Sozialführerschein in Ellwangen: „Da kommt so viel zurück“

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Hanne Seelert hat vor Jahren den „Sozialführerschein“ gemacht, über ihn ins Ehrenamt gefunden. Und dadurch eine Menge Bereicherung in ihrem Leben erfahren. Im Mai startet der nächste Kurs.
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Wie der Kurs „Helfen lernen“ eine Menge Erfüllung und Freude in Hanne Seelerts Leben brachte.

Ellwangen. Orangefarbener Pulli. Oranger Lockenkopf. Hanne Seelert. 70. Energiebündel. Seit sieben Jahren ist sie in Rente. Und will ihre Zeit gut verbringen. Das bedeutet in Hanne Seelerts Fall: nicht auf dem Sofa gammeln. Sondern etwas erleben. Am liebsten mit menschlicher Begegnung. Eine Menge gibt ihr dabei ihr Einsatz im Haus Kamillus der Stiftung Haus Lindenhof. Dort kümmert sie sich um geistig Erkrankte.

Die Menschen, die jeden Morgen in der Tagespflege des Haus Kamillus ankommen, haben früher in der Werkstatt der Einrichtung gearbeitet. Sind jetzt in Rente. Und im „Kamillus“ tagsüber betreut statt irgendwo alleine. Hubert, Beate, Josef oder Maria: Sie alle haben irgendeine Form der Einschränkung. Für Hanne Seelert ist es kein Kranksein, sondern einfach ein Anderssein. Eins das angenommen und akzeptiert werden sollte vom Umfeld. Und dann ist das möglich, was im Haus Kamillus so wunderbar funktioniert. Ein fröhliches, liebevolles Miteinander.

Hubert war grade bei Elke, angestellte Mitarbeiterin im Gruppendienst, zum Cornatest, stößt sie leicht mit dem Ellenbogen in die Seite, als sie ein Späßle macht. Er wackelt mit dem Finger: „Du bisch a Lombamensch.“ Lachen. Vor dem Haus sitzen bereits drei Bewohner im Lindenhof-Bussle. Für sie geht’s gleich zur Werkstatt. Eine junge Frau lächelt ihnen im Vorbeigehen zu. Dreifaches Winken kommt zurück. Das Lächeln wird breiter.

Ich gehe mit einer tiefen Zufriedenheit nach Hause.“

Hanne Seelert, Absolventin Sozialführerschein

In diesen paar Eindrücken steckt schon manches von dem, was Hanne Seelert dann beschreibt. Warum sie sich seit zehn Jahren hier pudelwohl fühlt und in ihrer Freizeit nur zu gern mit Beate Mensch-ärgere-dich-nicht spielt, mit Hubert malt, mit Josef Lego baut oder mit Maria sich an ihren Fotos freut. „Da kommt so viel zurück. Die Menschen hier sind so echt, so unverfälscht.“ Und: „Auch wenn sie es selbst am nächsten Tag nicht mehr wissen: Mir schenken sie oft einen Moment voller Freude. Und wenn ich nach den Stunden hier rausgehe, dann mit einer tiefen Zufriedenheit.“ Erfüllung im Ehrenamt. Die hat Hanne Seelert gefunden.

Mehrere Einrichtungen kennenlernen

Angefangen hat das alles vor elf Jahren mit einem Flyer, der bei Juwelier Hunke im Schaufenster lag. „Helfen lernen.“ Das stand da. Und genau das wollte sie. Der Satz traf genau ihr Gefühl. Und so meldete sich an, für den „Sozialführerschein“. „Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich gerne helfen würde, wusste aber nicht, welche Möglichkeiten es alles gibt, was zu mir passt.“ Während des Kurses hatten sich Einrichtungen vorgestellt.

Bei Hanne Seelert, damals noch voll berufstätig im Steuerbüro, kristallisierte sich dann heraus, dass sie gern zusammen mit ihren beiden Hunden Jule und Billy gemeinsam helfen würde. Sie meldete sich beim Rabenhof und bei der Stiftung Haus Lindenhof. Beide freuten sich, sagten zu, dass sie die dort betreuten Menschen für Spaziergänge abholen kann.

Freude und Dankbarkeit

Später, als die heute 70-Jährige, in Rente war, war zeitlich mehr Luft. Da stieg sie stärker ein, half morgens bei der Pflege, heute ist sie in der Tagespflege. Schneidet Essen klein, holt Handcreme, macht Spaziergänge, singt und musiziert mit der Gruppe, krault Josef den Rücken und legt Maria ihre Puppe in den Arm. Was hier so einfach klingt, bedeutet aber eine Menge Einfühlungsvermögen. Wie tickt wer? Was tut wem gut? Unkompliziert, herzlich und offen, ist Seelerts Umgang.

Das, was ihr im Beruf manches mal gefehlt hat zwischen all den Bilanzen, das positive Feedback, das bekommt Hanne Seelert hier tagtäglich. Echte Freude und Dankbarkeit. Für Kleines. Wie einen Ausflug zum Leberkäswecken-Essen. Der Umgang mit den angestellten, oft jungen Kollegen: schön. Herzlichst. Dass es ein Ehrenamt ist, keine Anstellung, dass sie nicht muss, sondern darf, gibt ihr Freiheit. Regelmäßig mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause fahren. Und stolz auf sich sein, weil sie es war, die rausgefunden hat, was der Schreipatientin gut tut.

Der nächste Sozialführerschein-Kurs startet

In wenigen Wochen startet der 15. Sozialführerschein-Kurs in Ellwangen unter dem Titel „Helfen lernen“. Die Auftaktveranstaltung ist am Mittwoch, 4. Mai, im Palais Adelmann. In dem achtteiligen Kurs, der immer donnerstags von 19.30 bis 22 Uhr abwechselnd im Speratushaus, Palais oder Jeningenheim sein wird, bekommen die Teilnehmer einen Überblick, über die vielfältigen Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren und erhalten Unterstützung, um ihren persönlichen Weg ins Ehrenamt zu finden. Auch Schnupperpraktika werden vermittelt.

Träger sind die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Ellwangens, die Stiftung Haus Lindenhof, die Caritas Ost-Württemberg, der Kreisdiakonieverband Ostalb und die Stadt Ellwangen. Anmeldungen sind telefonisch unter (07961) 5657-132 oder (07961) 5697-82 oder per Mail unter steidle@caritas-ost-wuerttemberg.de möglich. Für den Kurs wird ein freiwilliger Unkostenbeitrag von 25 Euro erbeten.

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