ODR will Umspannwerk bei Neunstadt bauen

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Dieses Grundstück, direkt unter der 110-KV-Leitung, zwischen Biogasanlage und Truppenübungsplatz, wurde für die neue Umspannanlage ausgewählt
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In der Region wollen Investoren massiv in Windkraft- und PV investieren. Doch das Stromnetz ist dafür zu schwach.

Ellwangen-Röhlingen

Für kontroverse Diskussionen im Röhlinger Ortschaftsrat sorgte die Ankündigung, dass bei Neunstadt ein  Umspannwerk geplant ist. Steffi Mack und Matthias Steiner von Netze ODR GmbH stellten die Pläne vor. Das Unternehmen hat bereits ein Grundstück zu diesem Zweck erworben: Zwischen der Biogasanlage und dem ehemaligen Truppenübungsplatz, direkt unter der bestehenden 110-KV-Hochspannungsleitung.

"Wir müssen die Netze bedarfsgerecht ausbauen", erklärte Matthias Steiner und zeigte auf, wie schon jetzt die Erzeugung erneuerbarer Energie im Netz der ODR enorm zugenommen hat. Im dritten Quartal 2022 seien 79 Prozent der Energie bereits aus solchen Anlagen gekommen. 35 000 habe die ODR bereits angeschlossen und der Boom halte an. "Wir haben für 2023 Anfragen mit einer Gesamtleistung von über einem Gigawatt", sagte Steiner. Bis 30 KW-Peak würden PV-Anlagen noch anstandslos genehmigt, weil der so erzeugte Strom noch über die versorgungsnetze abgeführt werden kann. Doch größere Anlagen würden zunehmend abgelehnt, weil die hier erzeugte Energie ohne Netzausbau nicht abgeführt werden kann.

Steiner verwies auf die politischen Ziele, die CO2-Neutralität bis 2045, die massive Ausweitung von Flächen für die Energieerzeugung und die Interessen der 420 000 Einwohner im ODR-Gebiet: "Viele wollen jetzt elektrisch heizen, elektrisch fahren und selbst in Erneuerbare Energien investieren, weil sich das jetzt richtig lohnt."

Das geplante Umspannwerk sei ein privilegiertes Vorhaben, sei also mit Vorrang umzusetzen. Im Austausch mit der Stadt habe man Örtlichkeiten sondiert und sich für das Grundstück entschieden, weil es in der Nähe zum Industriegebiet liegt, wo besonders viel Energie erzeugt und auch verbraucht wird. Direkt unter der 110-KV-Leitung biete den Vorteil, dass man nicht auch noch neue Leitungen planen und bauen muss.

"Wir brauchen Netzverstärkungen und neue Umspannwerke", sagte Steiner. Solche Anlagen hätten allerdings eine längere Planungs- und Bauzeit. Im vorliegenden Fall müsse man mit 2 bis 3 Jahren rechnen. Geplant sei ein Betriebsgebäude und zunächst zwei Transformatoren, erweiterbar auf drei. Die Lieferzeit für die Technik sei allerdings deutlich länger seit dem Ukrainekrieg.

Ortsvorsteher Walter Schlotter begrüßte es, dass die ODR frühzeitig an die Öffentlichkeit gehe: "Das ist ein sensibles Thema, vor allem wegen dem Flächenverbrauch."

die Anton Wagner, selbst Landwirt, äußerte große bedenken: "Der Landverbrauch ist nicht zu verantworten. Ist erst mal das Umspannwerk da, werden Freiflächen-PV entlang der Autobahn in großem Stil gebaut werden Es fällt mir schwer zuzustimmen." Der ländliche Raum müsse nicht Stromlieferant für die Ballungszentren sein. Roland Brenner sah die Ortschaftsräte vor vollendete Tatsachen gestellt, weil die Grundstücke ja schon gekauft sind. Rudolf Wiedmann zeigte dagegen Verständnis: "Mit dem Standort sind wir gebunden an 110 KV-Leitung. Der Bedarf ist da, ich habe selbst eine PV-Anlage und hätte sie größer bauen können, wenn das Netz dafür gerüstet wäre." Trotzdem gelte es Flächenverbrauch vermeiden, sagte er und bedauerte, dass die 110-KV-Leitung nicht als Erdkabel geführt wird. "In Bayern werden alle Ortschaften untergraben, in Baden-Württemberg nicht. Das ist schade."

Hans-Peter Müller verwies auf die Ausweisung von Vorrangflächen für PV-Freiflächen im Regionalplan. Das mache zur Vermeidung von Flächenverbrauch sogar Sinn, weil die Flächen nicht versiegelt seien und weil ein Hektar PV-Freifläche ungefähr ein Megawatt Leistung bringe. Eine Biogasanlage dagegen brauche für dieselbe Leistung ungleich mehr Flächen für den Maisanbau. "Es ist jetzt so, dass Freiflächen-PV die Pachtpreise kaputtmacht, mehr noch als Biogas."

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