Der Tamme Hanken der Selbstverteidigung

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Jürgen Schercher hat den 10. Dan im Jiu Jitsu. Er ist weltweit ein gefragter Trainer.
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Jürgen Schercher hat den 10. Dan im Jiu Jitsu. Welche Rekorde er hält und wie er sich in der Region einbringen will.

Rosenberg.

5,3 Sekunden, lass es 5,4 Sekunden sein. Das genügt Jürgen Schercher (65) und sein Gegenüber liegt auf dem Boden und trägt Handschellen. Okay, das ist kein offizieller Weltrekord. Aber als Schercher noch aktiver Polizist war, konnte niemand in der Region den Ganoven schneller die Acht anlegen als er. Acht steht sinnbildlich für Handschellen. Heute hilft er Menschen, selbstbewusster durchs Leben zu gehen.

Jürgen Schercher.

Jürgen Schercher ist ein Hüne. Im Augst 2015 berichteten wir schon einmal über den ein Meter achtzig langen Mann mit dem Körpergewicht von 108 Kilogramm. Damals stand Schercher kurz davor, in seiner Kampfsportart Jiu Jitsu den 9. Dan zu bekommen, also die neunte Stufe (Dan) zu erreichen. Das ist quasi der Europameistertitel. Inzwischen hat er den 10. Dan. Das sind die Weltmeisterschaft und Olympia zusammen. Mehr geht in dieser Kampfsportart nicht. „Danach kommt nur noch der Tod“, sagt der Schwabe und lacht laut auf. Sowieso wird viel gelacht beim Meister des Jiu Jitsu. Der 10. Dan-Gürtel ist übrigens rot und nicht schwarz.

Buddha sitzt auch im Wohnzimmer

Schercher ist geerdet. Auch wenn in der asiatischen Kampfkunst gerne Vokabeln wie Konzentration und Meditation benutzt werden … bei Scherchers riecht es an diesem Tag nach frisch gebrühtem Kaffee und nicht nach Räucherstäbchen. Der ein oder anderen Buddha versteckt sich dennoch im Wohnzimmer.

Die 108 Kilogramm sind gut über Scherchers Körper verteilt. Der Mann flößt Respekt ein. Das mag auch an seinem grauen Schnurbart liegen, der etwas an die 70er Jahre erinnert. Als Türsteher bekäme er in jedem Club einen Job. Was Tamme Hanken für die Pferde, ist Jürgen Schercher für die Selbstverteidigung. Unzähligen Polizisten auf der ganzen Welt hat er die Kunst der Selbstverteidigung beigebracht. Unzähligen jungen Menschen hat er Griffe und Techniken gezeigt, mit denen sie sich verteidigen können und die ihnen Selbstbewusstsein geben. „Selbstverteidigung“, dieses Wort benutzt der ehemalige Polizist oft. Wer zu ihm auf die Matte kommt, um sich zu prügeln, fliegt raus - sofort. "Die zweite Übungsstunde machen solche Charaktere nicht mehr mit; ehrlich gesagt, kommen die erst gar nicht zu mir“, sagt er. In Rosenberg, seiner neuen Heimat, steht er schon in Kontakt mit der Gemeinde. Warum nicht Kurse anbieten, für junge Menschen oder Frauen aus der Region. Früher, als er noch auf dem Härtsfeld wohnte, hatte er seine eigene Kampfschule. Die ist inzwischen verkauft. Er will es etwas ruhiger angehen lassen und viel lieber seine Frau auf Reisen mitnehmen. Die war in der Gastronomie tätig. Da gab es wenig Freizeit.

Gefragt in Belgien, USA und Peru

Mit Schercher lebt ein ausgewiesener Experte in Rosenberg, der immer noch weltweit gefragt ist. Dieses Jahr war er schon in Sansibar. In Polen und Belgien gibt er regelmäßig Seminare. Zwei Mal wird er wohl dieses Jahr in den USA sein, Peru steht auch auf der Liste. Schercher trainiert seit 50 Jahren auf der Matte. Sein Wissen ist immens und gefragt. Seine Technik verfeinert er bis heute. „Man lernt nie aus, auch nicht als Träger des 10. Dan“, sagt er. Er verlernt aber auch nichts. „Gib mir 5,4 Sekunden …“, sagt er und lacht. Die Übungshandschellen sind zum Glück nicht griffbereit.

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