Sigmund-Freud-Preis für Hubert Wolf

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Sichtliche Freude bei der Verleihung des diesjährigen Sigmund-Freud-Preises an den Theologen und Kirchengeschichtler Prof. Dr. Hubert Wolf (rechts) durch den Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Ernst Osterkamp (links).
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Der aus Wört stammende Autor erhält den mit 20 000 Euro dotierten Preis in Darmstadt. Der Theologe Christoph Markschies hält die Laudation.

Darmstadt/Wört

Am Samstagabend wurden im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt drei wichtige deutsche Literaturpreise verliehen. Einer, nämlich der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa, ging an den aus Wört stammenden und in Münster/Westfalen lehrenden Kirchengeschichtler und katholischen Theologen, Prof. Dr. Hubert Wolf.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit Sitz in Darmstadt würdigt damit das umfassende Werk des demnächst 62-jährigen Wissenschaftlers und gleichzeitig großen Erzählers Hubert Wolf. Er sei einerseits ein hervorragender Kirchengeschichtler, so der Laudator Christoph Markschies, evangelischer Theologieprofessor in Berlin, und andererseits ein ausgezeichneter Erzähler. Erklären und erzählen, Analyse und Narration passen bei Hubert Wolf auf höchstem Niveau zusammen, fasste Markschies zusammen.

Hubert Wolf reiht sich damit in die Reihe der ganz Großen ein. Der Sigmund-Freud-Preis wird seit 1964 jährlich verliehen. Unter vielen anderen hat ihn 2005 der Philosoph Peter Sloterdijk bekommen, der Atomphysiker Karl-Friedrich von Weizsäcker 1988, der katholische Theologe Karl Rahner 1973 und sein evangelischer Theologenkollege Karl Barth 1968.

Professor Markschies gliederte seine Laudatio in zwei Teile: Schreibstil und Sprachstil. Buchtitel wie „Krypta“, „Zölibat“, „Konklave“, „Index“ oder sein neustes Buch „Unfehlbar“ zeigen eine um Knappheit, Prägnanz und Präzision bemühte Argumentation. Am Beispiel der „Nonnen von Sant'Ambrogio“ zeigte Markschies auf, wie Wolf sich dieser Geschichte mit lakonischer Kürze, subtiler Ironie, aber auch, wo nötig, mit barocken Weiterungen nähert. Zahlreiche Fußnoten und Quellenangaben sowie Abbildungen zeigen trotz seines „schwungvollen Erzählstiles“ jedoch auf, dass es sich dabei um „eine wahre Geschichte“ handelt.

Markschies zeigte sich gut über die schwäbische Heimat Wolfs informiert. „Der Preisträger spricht in größter Öffentlichkeit in einer freundlich dem Hochdeutschen angenäherten Form, die die Herkunft aus dem katholischen Teil Württembergs nicht krampfhaft zu verbergen sucht“.

Sogar die konfessionelle Spaltung Wörts in den nördlichen evangelischen Ortsteil Bösenlustnau und das südlich davon gelegene katholische Wört kennt er. „Das mag erklären“, so Markschies, „warum Hubert Wolf ein ebenso fröhlicher wie selbstbewusster Katholik ist, der seine heimatliche Landschaft und seine vertraute Konfession verteidigt“. In seiner Dankrede berichtete der neue Preisträger Hubert Wolf an mehreren Beispielen, wie schwierig oft die Suche nach der Wahrheit ist.

So hoffte er nach der Öffnung der vatikanischen Archive für die Zeit Papst Pius XII. den Entwurf der bekannten Weihnachtsansprache 1942 zu finden. Aber genau dieser Text fehlt in der ansonsten vollständigen Sammlung aller Papstreden. Diese muss nun stattdessen über aufwendige Umwege erschlossen werden.

Neben dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa für Hubert Wolf (Dotierung 20 000 Euro) wurden der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay an den österreichischen Literaturkritiker Franz Schuh sowie der Georg-Büchner-Preis an den ebenfalls österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz verliehen.

Der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Ernst Osterkamp, selbst ein bedeutender deutscher Germanist und Literaturkritiker, begrüßte das nahezu voll gefüllte Große Haus des Staatstheaters in Darmstadt und führte durch den knapp dreistündigen Abend. Ein Grußwort sprach die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn.

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