PV-Kraftwerk bei Ellenberg geplant – Anwohner sind skeptisch

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Die Zuhörer in der elchhalle, viele aus Breitenbach und Georgenstadt, waren nicht richtig begeistert von der geplanten Freiflächen-PV.
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Die W.I.N.D. Energien GmbH will ihre Windparks mit Freiflächenphotovoltaik ergänzen und ein hybrides Kraftwerk für den nördlichen Ostalbkreis aufbauen. Die Anwohner sind skeptisch.

Ellenberg. In der Elchhalle sitzen am Mittwochabend 60 bis 70 Bürgerinnen und Bürger, als Jochen Kreidenweiss und Alexander Wiethüchter, Geschäftsführer der W.I.N.D. Energien GmbH, ihre Pläne vorstellen. Sie wollen auf Gemarkung von Ellenberg drei größere Freiflächen-PV-Anlagen bauen. Zwei weitere Flächen, in Fichtenau und in Jagstzell sind bereits genehmigt.

Warum steigt der Windenergie-Projektierer in das PV-Geschäft ein? Der Plan ist, die eigenen Anlagen zu einem hybriden Kraftwerk zusammenzuschließen, das durchgängig und verlässlich eine größere Menge Energie liefert. Wiethüchter spricht von der "PV-Wind-Symbiose": Windräder laufen vor allem im Winterhalbjahr, die Sonne scheint vor allem im Sommerhalbjahr. Zusammen ergibt das eine Verstetigung der Stromerzeugung, was für die industriellen Stromkunden besonders wichtig ist.

W.I.N.D. Energien GmbH hat im Wald zwischen Ellenberg, Fichtenau und Jagstzell nicht nur den Windpark mit 51 Megawatt Leistung sondern auch eigene Trassen und eine eigene Umspannanlage, wo der Strom in das 110-KV-Netz eingespeist wird. Gelingt es, diese Leistung in PV zu spiegeln, würde daraus eine durchgehende Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie, die für Industriebetriebe im Ostalbkreis besonders wichtig ist. 

Abwanderung von Industriebetrieben droht

Wiethüchter zeigt eine Folie mit dem Strommix in Baden-Württemberg, aktuell und wie er von der Landesregierung bis 2030 und 2050 angestrebt wird. Weil Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke wegfallen beziehungsweise der Strom aus ihnen viel zu teuer wird, sollen erneuerbare Energien die Lücke füllen. Und wenn das nicht gelingt, drohe die Abwanderung von Industriebetrieben mit hohem Energiebedarf, dorthin, wo günstiger Strom zur Verfügung steht.

Die Energiewende muss jetzt plötzlich sehr schnell gehen, weil Gas als Übergangstechnologie auszufallen droht und die Preise explodieren. Der Flaschenhals sind die Netze, die nicht in dem Tempo ertüchtigt werden, wie es jetzt nötig wäre. Und hier hat die W.I.N.D. Energien GmbH mit dem eigenen Umspannwerk einen entscheidenden Vorteil.

Während andere Großprojekte auf das OK der großen Netzbetreiber warten müssen, können Wiethüchter und Kreidenweiss sofort loslegen. Ihre Pläne gehen noch weiter: weil die eigenen Anlagen und das Umspannwerk direkt an der Überland-Gaspipeline liegen, bietet sich der Bau eines Wasserstofferzeugers an, der überschüssigen Strom in Gas umwandelt. Eine solche Anlage könnte man beim Umspannwerk in Jagstzell bauen und für die entstehende Abwärme hätte man in der nahen Schokoladenfabrik bereits einen Abnehmer.

Anwohner stellen Projekt infrage

Die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Elchhalle brechen nicht in Jubel aus, denn die Freiflächen-PV, die bei Ellenberg an der Landesstraße nach Ellwangen, in Georgenstadt an der Autobahn und in Breitenbach geplant sind, überspannen zusammen rund 27 Hektar Wiese und Acker.

Um die Belastung für die Landwirtschaft zu verringern, sind die Flächen teilweise als Agri-PV geplant: Die Module werden senkrecht gestellt, dazwischen liegen 10 bis 15 Meter breite Ackerstreifen, die weiter bewirtschaftet werden können, allerdings nicht mit Mais.

Weil die W.I.N.D. Energien GmbH auch in Ellenberg einen Betriebssitz hat, würde Ellenberg Gewerbesteuer einnehmen. Außerdem will das Unternehmen den "Sonnencent" zahlen, den die neue Gesetzgebung erlaubt und weil die Flächen teilweise in Gemeindebesitz sind, würde der Kämmerer auch Pacht kassieren. Insgesamt, so rechnet Kreidenweiss, würde die Gemeinde pro Jahr rund 100 000 Euro kassieren, mindestens 20 Jahre lang.

Die Bürger hätten außerdem die Möglichkeit über eine noch zu gründende Energiegenossenschaft selbst am Solarpark mitzuverdienen.

In der anschließenden Diskussionsrunde sind trotzdem viele Stimmen eher ablehnend. "Warum bei uns" lautet immer wieder die Frage, warum nicht in Stuttgart oder im Rheintal. "Warum soll Energieerzeugung wichtiger sein als Ackerbau", ein anderer Einwand, "wo doch so viele Dächer in der Region noch kahl sind."

Spekulationen über Bürgerbegehren

Schon wird über ein Bürgerbegehren spekuliert, mit dem man das Projekt stoppen möchte. Denn die Flächen für die geplante Photovoltaik hat sich die W.I.N.D. Energien GmbH bereits gesichert. Die Besitzer sind mit der Planung einverstanden. Der Gemeinderat muss einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan zustimmen. Und auf Vorschlag des Gemeinderats sei auch die Bürgerinformation veranstaltet worden, teilt Bürgermeister Rainer Knecht mit. Nun soll am Montag in der nächsten Sitzung diskutiert werden, eine Entscheidung werde voraussichtlich erst im Herbst fallen.

Das hybride Kraftwerk soll Windparks und PV-Freiflächen der W.I.N.D. Energien GmbH verbinden.

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