Auch der Messwein blieb tabu

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Wie Rosenberg und Hohenberg durch das schwere Gewitter vom 21. April 1945 vor schlimmen Kriegsschäden bewahrt wurden.

Rosenberg

Die Ereignisse der letzten Kriegstage der Gemeinde Rosenberg hat Hermann Sorg 2004 in Gesprächen mit den letzten lebenden Zeitzeugen und aus Kirchen- und Gemeindechroniken rekonstruiert.

Nach der "Schlacht um Crailsheim" wandten sich die Amerikaner dem Raum Rosenberg zu, denn sie wussten, dass auch in Ellwangen eine starke deutsche Besatzung lag. Deswegen begannen die Amerikaner eine Zangenbewegung um Ellwangen herum.

Am 21. April erreichte eine Panzerspitze Hummelsweiler, um am 22. April über Rosenberg und Hohenberg nach Leinenfirst, Neuler und Adelmannsfelden vorzurücken. Ein anderer Keil wandte sich in Jagstzell wegen der von den Deutschen gesprengten Jagstbrücke über die Holzmühle auf den Rabenhof Richtung Eggenrot zu, wo heftige Kämpfe entbrannten.

Am Samstagnachmittag, 21. April, wollten die Amerikaner nach Rosenberg und Hohenberg einrücken, als gegen 17 Uhr, völlig unerwartet, ein schweres Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen einsetzte. Deswegen verschoben die US-Truppen ihren Vormarsch auf Sonntag, den 22. April 1945.

Kirchenchroniken berichten

Der Pfarrer von Rosenberg, Josef Uhl, notierte in der Pfarrchronik: "Um Crailsheim wurde erbittert gekämpft. Man sah von Rosenberg aus die Luftangriffe auf Crailsheim und die umliegenden Orte. Am Abend des 21. April brach die deutsche Verteidigung zwischen Schwäbisch Hall und Crailsheim zusammen. Ein furchtbares Gewitter ging nieder mit wolkenbruchartigem Regen." Im "Schutz" dieses Gewitters zogen sich die Deutschen zurück.

Uhl notierte: "Nun atmeten wir alle auf. Es wird kein Widerstand geleistet werden. Unser Dorf ist wahrscheinlich gerettet. In der Nacht zum Sonntag wurde in einem fort geschossen, während die Deutschen sich noch immer absetzten. Als der Morgen anbrach, war eine unheimliche Stille.

Die Frühmesse konnte noch gefeiert werden. Mit jedem Augenblick erwartete man das Anrollen der Amerikaner. Etwa um 11 Uhr kam dieses große Ereignis.

Von Hummelsweiler her kommend überfluteten Panzer, Kriegsautos etc. das ganze Dorf, und in wenigen Augenblicken war Rosenberg von den Feinden besetzt, ohne dass ein Haus beschädigt oder gar ein Mensch getötet worden war."

In Hohenberg sollten 120 SS-Soldaten den strategisch wichtigen Punkt halten, zogen aber ebenfalls im Schutz des Gewitters mit aus Rosenberg und Hohenberg beschlagnahmten Fuhrwerken Richtung Neuler ab. Am 22. April hielt Pfarrer Anton Vesenmayer noch den Sonntagsgottesdienst. Kurz darauf waren die Amerikaner da: "Der Fuß des Berges war von insgesamt wohl über 100 Autos und Panzern umstellt. Ein Warnschuss der Amerikaner blieb unbeantwortet."

Die amerikanischen Truppen bezogen Stellung auf dem Hohenberg und zogen gleich weiter über Hinterbrand Richtung Leinenfirst und Neuler.

Ein amerikanischer jüdischer Offizier, der aus Köln stammte, schrieb in St. Jakobus an das Messweinfass "Off Limits", zu Deutsch: "Tabu", damit der Wein nicht gestohlen wurde.

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