 7“ live übertragen

Daniel Dörrer lebt jetzt in Thailand.
Daniel Dörrers Facebookpost.

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