Wasser wird deutlich teurer

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Die Kosten für Trinkwasser und Abwasser steigen. Die Gründe sind vielschichtig. Archivfoto: opo
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Warum die Gebühren für Wasser und Abwasser in Rosenberg zwar spürbar steigen, die Gemeinde im Vergleich aber dennoch gut dasteht.

Rosenberg

Erfreulich ist es nie, wenn Gebühren erhöht werden. Dennoch kam Bürgermeister Tobias Schneider nicht umhin, die unangenehmen Punkte der Neukalkulation der Gebühren für Wasser und Abwasser aufzurufen.

Nachdem die Gebührenordnung lange nicht neu berechnet worden war, beauftragte der Gemeinderat im vergangenen Jahr die Kommunalberatungsgesellschaft Allevo mit der rechtssicheren Neukalkulation für den Zeitraum 2021 bis 2023. Dominique Löw und Ute Hofmann von Allevo stellten die Werte im Detail vor.

Herausgekommen ist ein gut 60 Seiten starkes Dossier, das die inzwischen doch recht komplexe Materie einordnet in die gesetzlichen Vorgaben. Die Leitplanken setzen das Kommunalabgabengesetzes des Landes, die neuen Doppik-Haushalte mit der Vorgabe der Kostendeckung und Verpflichtung zu kalkulatorischen Abschreibungen sowie die Splittung von Schmutz- und Niederschlagswasser.

Dazu kommt noch die Gewichtung nach dem Verursacherprinzip, also eine Staffelung nach Bezugs- und Verbrauchsgrößen.

Schneider beruhigte eingangs: „Das Horrorszenario ist nicht eingetreten.“ Die Gemeinde habe einen Weg gefunden, sich im rechtlichen Rahmen zu bewegen, und wohlwollend für die Gebührenzahler zu agieren. „Was hier vorliegt, ist mit Landratsamt und Gemeindeprüfaufsicht abgestimmt.“ Dabei habe man sich stets an der Unterkante des Möglichen bewegt, so Schneider.

An der Kante des Möglichen

Gemeinderat Josef Schips hinterfragte dies für den kalkulatorischen Abschlagszins kritisch. Dieser wurde von Allevo mit 0,5 Prozent angesetzt. Doch auch hier sei man an der Grenze des vertretbaren, so Schneider: „Der Spielraum geht für die Kommunen hier bis zu 5 Prozent. Den Schnaps obendrauf genehmigen wir uns nicht.“ Kämmerer Winfried Krieger pflichtete bei: „Wenn wir hier noch tiefer ansetzen, brauchen wir uns an anderer Stelle um Mittel aus dem Ausgleichsstock gar nicht mehr erst bemühen.“

Zudem wiesen sowohl der Kämmerer als auch die Berater von Allevo darauf hin, dass bei der Beschlussfassung dieser Gebührensätze im Schmutzwasserbereich bewusst in Kauf genommene Kostenunterdeckungen in Höhe von 126 000 Euro und im Niederschlagswasserbereich in Höhe von 43 000 Euro entstehen, die später nur noch durch allgemeine Haushaltsmittel zu decken sind. „Sie erreichen damit eine Kostendeckung von 90 Prozent.“

Das Gebührenwerk sei mehr als fair, betonte Dominique Löw, von Allevo. „Das können sich nicht viele Kommunen leisten.“ Zumal auch die Verluste der vergangenen Berechnungsperiode nicht mit in die neue Kalkulation eingeflossen seien, sondern abgeschrieben wurden. „Das ist ein Neustart“, so Löw. Und Krieger ordnete ein: „Damit bewegen wir uns immer noch im Ostalbkreis und dem Land an der Spitze.“

100 Euro mehr im Jahr

Gemeinderätin Judith Ebert El-Mawla wollte wissen, was das nun heruntergebrochen auf den normalen Haushalt bedeute. Löw bekannte, dass bei einer Durchschnittsgröße von 120 Kubikmetern Jahresverbrauch und 150 Quadratmetern versiegelter Fläche etwa 100 Euro Mehrkosten jährlich entstünden.

Bei einer Gegenstimme verabschiedete der Gemeinderat mehrheitlich das neue Gebührenwerk, das rückwirkend ab dem 1. Januar 2021 in Kraft tritt.

Das Horrorszenario ist nicht eingetreten.“

Tobias Schneider, Bürgermeister Rosenberg

Die Gebührenänderung im Überblick

Die Netto-Grundgebühr für Haushaltszähler steigt von bislang 0,4 Euro auf 2 Euro monatlich, bei großen Gewerbezählern von 0,75 Euro auf 12,5 Euro.

Der Netto-Bezugspreis steigt von 1,71 Euro je Kubikmeter auf 1,81 Euro.

Die Schmutzwassergebühren werden von Netto 3,25 Euro auf 3,55 Euro je Kubikmeter angehoben, für Niederschlagswasser statt 0,29 nun 0,5 Euro je Quadratmeter versiegelter Fläche.

Der durchschnittliche Bezugspreis für den Kubikmeter Wasser beträgt in Baden-Württemberg Stand März dieses Jahres 2,58 Euro netto.

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