Streuobst auf den Tisch

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Hutzeln aus der Bratbirne
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Mehrere Obst- und Gartenbauvereine der Region zeigen, wie vielfältig Obst aus heimischen Gärten ist.

Rainau-Saverwang

Diese Veranstaltung hätte zu anderen Zeiten mindestens 500 Besucher glücklich gemacht. Doch am Samstag waren die Vertreter von Obst- und Gartenbauvereinen (OGV) der Region im Dorfhaus Saverwang weitgehend unter sich. Der Kreisverband (KOGV) hatte eingeladen, sich mit Produkten aus dem heimischen Garten zu präsentieren. Die Vielfalt war begeisternd, die hier aufgetischt wurde. Es duftete nach Äpfeln, Nüssen, Kuchen oder Fruchtsaft, sobald man in den Saal trat.

KOGV-Vorsitzender Franz Meyer wies auf die Bedeutung von Streuobst für die Artenvielfalt hin, betonte die geschmackliche und gesundheitliche Qualität von heimischen Obstsorten und bedauerte, dass dieser Schatz bei vielen so wenig Beachtung findet. "Vielleicht liegt es daran, dass viele Leute nicht mehr wissen, was man daraus macht?", vermutete er und erklärte so, was der Auslöser für diese Veranstaltung war.

Alois Bühlmeyer und Resi Holzer vom OGV Lippach hatten eine ganze Reihe selbst angesetzter Liköre mitgebracht, die sie aus den Früchten des eigenen Gartens hergestellt haben. Was im Kleinen begonnen hat, zog immer weitere Kreise und mittlerweile fertigen die beiden echte Spezialitäten, wie den Walnusslikör, der aus den noch grünen Walnüssen hergestellt wird.

Der Verein betreut die rund 120 Streuobstbäume im Ort, verleiht Gartengeräte und vermittelt den Wert heimischer Produkte aus dem Garten auch der Jugend, etwa im Ferienprogramm.

Schnaps aus eigenen Früchten

Frank Roder vom OGV Wasseralfingen, Vorstandsmitglied des KOGV, stellt in seiner Brennerei Obstbrände und –geiste professionell her, aber ausschließlich aus heimischem, unbehandeltem Obst. Ausgangspunkt war für ihn der elterliche Obstgarten mit 200 bis 300 Bäumen. Als ausgebildeter Brennermeister versucht er, für sortenreine Brände besonders aromatische Sorten zu finden. Solche gibt es in der Region, wie etwa die Wahlsche Schnapsbirne, die sogar mehr Aroma habe als die Williams-Christ-Birne. Mit einer Einmaischanleitung will er auch Private dazu animieren, eigenes Obst zu Schnaps zu veredeln.

Lorenz und Anneliese Hekel aus Röttingen vom OGV Lauchheim bezeichnen sich als "zu 95 Prozent Selbstversorger". Aus ihrem Garten und von den 75 Obstbäumen machen sie Marmeladen, Einkochobst, Trockenfrüchte, Tees, Kräutermischungen, verschiedene Essige, Seifen und vieles andere. Sie haben so viel Freude daran, dass sie im Grunde den ganzen Tag damit verbringen, zu ernten, zu pflegen, zu konservieren und zuzubereiten.

Regine Reeb und Ute Fangbedji vom OGV Neunheim servieren frische Waffeln und Apfelmus als schnelles und schmackhaftes Apfelgericht. Verschiedene Äpfel sind dafür gut geeignet. Gewaschen, ausgeschnitten, mit dem Pürierstab oder der "Flotten Lotte" zu Mus verarbeitet, sind sie schnell gekocht, nach Geschmack nachgesüßt und mit Waffeln serviert. Dass die Obstbäume auch noch als Holz ein wertvoller Rohstoff sind, zeigen sie mit Deko-Objekten und Kerzenständern aus Holz.

Maria Brenner vom OGV Rainau stellt Dörrobst vor: Apfelringe, Pflaumen, Birnen, "was gerade genussreif ist", kommt bei ihr in den Dörrapparat. Spezielle Sorten eignen sich unterschiedlich gut. Das Fleisch des Apfels "Kardinal Bea" bleibt weiß, säurehaltige Sorten wie die "Rubinola" entfalten getrocknet erst so richtig ihr Aroma.

Viele wissen nicht mehr, was man aus Obst alles machen kann.

Franz Meyer Vorsitzender KOGV

Franz Meyer vom OGV Ellenberg zeigt seinen Entwurf eines Trocknungsgeräts, das ohne Strom auskommt: Die Luft erwärmt sich in einem schrägen Kasten unter einer Glasscheibe allein durch die Sonne auf etwa 40 Grad, steigt auf in den Trockenraum, wo die Früchte gelagert sind, und entweicht nach oben durch einen kaminartigen Auslass.

Äpfel und Birnen richtig lagern

Der Vorsitzende des KOGV erklärt auch, wie man selbst ohne Keller Äpfel und Birnen lagern kann, damit sie im Winter oder sogar im Frühjahr noch genießbar sind: Zwischen 0 und 8 Grad sollte die Temperatur bleiben, in einem Fass oder einer Kiste in der Gartenhütte gelagert, bleiben sie frisch. Vor Frost kann man die Früchte durch ein Styroporgehäuse schützen, das Gefäß sollte geschlossen sein, aber geringen Luftaustausch zulassen. "Ein Karton, in den man ein paar Löcher sticht, bietet die sauerstoffarme Atmosphäre, in der Äpfel nicht so schnell faulen." Andrea Weiß-Walter, ebenfalls vom OGV Ellenberg, stellt verschiedene Apfelkuchen vor: mit Hefe oder Rührteig, mit Apfelschnitzen oder –mus belegt. Und sie hat auch die Apfelküchle gebacken, Apfelringe im Pfannkuchenteig ausgebacken, die man mit Vanillesoße oder Kartoffelsalat servieren kann.

Der OGV Ellenberg hat mit der Jugendgruppe "Obstgartenzwerge" eine Verjüngung des Vereins erreicht und allein im vergangenen Jahr 90 neue Mitglieder gewonnen.

Hutzeln aus der Bratbirne

Der Landtagsabgeordnete Winfried Mack, der die Veranstaltung als begeisterter Obstgärtner mitinitiiert hatte, präsentiert Hutzeln, die er aus den eigenen Birnen, Sorte "Cannstatter Bratbirne", im Ofen dörrt. Das Streuobst der Region gehe auf die Initiative des württembergischen Königs Wilhelm zurück, erklärt er, ein kulturelles Erbe, das man schätzen und pflegen sollte, weshalb die Landesregierung auch die Pflanzung von Streuobstwiesen unterstützt.

Rainaus Bürgermeister Christoph Konle freut sich, dass in Rainau die Nutzung von gemeindeeigenen Streuobstbäumen unkompliziert funktioniert: "Wer Interesse an dem Obst hat, nimmt einfach Kontakt zu Frau Brenner auf und klärt das mit ihr ab." Es sollte sich durchsetzen, meint er, Bäume, deren Obst man aufklauben darf, mit dem gelben Band zu markieren, bevor alles ungenutzt verrottet.

Anneliese und Lorenz Hekel (l.) mit Bürgermeister Christoph Konle.
Getrocknete Apfelringe.
Alois Bühlmeyer und Resi Holzer

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