Rundholz regional besser vermarkten

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Rundholz im Wald bei Ellwangen fertig zur Abfuhr: Wo es wohl verbaut wird? In China und in den USA sind momentan die höchsten Preise zu erzielen während die Handwerker der Region gar kein Material mehr bekommen.
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Der Stiftungsausschuss des Kreistages beschließt den Beitritt der Hospitalstiftung zur Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbisch-Fränkischer Wald/Ostalb.

Ellwangen/Aalen

Wie kann ein Waldbesitzer in der momentanen Situation dazu beitragen, dass die regionalen holzverarbeitenden Betriebe, Zimmerer und Schreinereien an den dringend benötigten Rohstoff kommen? Darum ging es in der Online-Sitzung des Stiftungsausschusses am Montag.

Die Kreisverwaltung hatte den Antrag gestellt, der Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbischer-Fränkischer Wald/Ostalb beizutreten. Die Hospitalstiftung verfügt über rund 130 Hektar Wald und verdient am Holzverkauf sowie an der Verpachtung von Fläche an die Betreiber von drei Windkraftanlagen, führte der Kreiskämmerer Karl Kurz aus. Derzeit liegt der Weltmarktpreis für Schnittholz auf einem Rekordhoch. Das Material wird aus den USA und China aufgekauft mit der Folge, dass heimische Handwerker Schwierigkeiten haben, Aufträge abzuarbeiten, weil ihnen das Material fehlt. Momentan schlage die Knappheit noch nicht richtig auf den Preis für Rundholz durch, sagte Kurz. Es sei jedoch zu erwarten, dass sich das bald ändert.

Landrat Dr. Joachim Bläse machte deutlich, dass eine gewisse Stellung am Holzmarkt nötig sei, um ordentliche Preise zu bekommen. Mit der Holzvermarktungsgemeinschaft, zu der sich drei Landkreise zusammengeschlossen haben, sei eine solche Stellung möglich.

Kreisrat Karl Hilsenbek (Freie Wähler) betonte den Ernst der Lage und berichtete von einer Zimmerei, die trotz voller Auftragsbücher demnächst Kurzarbeit anmelden müsse, weil sie kein Material bekomme. Außerdem wisse er von Bauwilligen, bei denen die Finanzierung ihrer Holzhäuser wackelt, weil der Materialpreis extrem angestiegen ist. „Ich mache mir Sorgen um das holzverarbeitende Handwerk in der Region und meine, die Stiftung sollte das ihre dazutun, um über die örtlichen, kleinen Sägewerke kurze Lieferketten zu Handwerkern aufzubauen.“ Als Teil eines größeren Verbunds werde die Stiftung weniger Einfluss auf die Vermarktung haben. „Deshalb sollten wir den Beitritt zur Holzvermarktungsgemeinschaft jetzt zurückstellen, bis sich die Situation beruhigt hat“, meinte Hilsenbek.

Der Landrat widersprach: „Ganz im Gegenteil erfordert es gerade die jetzige Situation, dass wir der Gemeinschaft beitreten.“ Bessere Preise für Rundholz könne man leichter durchsetzen, wenn man entsprechende Mengen anbieten kann.

Karl Kurz führte aus: „Es geht auch nicht nur um das Einschlagen. Das Holz muss vorher ausgezeichnet werden, es müssen Angebote geschrieben, Qualitätsstufen markiert werden. Für all das brauchen wir die größere Gemeinschaft, um die Wertschöpfungskette im Kreis aufrecht zu erhalten.“

Als Mitglied der Genossenschaft, in der sowohl größere Waldflächen von Körperschaften wie auch kleine Privatwälder zusammengeschlossen sind, muss die Hospitalstiftung 1500 Euro im Jahr bezahlen.

Keine Andienungspflicht

Im Übrigen hätten die Mitglieder der Gemeinschaft keine Andienungspflicht, machte Kurz deutlich. Die Stiftung könne jederzeit Verträge mit kleinen Sägereien aushandeln und Holzmengen selbst vermarkten.

Herbert Hieber (SPD) verwies auf erste Handwerker, die dazu übergegangen seien, selbst Rundholz zu kaufen und im Lohn sägen zu lassen, um überhaupt Material zu bekommen.

Hilsenbeck blieb bei seiner Meinung und stellte den Antrag, den Beitritt zur Holzvermarktungsgemeinschaft vorerst zurückzustellen. Der Antrag wurde mit einer Pro und zehn Contrastimmen abgelehnt.

Der Antrag der Kreisverwaltung, der Holzvermarktungsgemeinschaft beizutreten, fand mit 10 Pro und einer Contrastimme die Mehrheit.

Gerade jetzt müssen wir beitreten.“

Dr. Joachim Bläse, Landrat

Die Vorteile der Holzvermarktungsgemeinschaft

Mengen bündeln: Für eine bessere Verhandlungsposition wird eine gemeinsame Holzverkaufsmenge von mindestens 250 000 Festmeter angestrebt.

Dienstleistung: Die Organisation arbeitet kooperativ, unabhängig und wird von den Mitgliedern gesteuert.

Kosten optimieren: Die Organisation soll effizient arbeiten und Förderungen ausschöpfen.

Marktzugang: Besserer Marktzugang für kleine Waldbesitzer.

Sortimente: Auch Kleinmengen und Brennholz werden von der Gemeinschaft auf Wunsch vermarktet.

Rechtssicherheit: Es sollen langfristig rechtssichere und transparente Strukturen geschaffen werden.

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