Warum Sojabohnen Bauern glücklich machen

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Die Sojabohne braucht keinen Pflanzenschutz und keinen Dünger, weil sie in Symbiose mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft nutzen kann.
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Soja wächst nicht nur in den Tropen, sondern auch auf der Ostalb. Beim Feldtag in Rosenberg-Zollhof wurde deutlich, was sich Bauern vom Anbau versprechen.

Rosenberg-Zollhof

Wer Bullen und Hähnchen mästet, Eier produziert oder Milch erzeugt, braucht eiweißhaltiges Futter. Rund 3,59 Millionen Tonnen Sojabohnen wurden im vorigen Jahr nach Deutschland importiert. Das meiste davon aus Brasilien. Und nur ein Bruchteil wurde zu Tofu verarbeitet, die überwiegende Menge landete als Futter in der Nutztierhaltung und dieses Futter ist mittlerweile richtig teuer. Warum die Sojabohnen also nicht selbst anbauen?

Joachim Köhler aus Rosenberg-Zollhof ist ein Pionier im Sojaanbau auf der Ostalb. Er hat die Pflanze seit 15 Jahren auf dem Acker und macht zwischenzeitlich Sortenversuche für verschiedene Pflanzenzüchter. Am Donnerstag war Feldtag und trotz strömendem Regen kamen rund 50 Landwirte, um sich zu informieren.

Tiemo Hofmann, Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft im Landratsamt, freute sich über das große Interesse am Sojaanbau, die dafür genutzten Fläche steige von Jahr zu Jahr. Mit dem Anbau wachse auch die Erfahrung der Landwirte in dieser Kulturart.

Hintergrund für das  große Interesse am Sojaanbau sind die extremen Preissteigerungen für Kraftfutter und Düngemittel. Die Landwirte suchen nach Wegen, mit weniger Mineraldünger auszukommen und da kommt Soja ins Spiel. Die Sojabohne kommt wie alle Leguminosen, etwa Lupinen oder Ackerbohnen, ohne Stickstoffgaben aus. Das Geheimnis sind die Knöllchenbakterien mit denen die Pflanzen in Symbiose leben und die Luftstickstoff in Ammoniumstickstoff umwandeln und so für die Pflanze verfügbar machen.

"Soja braucht möglichst nitratarmen Boden, sonst entwickeln sich die Knöllchenbakterien nicht", erklärt einer der Pflanzenbauberater. Von dem Stickstoff, den Soja im Boden anreichert, profitieren auch die Pflanzen, die im Folgejahr auf dem Feld wachsen.

Joachim Köhler hat Soja bereits das fünfte Jahr in Folge auf demselben Acker, zwei Hektar groß. Im Boden reichern sich so die Knöllchenbakterien an, was den Ertrag steigert. Bis zu 40 Dezitonnen pro Hektar sind selbst auf der rauen Ostalb möglich. Zum Vergleich: in Brasilien werden Erträge von 70 und mehr Dezitonnen erzielt. Bei der dort viel längeren Vegetationsphase werden frühe Sorten angebaut, die sich später verzweigen. Das schafft der Soja hierzulande nicht, auch nicht die neuen Sorten, die extra für Anbaugebiete in Süddeutschland gezüchtet werden. Am 11. Mai hat Köhler ausgesät, jetzt stehen fast alle Versuchsreihen noch in Grüntönen da. Fast alle sind spät reifend, damit sie auch noch die letzten warmen Tage im Oktober nutzen, um in ihren Schoten die gewünschten Bohnen auszubilden.

Wenn es in den Schoten raschelt, kann man dreschen. Auch das ist durchaus eine Herausforderung, was Köhler bestätigen kann. Dass 10 Prozent des Ertrags auf dem Acker bleibt, sei keine Seltenheit. Der Grund: Soja bildet bereits knapp über dem Boden die ersten Samenschoten aus, so tief schneidet kein Mähdrescher. Ein wichtiges Zuchtziel sind deshalb spät reifende Sorten mit hoher Schotenbildung, gutem Proteingehalt und Resistenz gegen den Pilz Sclerotinia, die einzige bekannte Soja-Krankheit. Tierische Schädlinge hat die Nutzpflanze nicht, "außer Feldhasen", wie Köhler feststellt, womit im Sojaanbau auch keine Kosten für den Pflanzenschutz entstehen.

Nach der Ernte müssen die Sojabohnen getrocknet werden, damit sie lagerfähig bleiben. Will man sie an Geflügel und Schweine verfüttern müssen sie zudem noch vorher "getoastet" werden. Durch kurzzeitiges Erhitzen werden die Proteine aufgeschlossen. Bei Rindern ist das nicht nötig, sie verwerten Soja auch "ungetoastet". Joachim Köhler versichert, dass er viel höhere Eiweißgehalte in der Milch erzielt, seit er seinen Kühen den eigenen Soja füttert.

Rentabel ist Soja im Übrigen auch in der Vermarktung: Derzeit bekommt man 58,50 Euro für die Dezitonne, im Bioanbau für Speiseware fast 100 Euro. Das Problem sei in diesem Jahr wohl eher, überhaupt das gewünschte Saatgut zu bekommen. "Wir haben definitiv zu wenig um die große Nachfrage zu befriedigen", sagten die Vertreter der Züchterfirmen. Ihre Sorten stellten die Unternehmen IG Pflanzenzucht, Lidea, RAGT, DSV und Hauptsaaten vor.

Interessierte Landwirte auf dem Soja-Versuchsfeld von Joachim Köhler in Rosenberg-Zollhof.

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