Gänsedreck: Bürger beschweren sich

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Enten, Gänse und Schwäne am Stausee sind überhaupt nicht menschenscheu. Offensichtlich werden sie oft gefüttert und halten sich deswegen bevorzugt am Westufer auf.
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Manche Besucher kommen eigens wegen der Wasservögel an den Bucher Stausee. Für andere ist der Vogeldreck auf Wegen und Wiesen ein Grund wegzubleiben.

Rainau-Buch

Das Freizeitgebiet am Bucher Stausee ist ein Magnet für Besucher und für Wassertiere. Enten, Schwäne und verschiedene Arten Wildgänse fühlen sich hier zuhause. Die Wassertiere vermehren sich prächtig und im Frühjahr, wenn die Elterntiere mit den frisch geschlüpften Jungen die ersten Wassertouren unternehmen, kommen viele Besucher eigens deswegen.

Seitdem der See mit dem Kulturzentrum, den befestigten und barrierefreien Seezugängen, Tretbootverleih, Spielplätzen, Sandstrand, Liegemöbel und Liegewiese aufgewertet wurde, wächst die Zahl der Besucher weiter.

Und ausgerechnet die Wasservögel sind es, über die sich manche Leute mächtig ärgern. Denn je größer die Enten, Schwäne, Gänse werden, desto größer werden auch die Haufen, die sie hinterlassen. Auf den Wegen ist der Vogelkot nicht zu übersehen und auf den sauber gemähten Liegewiesen wird er schnell zur Falle. Wer nicht genau nachsieht, wo er sich niederlässt, der liegt unter Umständen mitten in der Scheiße.

"Wir können die Kinder hier nicht laufen lassen. Die schleifen uns den ganzen Dreck ins Auto", sagt ein älterer Mann, der mit seiner Frau und den Enkelkindern einen Ausflug an den Stausee unternommen hat und den der Entendreck richtig ärgert.

Auffallend ist, dass die Tiere nur am Westufer ihre großen Geschäfte hinterlassen. Wo die Grünflächen gemäht und die Wege asphaltiert sind, liegen viele Haufen. Jenseits des Sees, am Wald entlang, sieht man kaum Gänsedreck. Vielleicht weil aus dem Wald Fuchs und Marder drohen?

Christoph Konle, Bürgermeister von Rainau und Vorsitzender des Zweckverbands Erholungsgebiet, kennt das Problem. "Wir hören öfter Beschwerden, vor allem im Frühjahr, wenn die Tiere ihre Jungen großziehen. Seitdem die Wege asphaltiert sind, fällt der Dreck noch mehr ins Auge. Auf Schotter sind die Haufen schnell platt gefahren."

Suche nach Lösungen

Konle meint, wenn der Stausee ein Wildvogelparadies bleiben soll, müsse man die Hinterlassenschaften der Tiere ein Stück weit akzeptieren. Trotzdem habe man im Zweckverband bereits verschiedene Lösungen diskutiert.

  • Vergrämung: Eine Möglichkeit, die derzeit geprüft wird: die Tiere durch natürliche Feinde zu vertreiben. Tatsächlich haben sich Enten, Gänse und Schwäne am Stausee Buch sehr an die Menschen gewöhnt. Sie kommen auf wenige Meter heran, ja suchen geradezu die Nähe der Menschen. Offenbar werden die Wildvögel immer wieder gefüttert. Das lockt sie an und führt auch dazu, dass sich mehr Tiere am Stausee aufhalten, als das natürliche Futterangebot erlauben würde. Eine Vergrämung, so Konle, könnte durch einen Falkner erfolgen, der hin und wieder mit Greifvögeln vorbei kommt.

Dieses Jahr sind es schon vier oder fünf Paare Schwäne.

Christoph Konle Bürgermeister
  • Attrappen: Auch über das Aufstellen von Greifvogelattrappen oder sogar im Wind fliegenden Drachen habe man bereits nachgedacht.
  • Bejagung: Grundsätzlich wäre auch eine Bejagung am Hauptbecken möglich, weil nicht alle Vögel, die sich am Stausee wohl fühlen, unter Artenschutz stehen. Derzeit werde der Jagdbezirk Dalkingen ausgeschrieben. Konle könnte sich vorstellen, den Bezirk bevorzugt an einen Jäger zu vergeben, der die Jagd auf Wasservögel beherrscht und auch ausgebildete Hunde dafür hat. Eine gelegentliche Bejagung hätte vermutlich auch eine vergrämende Wirkung. Die Zahl der Wasservögel ließe sich so reduzieren. Doch für viele Naturfreunde kommt das nicht in Frage. Konle: "Das Thema hatten wir schon einmal vor fünf Jahren und da gab es sehr heftige Reaktionen."

Ein natürliches Limit?

Fachleute des Naturschutzbundes hätten damals versichert, dass die Populationen am Stausee ohnehin ihr natürliches Limit erreicht hätten und sich das Problem quasi auf natürlichem Weg erledige. Tatsächlich sei die Zahl der Tiere, die am Stausee dauerhaft leben, weiter gewachsen. "Wir hatten sonst immer ein Paar Schwäne, das im vorigen Jahr Junge groß gezogen hat. Dieses Jahr sind es schon vier oder fünf Paare", sagt Konle, der im Füttern der Tiere eine Ursache sieht.

Derzeit wird am Stausee gearbeitet. Der Badebereich, der ohnehin noch gesperrt ist, wird verändert, der Sand teilweise gegen feinen Kies ausgetauscht. "Die Fachleute sagen, dass die Gänse und Schwäne den Kies nicht so mögen", erklärt der Bürgermeister. Man habe auch über ein neues Anbaugerät für den Traktor der Seewärter nachgedacht, mit dem sie die Wege schnell säubern könnten.

Nicht dramatisieren

Dramatisieren sollte man das Thema Vogeldreck trotz allem nicht. Der Stausee ist schließlich kein Freizeitpark, sondern freie Natur. Und das Problem mit dem Enten- und Gänseschiss sei eigentlich nur im Frühjahr akut, bevor die Jungtiere flügge sind.

"Wenn die Jungen fliegen können, haben die Wasservögel einen viel größeren Radius, an dem sie sich aufhalten. Im Sommer sind verdreckte Wege und Liegewiesen eigentlich kaum noch ein Thema", sagt Konle.

Vorsicht Tretminen: Auf den asphaltierten Wegen fallen die Hinterlassenschaften der Wildvögel besonders auf. In der Liegewiese sind sie sehr ärgerlich, wenn man sich versehentlich auf einen Haufen gebettet hat.

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