Einsame Spitze und eine Schwäche

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Als ehemaliger Bürgermeister kennt Roland Gauermann die Gemeinde Rainau wie kein anderer. Er war bei den ersten Stunden des Erholungsgebiets Bucher Stausee dabei.
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24 Jahre war Roland Gauermann Bürgermeister in Rainau. Für ihn bietet die Gemeinde so manches Alleinstellungsmerkmal, sie weißt aber auch eine deutliche Schwäche auf.

Rainau. Mit seinem Wissen über die Römerschätze am Bucher Stausee kann Roland Gauermann auch Gäste begeistern, die gar nicht geplant hatten, etwas über die Geschichte zu lernen. „Kennen Sie sich aus?“, fragt eine Dame vor Ort. Das muss man Gauermann nicht zwei Mal fragen. Das alte Römerkastell, die Bäder, die Arbeiten, die es gebraucht hat, die Schätze für Besucherinnen und Besucher zugänglich zu machen. 

Doch nicht nur über Geschichte weiß Roland Gauermann viel Bescheid. Über zwei Jahrzehnte war er das Oberhaupt der Gemeinde Rainau. In den 24 Jahren als Schultes erlebte er unter anderem die Anfänge des Erholungsgebiets Bucher Stausee und die ersten Jahre der noch jungen Gemeinde Rainau mit. Für den Ostalbcheck plaudert er über seine Erfahrungen in Rainau - als Bürgermeister und als Bürger. 

„Ich kenne das Erholungsgebiet vom ersten Spatenstich an“, sagt Gauermann. Damals bei Baubeginn 1975 habe er es als Chance empfunden. Bis heute werde der Bucher Stausee von der Bevölkerung hoch geschätzt. 

Zwar würden die Rainauer den See an heißen Sonntagen, an denen Menschen aus der ganzen Region zum Erholungsort pilgern, eher meiden, für Spaziergänge oder Joggerrunden sei der See aber auch unter der Woche stets einladend. „Wir haben es damals naturnaher gemacht“, sagt der ehemalige Bürgermeister. Weniger Kommerz, nicht immer hat das Parken gekostet. Aber: „Die Entwicklung als solche ist gut.“ Es wurde viel investiert, das nun refinanziert werden müsse. „Ein großer Gewinn ist auch die Gastronomie dort“, wie Gauermann erzählt. 

Doch trotz vieler Besucher bewahre der Bucher Stausee noch ein Stück Natur, biete den Blick auf viele Vogelarten und einen Ort zum Abschalten. Der Ausgleich aus Freizeit und Erholung „war immer wichtig. Da bin ich froh, dass sich das bewährt hat“.

Auch an anderer Stelle spielt die Gemeinde für Gauermann in der oberen Liga mit: die Römerschätze der Gemeinde. Mit Limestor und Limesturm biete Rainau auch geschichtlich Interessierten viel. Ersteres ist für Gauermann „völlig herausragend - nicht verwechselbar mit etwas anderem.“ 

Im Alltag merke man die Zusammensetzung der Gemeinde Rainau aus den Teilorten Schwabsberg, Buch, Dalkingen, Weiler und Saverwang kaum. Außer, wenn es ums Geld geht. Geht es darum, welcher Ortsteil welche Mittel erhält, gebe es nicht selten Diskussion, berichtet Gauermann. „Das muss man im Zehnjahresdurchschnitt sehen“, sagt er. Auf kurze Sicht könne sonst der Eindruck entstehen, einzelne Teile kämen besser weg. Im Alltag spiele diese „Rivalität“ keine große Rolle. 

Eine „große Schwäche“ nennt der ehemalige Bürgermeister beim Namen: die Nahversorgung. „Hier hält sich nichts mehr.“ In seinen ersten Jahren als Schultes habe es in den meisten Teilorten mindestens ein Lebensmittelgeschäft gegeben. Heute sei es bis auf wenige Bäcker und Metzger ausgedünnt. Die Nähe zu Ellwangen und Hüttlingen sowie Westhausen fülle diese Lücke aber recht gut. 

Durchaus üppig sei hingegen die Vereinslandschaft. Fünf Chöre, Breitensport, mit dem KC Schwabsberg einen Kegelclub auf Bundesliganiveau - „wer hierher zieht, kriegt nicht nur Naherholung, sondern auch Vereinsleben“, ist Gauermann überzeugt. 

Roland Gauermann war von 1975 bis 2000 Bürgermeister von Rainau. Er hat vier erwachsene Kinder und sechs Enkel. Er ist Teil der Limes Cicerones und gibt regelmäßig Führungen rund um die Römerschätze in Rainau. Er ist Vorsitzender des DRK-Ortsverbands und engagiert im Seniorentreff.

Bekannter Kopf

Mittlerweile ist Peter Ebert zwar im wohlverdienten Ruhestand angekommen, trotzdem dürften viele Bürgerinnen und Bürger aus Rainau den ehemaligen Postboten noch kennen. Immer für einen kurzen Schwatz zu haben lieferte er 48 Jahre lang die Post, unter anderem in Rainau aus. Bei seiner letzten Fahrt im März erlaubten sich seine Kolleginnen und Kollegen anlässlich seines Ruhestands, sein Postauto mit entsprechenden Plakaten zu verzieren. 

Instagram-Fotomotiv

Das Limestor in Dalkingen. In seiner Art das Kulturdenkmal am Obergermanisch-Rätischen Limes einzigartig. UNESCO-Weltkulturerbe ist die Sehenswürdigkeit seit dem Jahr 2005. Das Tor finden Besucherinnen und Besucher zwischen den Dörfern Schwabsberg und Dalkingen. Seit Juli 2010 ist das Limestor von einem Schutzbau aus Glas umgeben. Wen das Limesfieber nach dem Besuch gepackt hat, der sei beruhigt: Ganz in der Nähe wartet auch der Limes-Wachturm.

Schon gewusst?

Das Hochwasserrückhaltebecken Buch, besser bekannt als Bucher Stausee, wurde 1982 nach sieben Jahren Bauarbeiten in Betrieb genommen. Dabei lockt er nicht nur regelmäßig Besucherinnen und Besucher von Nah und Fern an. Auch viele Brut-, Durchzugs-, und Überwinterungsvögel suchen sich den Erholungsort gerne als Bleibe aus. Der See hat außerdem einen Gesamtstauraum von 1,15 Milliarden Litern und hat eine Wasseroberfläche von 28 Hektar. 

Peter Ebert (63) arbeitete 48 Jahre bei der deutschen Post.
Das Limestor in Dalkingen ist seit 2005 Weltkulturerbe.
Der Bucher Stausee gilt als Besuchermagnet.

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