Ortsdurchfahrt: In Röhlingen bewegt sich was

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Viel zu viele Lkw: Der Vorstand der BI am Blitzer in der Ortsdurchfahrt. Gerd Bay, Franz Bühler, Josef Abele, Maria Vaas und Eberhard Vaas (von links).
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Wie die Röhlinger unter der Belastung durch den Schwerlastverkehr leiden und was derzeit von Seiten der Behörden geschieht.

Ellwangen-Röhlingen

Der Ort stöhnt, denn die Sperrung der B29 bei Westhausen und die Umleitung über Röhlingen sorgt aktuell dafür, dass der Schwerlastverkehr enorm zugenommen hat. In steter Folge rollen permanent schwere Lkw durch Röhlingen, mit dem fernen Ziel der B 25 Richtung München oder von dort kommend.

Doch dies ist nur ein Vorgeschmack darauf, was die Anwohner künftig erwartet. Josef Abele, Vorstand der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Ortsdurchfahrt Röhlingen (BI), klagt: "Auch ohne die Umleitung haben wir bereits ehemalige Mögglinger Verhältnisse. Die Route über unsere Ortsdurchfahrt zur vierspurigen B 25 ist eine beliebte Abkürzung für Lkw."

Seit 15 Jahren kämpft die BI unermüdlich für eine Verbesserung der Verhältnisse im "zweigeteilten Ort", wie Vorstandsmitglied Maria Vaas die Situation schildert. Nach den Verkehrsmesszahlen der BI rollen mehr als 11 000 Fahrzeuge täglich durch den Ort, davon über 1400 schwere Lkw. Acht Fahrzeuge pro Minute, davon ein Lkw. Erhoben wurden diese Zahlen mit einem eigens angeschafften Messgerät. 3,8 Millionen Fahrzeuge sind es jährlich.

Zum Vergleich: Auf der B 29 zwischen Westhausen und Bopfingen sind es laut Gerd Bay 3,2 Millionen Fahrzeuge. "Die Zahlen kommen von den dortigen Ortsvorstehern." Zudem hat die BI Zugang zu den Messdaten aus dem Röhlinger 5G Feldversuch. Diese stützen wohl in der Tendenz die Zahlen der BI, auch wenn die Auswertung noch nicht abgeschlossen ist.

"2010 sind wir von der Prioritätsliste des Verkehrsministeriums gerutscht. Verkehrsminister Winfried Hermann teilte uns damals mit, dass keine überdurchschnittliche Belastung vorliege. Das Land zählte nur 6000 Fahrzeuge." Inzwischen ist klar, dass damals der Durchgangsverkehr von den Landesstraßen L 1029 und L 1076 nicht erfasst wurde. "Doch auch von dort kommt eine Menge Verkehr. Und die Gemeinden um uns sind auch gewachsen. Die neuen Baugebiete um uns erzeugen viel Lkw-Verkehr, die Leute pendeln nach Aalen, Ellwangen, Nördlingen," erklärt Franz Bühler.

Die Sorge der BI: "Wir müssen unbedingt in den Verkehrsplan kommen, der jetzt aktualisiert wird, sonst sind wir wieder für zehn Jahre nicht auf der Liste. Die Gewerbegebiete an der A7 und in Kerkingen wachsen aber weiter, Varta und die Firma Ladenburger expandieren. Die L 1060 wird eine Schwerlastachse", stellt Abele fest und erklärt: "Wir sind keine Traumtänzer. Wir werden die Ortsumfahrung wahrscheinlich nicht mehr erleben, aber wir machen das für unsere Kinder und Enkel." Mehrere dicke A4-Ordner umfasst der Schriftverkehr, den die BI bereits mit Behörden geführt hat: "Es muss jetzt was passieren."

Es muss jetzt was passieren.

Josef Abele BI-Vorstand

Tempo 30 nachts kommt

Ellwangens Bürgermeister Volker Grab verspricht, dass die Stadt und insbesondere OB Michael Dambacher an dem Thema dran sind. "Die Stadt setzt auf größtmögliche Transparenz in dieser Sache. Wir haben für Röhlingen beim Regierungspräsidium bereits als ersten Schritt zur Entlastung einen Antrag gestellt auf generelles Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt Röhlingen – zwischen 22 und 6 Uhr, nicht nur für Lkw. So wurde es in unserem Lärmschutzplan im Juli 2018 beschlossen. Das Verfahren läuft, wir haben von dort nun positive Signale. Das wird kommen."

Wie ernst es der Stadt Ellwangen mit der Ortsumfahrung ist, verdeutlicht Grab: "Im Juli hat Oberbürgermeister Michael Dambacher in einem Schreiben das Landesverkehrsministerium eindringlich gebeten, bei der anstehenden Aktualisierung des Generalverkehrsplanes die L 1060 mit einer Ortsumfahrung für Röhlingen zu versehen. Ministerialdirektor Prof. Dr. Uwe Lahl hat unser Anliegen gehört und berücksichtigt."

Antwort aus dem Ministerium

Die Zahlen, die durch den 5G Feldversuch seit November 2019 erhoben wurden, sind dabei hilfreich, befinden sich aber in der Tat noch in der Auswertung. "Sobald diese abgeschlossen ist, werden wir den Ortschaftsrat und den Gemeinderat informieren", versichert Grab.

Ministeriumssprecher Edgar Neumann bestätigte auf Nachfrage der SchwäPo, dass die Zunahme des Schwerstlastverkehrs auf der L 1060 eine wichtige Rolle spielen wird, wenn der Maßnahmenplan Landesstraßen aktualisiert wird: "Besondere räumliche Entwicklungen, die absehbar mit erheblichen Verkehrszunahmen einhergehen, werden ebenfalls berücksichtigt. Bei der Neubewertung der Ortsumgehungen von Röhlingen und Zöbingen fließen dabei u. a. die geplante Erweiterung des Gewerbe- und Industriegebiets im Teilort Ellwangen-Röhlingen, die Vergrößerung des Sägewerkes der Firma Ladenburger sowie weitere relevante Sachverhalte aus der von der Stadt Ellwangen im November 2019 übermittelten Machbarkeitsstudie mit ein", heißt es aus dem Ministerium, und weiter: "Die Evaluierung des Maßnahmenplans befindet sich auf der Zielgeraden. Derzeit läuft die verwaltungsinterne Abstimmung zu einzelnen Projekten. Wir streben an, den aktualisierten Maßnahmenplan noch in diesem Jahr zu veröffentlichen."

Das sollten Sie über die Bürgerinitiative wissen

Die Röhlinger BI "Verkehrsentlastung Ortsdurchfahrt" wurde vor 15 Jahren im Juli 2005 gegründet und zählt mittlerweile 270 Mitglieder. Ziel der BI ist es, die Belastung der Bevölkerung durch Verkehrslärm, Feinstaubbelastung und Abgase zu reduzieren. Durch die Arbeit der BI wurden inzwischen zwei stationäre Blitzer an der L 1060 bei den Ortseingängen aus Richtung Ellwangen und Bopfingen aufgestellt. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Lkw auf Tempo 30 konnte ebenfalls erreicht werden. Langfristiges Ziel der BI bleibt die Realisierung der Ortsumfahrung. jku

Mit Schildern fordert die Röhlinger Bürgerinitiative seit Langem eine Ortsumfahrung.
Aktuelles Bild: die Ortsmitte an der Abzweigung Pfahlheim

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