Staatsanwalt Horn plädiert auf lebenslang und Psychiatrie

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Adrian S. hatte Mordpläne in mehreren Varianten. Große Mengen an KO-Tropfen hatte er offensichtlich selbst hergestellt. 

Ellwangen. Gutachten des Landeskriminalamts (LKA) standen im Mittelpunkt des sechsten Tags der Hauptverhandlung. Im Mordprozess gegen Adrian S. ergab die Spurensicherung keine Überraschung: Fingerabdrücke an Magazin und Waffe konnten dem Angeklagten zugeordnet werden. Starke Schmauchspuren an den Händen von Adrian S. zeigten die Schussabgabe an.

Die DNA-Untersuchung zeigte neben Spuren des Angeklagten auf den Griffschalen der Waffe auch DNA des Vaters. Möglich ist, dass der Vater die Pistole einmal in Händen hatte oder aber dass Hautschuppen des Vaters an den Händen des Sohnes anhafteten und so auf die Griffschalen gelangten.

Die Polizei hatte Proben an das LKA zur chemischen Analyse gesandt. Darunter waren 375 Milliliter 4Hydroxybutansäure, abgekürzt GHB, auch als "KO-Tropfen" oder "Liquid Extasy" bekannt. "Das war eine relativ große Menge, wie wir sie selten zur Analyse haben", sagte der Diplom-Chemiker am LKA. Er untersuchte auch eine handschriftliche Notiz, die im Zimmer des Angeklagten gefunden wurde. Sie beschreibt die Herstellung und deutet an, dass Adrian S. die Substanz selbst fabriziert haben könnte.  Der Angeklagte hatte bereits zuvor ausgesagt, dass er ursprünglich plante Mutter und Schwester zu betäuben, zu foltern und zu töten. Zur Umsetzung kam dann Plan B, der Kauf einer Sportpistole, mit der am 24. Januar die Bluttat verübt wurde.

Der Angeklagte war während der Tat zu rationalen Überlegungen fähig

Carsten Horn Staatsanwalt

Das Ergebnis der Obduktion der Opfer stellte die Rechtsmedizinerin Dr. Stein anhand zahlreicher Bilder vor. Mit Ausnahme der Tante wiesen alle Opfer Kopfschüsse auf. Insgesamt wurden 30 Schüsse abgefeuert. Die Obduktion der Mutter ergab, dass sie bis zum Ende der Taten noch gelebt haben könnte und erst mit dem letzten abgegebenen Schuss getötet wurde.

Der Angeklagte saß währendessen still da und blickte starr vor sich auf den Tisch. Adrian S., der sich an den ersten drei Verhandlungstagen noch mit umfangreichen Aussagen, Wortmeldungen und Anträgen rege beteiligte, blieb seit seinem Zusammenbruch am Ende des dritten Verhandlungstages weitgehend stumm. Auch auf das psychiatrische Gutachten zeigte er keine Reaktion.

Vor Abschluss der Beweisaufnahme wurde die polizeiliche Aussage eines Freundes der Familie verlesen. Der Mann hatte unter anderem ausgesagt, er könne sich psychische Misshandlungen des Angeklagten durch Mutter und Schwester vorstellen. Für das Gericht sei die Aussage bedeutungslos, teilte Richter Gerhard Ilg mit.

Am Nachmittag sprach Staatsanwalt Carsten Horn sein Plädoyer. Die Morde an Mutter, Vater, Schwester, Bruder, Onkel und Tante sowie der versuchte Mord an den Großeltern der beiden Neffen durch Adrian S. sei erwiesen. Eine Schuldunfähigkeit erkannte Horn nicht. Aufgrund einer anhaltenden wahnhaften Störung in Verbindung mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung sei der Angeklagte jedoch vermindert schuldfähig nach Paragraf 21. Allerdings nur bezüglich des Mordes an Mutter, Vater und Schwester.

"Der Angeklagte war während der Tat zu rationalen Überlegungen fähig", stellte Horn fest und verwies auf die Bewaffnung mit drei Magazinen sowie die Tötung des Bruders, damit der ihn nicht aufhalte. Für die Tötung von Mutter, Vater und Schwester plädierte Horn auf je 14 Jahre Freiheitsstrafe, für die beiden versuchten Morde auf jeweils zehn Jahre und für die Ermordung von Bruder, Onkel und Tante auf jeweils lebenslang. In Summe eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die besondere Schwere der Schuld sei erwiesen. Weil der Wahn andauere und Adrian S. weiter eine Gefahr darstelle, sei die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anzuordnen.

Das Urteil wird voraussichtlich am Freitagnachmittag gesprochen.

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