Wirtin Marianne Burger schließt Traube in Röhlingen

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Marianne Burger geht mit 88 Jahren in den Ruhestand.

Die letzte Gaststätte im Ort macht zu – eine jahrhundertealte Tradition geht damit zu Ende.

Ellwangen-Röhlingen. Die "Traube" schließt in Röhlingen – und damit die letzte von ehemals sechs im Ort. Bereits 1699 errichtete der Gastwirt und Weinhändler Balthasar Traub das Gasthaus "Traube", das sein Sohn und anschließend sein Enkelsohn viele Jahre weiterführten, bis sie es an Kaspar Mayer veräußerten. 1898 übernahm Karl Kirsch das Anwesen.

Zur Gastwirtschaft gehörte auch eine Brauerei, später Brennerei und eine etwa 30 Hektar große Landwirtschaft. Ende 1930 übergab Karl Kirsch die Gastronomie und die Hofstelle an seinen Neffen Karl Kirsch aus Ellwangen und dessen Ehefrau Anna.

1959 gab es einen erneuten Besitzerwechsel. Sohn Karl übernahm die Landwirtschaft und die Brennerei, Tochter Marianne die Gastwirtschaft mit einem separaten Saal, in dem viele Hochzeiten und Theateraufführungen bis Ende 1958 stattfanden.

1962 heiratete Marianne den Polizeioberkommissar Karl Burger aus Schorndorf. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und eine Enkeltochter hervor.

Marianne Burger ist mit Leib und Seele Wirtin. Der Betrieb der Gaststätte ist bis heute ihr Hobby. Sie ist gern unter Menschen. Wie sie immer wieder sagt, sei die viele Arbeit zwar anstrengend, doch es gebe auch viele schöne Tage und sie gestehe ganz unverdrossen, sie habe die Tätigkeit genossen. Deshalb falle es ihr auch nicht leicht, von ihren langjährigen treuen Gästen Abschied nehmen und im 88. Lebensjahr altersbedingt und auch aus gesundheitlichen Gründen die Pforten nun schließen zu müssen.

Lange habe sie mit dem Entschluss gehadert, die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auflagen hätten ihr die Entscheidung erleichtert.

Wie vieles, hat sich auch die Gastronomie in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Eine Nachfolge wird es deshalb aus heutiger Sicht keine geben. Die beiden Töchter und auch die Enkeltochter verfolgen andere Berufsziele.

Marianne Burger war und ist in Röhlingen eine Institution. Viele Stammgäste kehrten regelmäßig bei ihr ein, denn es gibt niemanden im Ort, der so viele Ereignisse und Anekdoten zu erzählen weiß, von den Kriegswirren, der Nachkriegszeit und der Zeit als 1946 viele Deutsche aus ihrer angestammten Heimat in Ungarn und dem Sudetenland vertrieben und zwangsweise in Häusern und Bauernhöfen in Röhlingen und den Teilorten einquartiert werden mussten.

Eine besondere Verbindung besteht zwischen dem Haus und dem FC Röhlingen. Nach der Gründung des FC stellte die Familie Kirsch dem Verein 1949 eine Viehweide nahe der Sechta, in der Killingerstraße, als Sportplatz pachtweise zur Verfügung, nachdem die Gemeinde kein Grundstück zur Verfügung hatte. Seitdem ist nun über 70 Jahre auch die Traube das Vereinslokal des FC.

Nach dem Training freitagabends und nach jedem Heimspiel erwartete Marianne "ihre Buben" im Lokal. Sie fieberte mit und wenn ein Sieg gelang, feierte sie mit bis spät in die Nacht.

Seit mit dem Bau der Sechtahalle im Jahre 1972 der Breitensport in Röhlingen regen Zuspruch fand, waren mittwochs die Frauengruppen und donnerstags die Senioren nach dem Sport ihre Gäste. Dienstags war die Traube Anlaufstelle für viele Bürger aus Röhlingen und der näheren Umgebung.

Abschied ist immer mit Wehmut verbunden. Und so bedankt sich Marianne Burger schweren Herzens bei all ihren Gästen für die Verbundenheit zu ihr und ihrem Haus und die jahrzehntelange Treue. Dieser Dank gelte im Besonderen den Verantwortlichen in der Vorstandschaft und im Vereinsrat, den Spielern, Trainern, Betreuern und den Mitgliedern und Freunden des FC Röhlingen.

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