2021 weniger Strom aus PV und Windkraft

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Die Energiegenossenschaft Virngrund hat auf dem Dach des Tegut-Gebäudes eine PV-Anlage montiert. Der Strom wird von dem Lebensmittelmarkt und vom städtischen Kindergarten genutzt.
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Die Energiegenossenschaft Virngrund rechnet 2021 witterungsbedingt mit geringeren Leistungen ihrer Anlagen für erneuerbare Energien.

Ellwangen Im zehnten Jahr ihres Bestehens zieht die Energiegenossenschaft Virngrund (EGV) eine rundweg positive Bilanz. Bürgermeister Volker Grab betonte als Aufsichtsratsvorsitzender, dass die Genossenschaft angetreten sei, um den Klimaschutz in der Region voranzubringen und das Geld der Mitglieder in diesem Sinne einzusetzen. Die ertragreiche Verzinsung war für die beiden Geschäftsführer Willi Gresser und Friedrich Schluck nie das oberste Ziel. Und dennoch gelang es ihnen jedes Jahr eine ordentliche Dividende zu erwirtschaften. Auch für 2020 beschloss die Generalversammlung, die auf dem Wagnershof tagte, eine Auszahlung von 2,25 Prozent auf die Einlagen der Mitglieder.

Dass dies alles andere als selbstverständlich ist, machte Volker Grab deutlich. Von 835 Energiegenossenschaften bundesweit befänden sich derzeit 61 in Liquidierung. Vor allem jene Gesellschaften, deren einziger Ertrag aus der Stromeinspeisung aus eigenen Fotovoltaikanlagen stammt, seien ohne Perspektive. Grund sei unter anderem, dass die Bundesregierung eine EU-Richtlinie bezüglich der Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien nicht in nationales Recht umgesetzt habe. Genossenschaften können den Strom aus eigenen Anlagen nur über Umwege und ohne finanziellen Gewinn selbst nutzen. Da die Einspeisevergütung stark gesunken ist, werden von Genossenschaften aktuell kaum noch neue, eigene Anlagen installiert.

Bei den Ellwanger Energiegenossen sieht die Situation anders aus: Sie generiert ihre Umsätze nicht nur aus der Einspeisevergütung eigener PV-Anlagen, die auf angemieteten Dächern montiert sind. Ein wichtiger Pfeiler ist die Beteiligung am Bürgerwindpark der Stadtwerke Ellwangen. Die Windräder im Spitalwald liefern gut Strom und sorgen so für eine Verzinsung von 5 bis 7,5 Prozent des eingesetzten Kapitals. Erfolgreich sind auch das Licht-Contracting sowie die Projektierung und Vermietung von PV-Anlagen, Energiespeichern und Wärmepumpen auf privaten und öffentlichen Gebäuden. Die Mieter können den Strom aus diesen Anlagen selbst nutzen und haben so einen geldwerten Vorteil. Beispielsweise die PV-Anlagen auf dem Ellwanger Wellenbad, auf der Parkpalette und auf dem Dach des "Tegut"-Gebäudes sind so konzipiert.

Neue Projekte sind unter anderem auf den Dächern der beiden Punkthäuser in der Karl-Stirner-Straße geplant. Zweimal 27 KWp soll die Leistung der geplanten PV-Anlagen betragen. Mit dem Strom werden die gemeinsamen Anlagen der Bewohner betrieben (Aufzüge, Beleuchtung in Treppenhäusern, Tiefgarage etc). Das Investment der EVG umfasst auch zwei Stromspeicher. Außerdem ist Willi Gresser im Gespräch mit Interessenten in den umliegenden Gemeinden, unter anderem in Rainau. "Es gibt noch viele Dächer öffentlicher Gebäude, die sich für PV-Nutzung anbieten", sagt er. Und auch die Projektierung für Private könnte ein gutes Modell werden. Volker Grab: "Die verpflichtende PV-Anlage auf Wohnhäusern ist für manchen Häuslebauer finanziell ein Problem. Das Anmieten von der Energiegenossenschaft kann da eine gute Lösung sein."

