Bucher Stausee: Das steckt hinter dem Muschelsterben

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Der Bucher Stausee ist derzeit komplett abgelassen.
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Der Angelsportverein klärt auf, warum sich Naturliebhaber keine Sorgen um den Artenschutz im abgelassenen See machen müssen.

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Mehrere Zuschriften besorgter Bürger erreichten die Redaktion in den vergangenen Tagen. Sie berichten von einem Massensterben an Muscheln im komplett abgelassenen Bucher Stausee. Auch die extrem seltenen Flussperlmuscheln wollten darunter gesichtet worden sein. Und diese zählen, ebenso wie die Malermuschel und die Teichmuschel, zu einer der 40 streng geschützten sogenannten nationalen Verantwortungsarten. "Warum hat man nichts unternommen, um die Tiere zu schützen?", heißt es in einer der Zuschriften.

Und in der Tat zeigt sich derzeit ein "unschönes Bild", wie der Vorsitzende des Angelsportvereins Ostalb, Voin Stojanovich, bestätigte. Doch es sei keine ökologische Katastrophe, die hier zutage trete.

Als im November damit begonnen wurde, den See abzulassen, um die Bauarbeiten an dem Stauwehr und der Ahlbachbrücke angehen zu können, habe sich das Landratsamt an den Angelsportverein als Inhaber der Fischereirechte gewandt, berichtet Susanne Dietterle, Pressesprecherin des Landratsamts, um das Vorgehen abzustimmen und die Tiere umzusiedeln. Seitens Flussperlmuscheln konnte sie Entwarnung geben: "Diese Vorkommen sind in Baden-Württemberg erloschen. Es handelt sich vorwiegend um die in Baden-Württemberg noch häufig vorkommenden Teichmuscheln, vereinzelt auch Malermuscheln." Dennoch sind auch diese Arten streng geschützt. Daher habe man sich an den Angelsportverein für eine Umsiedlung gewandt.

Mit sinkendem Wasserstand wurden durch den Angelsportverein die Fische des Stausees und große Teichmuschelkolonien dann auch eingesammelt und in den Bechweiher und den Rötlenstausee verbracht. Gut 30 Tonnen Tiere, Fische wie Muscheln, siedelten die Mitglieder ehrenamtlich so nach und nach um, so Stojanovich.

Es ist ein unschönes Bild, aber keine ökologische Katastrophe.

Voin Stojanovich Vorsitzender Angelsportverein

"Das Problem bei den Muscheln besteht allerdings darin, dass sie sich in den Schlamm eingraben, wenn das Wasser zurückweicht. Manche davon sehr tief." Das seien die stärksten und kräftigsten Exemplare. Bis zu 1,5 Meter kann der Schlamm im Stausee betragen. Er besteht wiederum zu 80 Prozent aus Wasser, was zwar gut für die Muscheln, aber für die Mitglieder des Vereins problematisch ist. "Wir haben alle Muscheln eingesammelt, die wir erreichen konnten und bei denen keine Gefahr für Leib und Leben unserer Helfer bestand", erklärte Stojanovich. Denn dieser tiefe Schlamm kann für die Helfer zur tückischen Falle werden.

Nachdem der See nun schon eine Weile trocken liegt, sackt der Schlamm in sich zusammen, und es treten jetzt die Exemplare hervor, die es nicht mehr tiefer geschafft haben. "Dann setzt der natürliche Ausleseprozess ein, die Muscheln werden zur wichtigen Nahrungsquelle für Vögel." Das geschehe im übrigen in gewissem Maße in jedem Jahr, wenn der Winterstau erfolge, nur eben nicht so stark, weil das Wasser normalerweise schneller zurückkehre.

Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind und der See wieder volläuft, sollen die Fische wieder zurückgebracht werden. "Bei den Muscheln wäre das nur möglich, wenn die anderen Weiher auch abgelassen würden," erklärte Stojanovich. Doch auch hierfür kann er Entwarnung geben: "Im Vorbecken des Stausees sind genügend Muscheln vorhanden, die dann den Stausee rasch wieder zurückerobern werden." Das ist dem Angelsportverein auch wichtig, denn die Muscheln erfüllen eine wichtige ökologische Aufgabe: Sie filtern das Wasser und tragen so zur hohen Gewässerqualität bei, was wiederum für die Fische von großer Bedeutung ist. "Und diese sind wiederum unser Kapital, daher ist es in unserem ureigenen Interesse, dass das Ökosystem mit den Muscheln erhalten bleibt."

Unter besonderem Schutz

Die Flussperlmuschel, Maler- und Teichmuscheln zählen zu den besonders gefährdeten Arten und gelten als vom Aussterben bedrohte Tierarten.

Sie stehen auf der Roten Liste und zählen zu den 40 Arten, die Bestandteil der "Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt" des Bundesumweltministeriums sind, auch "Nationale Verantwortungsarten" genannt.

Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für diese Arten, weil sie entweder nur in Deutschland vorkommen oder ein besonders hoher Anteil der Weltpopulation in Deutschland lebt.

Die Muscheln haben somit denselben besonderen Schutzstatus inne wie der Rotmilan oder die Wildkatze. Ihr Auftreten ist zugleich ein Indiz für eine besonders hohe Wasserqualität, denn ihr Lebensraum ist durch die Gewässerverschmutzung und die Gewässerübersäuerung stark gefährdet.

Viele der Muscheln aus dem Bucher Stausee hat der Angelsportverein Ostalb bereits umgesiedelt.

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