Bislang werden für den Rückbau der vermieteten PV-Anlagen noch Rückstellungen gebildet. Doch Friedrich Schluck kündigte an, dass die Genossenschaft solche Anlagen nach Ende des Mietvertrags (20 Jahre) den Besitzern der Gebäude auch kostenlos überlassen könne. Dann würden die Rückstellungen für neue Projekte frei. Ein Vorteil auch für den bisherigen Mieter: PV-Anlagen können 30 Jahre und länger Strom liefern, der dann völlig kostenlos nutzbar wäre.

Ausbaufähig ist die Vermarktung des selbst erzeugten Stroms. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben kann die EGV nur über einen Zwischenhändler, die Bürgerwerke, ein Verbund der Energiegenossenschaften, eigene Kunden beliefern. Derzeit beziehen 78 Kunden pro Jahr 183 000 Kilowattstunden. "40 davon sind Mitglied der EGV", sagt Schluck dazu. Ziel sei 120 Stromkunden mit 360 000 Kilowattstunden zu erreichen.

Die EGV hat 43 Mitglieder hinzugewonnen, drei verloren. Zum 31.12. hielten 373 Mitglieder 2698 Geschäftsanteile. Das Guthaben stieg um 200 000 Euro auf 1,35 Millionen. Die Genossenschaft hat jetzt PV-Anlagen mit über 1000 KWp installiert und sorgt so pro Jahr für eine CO2-Einsparung von über 400 Tonnen. 2020 stiegen die Umsatzerlöse auf über 132 000 Euro. Nach Steuern blieb ein Jahresüberschuss von 61 529 Euro. Der ist nur deshalb geringer als 2019, weil die EGV damals 25 000 Euro Förderung gewonnen hat.

Schon jetzt zeichne sich ab, dass aufgrund des regenreichen und windarmen Jahres PV-Anlagen und auch die Windräder 2021 weniger Strom liefern werden als in den Vorjahren. Gresser schätzt, das es bis zum Jahresende 10 Prozent weniger sein wird als 2020. Die Ertragslage der Genossenschaft werde davon jedoch nicht wesentlich betroffen sein. Friedrich Schluck kalkuliert auch in den nächsten Jahren mit ausreichend Gewinn, der eine Dividende von 2,25 Prozent ermöglicht.

Gedanken müsse man sich um die Altersstruktur der Mitglieder und auch um eine Nachfolge für die beiden Vorstände machen, gab Volker Grab zu bedenken. Die ehrenamtliche Arbeit von Willi Gresser und Friedrich Schluck könne man nicht hoch genug schätzen. Umso wichtiger sei es, rechtzeitig für einen Generationswechesel und einen geordneten Übergang zu sorgen.

Gerhard Königer

"Es gibt noch viele Dächer öffentlicher Gebäude, die sich für PV-Nutzung anbieten."

Willi Gresser, Technischer Vorstand
  • Zahlen zur Energiegenossenschaft Virngrund
  • Die EGV hat im vergangenen Jahr 43 Mitglieder hinzugewonnen, drei verloren. Zum 31.12. hielten 373 Mitglieder 2698 Geschäftsanteile. Das Geschäftsguthaben der Mitglieder stieg um 200 000 Euro auf 1,35 Millionen. Die Genossenschaft hat jetzt PV-Anlagen mit weit über 1000 KWp installiert. 2020 stiegen die Umsatzerlöse auf über 132 000 Euro. Nach Steuern blieb ein Jahresüberschuss von 61 529 Euro. Der ist nur deshalb geringer als 2019, weil die EGV damals 25 000 Euro Förderung gewonnen hat.
Die Energiegenossenschaft Virngrund hat auf dem Dach der Kalthalle eine PV-Anlage montiert. Im Vordergrund die beiden Vorstände Willi Gresser (l.) und Friedrich Schluck.

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